Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1843)
- Date
- 1843-09-18
- Page
- Seite 569 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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569 Fürsorge anzurechnen. Welches Gefühl kann ein in solcher Absicht gewahrtes Zugeständniß im. Juden erwecken, welche Wirkung werden überhaupt Zugeständnisse, die ein solcher Geist beseelt, machen, wie muß nicht in ihrem Schooße Humanität, und Großherzigkeit zu einer schwachen, verkrüppelten Pflanze zusammenschrumpfen? Doch welchen Geist haben Sie, hochherzige Männer des freien Rheins, bekundet! Nicht Gnade wollten Sie spenden, sondern im reinsten Hochgefühle Recht ertheilen: Sie wurden von. dem Genius der Wahrheit geleitet, der über Vortheil und Selbstsucht erhebt,- darum sprachen Sie ungetheilte bürgerliche Gleichstellung aus, ertönte aus ihrem Munde das.Wort, auf das Jahre lang geharrt wurde. Hohe Ständeversammlung! es ist das von innnigem Danke tiefbewegte Gemüth eines Juden, das diese Zeilen diktirt; und er darf.mit Gewißheit aussprechen, daß viele Lausende seiner. Glaubensgenossen, die, wenn auch .gleich ihm vom Rheine fern lebend und zu Preußens Unterthanen sich nicht rechnend, in dieses Gefühl mit einstimmen. Es ist aber auch nicht minder die Aeußerung eines Mannes, den jeder gegen die Bekenner einer andern Konfession geübte Druck auf's tiefste verwundet; den die Leiden der Protestanten in den piemontesisch'en Gebirgen mit nicht geringerm Schmerz erfüllen als die der Juden in den meisten christlichen und die der Katholiken in manchen protestantischen Ländern. Das Wort Mensch soll zu seiner wahren Bedeutung und Geltung kommen: und wie traurig, wenn die Religion, die Botin des Friedens und der Liebe, die Veranlafferin des bittersten Unrechts wird! Es ist endlich die Stimme eines Deutschm, der, auf deutschem Boden.geboren, in deutschen Sitten großgezogen, auf den Namen eines Deutschen stolz, sein Auge bewundernd zu der Höhe erhebt, die deutsche Wissenschaft und Bildung erreicht; mnd doch sieht er sich vom deutschen Vaterlande in dem Volke, dem er der Konfession nach angehört, zurückgedrängt; muß, was dem Menschen am theuersten, die Freiheit, bei auswärtigen Nationen für seine Glaubensgenossen suchen! Nach Frankreich, Belgien, Holland schweifte der Blick hinüber, in Germaniens Gauen konnte er bis jetzt mit Ausnahme Kurhessens , nicht den erwünschten Ruhepunkt finden: der Deutsche, dem Recht heilig, der die'Freiheit zum Panier erhebt^ will er allein die Freiheit des Menschen im Juden verkennen, er, der Hochgebildete, hinter seinem westlichen Nachbar so weit zurückstehen? Sie, erhabene Männer! haben die Ehrenrettung Deutschlands übernommen; und Ihr Wirken ist um so be-' deutungsreicher, als es in einen Zeitraum fällt, in welchem der Brust Vieler mancher Seufzer über die Rückschritte entfährt, die auf 'dem Gebiete der Humanität drohen. Da erhebt das edle Rheinvolk, laut und vernehmbar seine Stimme: freisinnige Städte des Rheinlandes treten in die Schranken für die Emanzipation der Juden, seine Stände fassen einen Beschluß, wie er die Vertreter eines für Recht und Freiheit glühenden Volks ehrt, legen ihre Wünsche an den Stufen eines Thrones nieder, den ein weiser und gerechter König einnimmt, der diesen Wünschen Erhörung schenken wird. Durch den rheinischen Landtag bricht eine neue Zeit an; denn schon in dem ausgesprochenen Beschlüsse liegt für den Juden die befriedigende Manifestation, daß er einem großen Lheile der Bewohner Deutschlands nicht mehr ein Fremdling sei. Diese Ueberzeugung wird sich weiter Raum schaffen: der Funke des Religions^ Hasses und der Unduldsamkeit, der hier und dort noch auflodert, wird vor der großherzigen, vom Rheinländer geoffenbarten Gesinnung erlöschen;-kein Vorwand wird mehr.gesucht, nicht wird die Nationalität des Juden als Vehikel des Menschenhaffes herbeigeholt: der deutsche Jude ist ein Deutscher, gehört dem Vaterlande mit seinem Leben und seinem Gute an, fühlt sich nicht durch seine Konfession behindert, sich zur deutschen Nation zu bekennen. „Recht und Freiheit jedem Menschen, Duldung und Liebe jedem Glaubensbekenntnisse," dieses wird in Zukunft der Wahlspruch Deutschlands sein; unter dieser Fahne sammeln-sich alle seine Söhne, unter diesem Bollwerke wird jedem Feinde widerstanden; dieses das Rheinlied,' das alle Zeiten überdauert: die edelsten Männer haben es angestimmt und bald - wird es allgemein widerhallen." Berlin,' 29. August. Die D. A. Z. enthält folgenden Artikel: „Die Wahl des Oberrabbiners in Dresden Dr. Zacharias Frankel ist jetzt durch die Minister des Innern so, wie der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten, vermöge der allerhöchsten Ermächtigung, genehmigt worden, die Bestätigungsurkunde lautet aber in zweimaliger An- 38*