Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1843)
- Date
- 1843-09-18
- Page
- Seite 564 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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564 tut ju stempeln. Es ist dasselbe, das der Knabe des.kalten Nordens, an den Ufern der Belte und der am heißen Ganges, der in der Berberei und der im freien Lande Nordamerika's, der Wate wie -der Europäer, in sich aufnimmt. Der Geist wird früh aufgesäugt mit andrer Nahrung als das Heidenthum je gewährt, hat, er wird imprägnirt mit Anschauungen und-Gedanken, deren sich das Heidenthum nicht bemeiflern, denen es sich kaum nähern konnte; und da ward der roheste Judenknabe in göttlichen Dingen der Meister des gebildetsten und denkendsten Griechen. Was diese nicht zu denken vermochten, ward sein Eigenthum, ein Geschenk vom Himmel, das er unbewußt hinnahm, ohne es gehörig zu kennen und zu würdigen, ohne seinu» Unterschied und seinen Werth dem Heidenthume gegenüber zu erkennen; dieses große, ganz eigenthümliche Gedankengut, dieses heilige Kleinod war sein allgemeines Besitzthum, wie für das Volk sein Zentralfeuer, das volkbildende Element. Daher jene Erscheinung deS Volkthumes aller zerstörenden Bindemittel ungeachtet und zum Trotze. Es ist ein geistiges Siegel, ein scharfer Gedankenuuterschied, eine unauslöschliche Geistesdifferen; in den höchsten Anschauungen von Gott, Freiheit und Weltschöpfung, die in diesem Falle ein Volkthum zu Stande gebracht haben, und so lange erhalten konnten; es ist die Kraft der Offenbarung Gottes. Dieses ganz eigenthümiiche Gepräge des Geistes, das in gleicher Art und Kraft selbst da noch waltet, wo die eigenthümliche Nationalität, in ihrer gewöhnlichen Bedeutung, in einer andern völlig untergegangen und -erloschen ist, hat mit keiner irdischen Sache mehr was zu schaffen; sie ist der reine Eindruck einer geistigen Macht auf das religiöse Bewußtsein, und der Ausdruck eines ideellen Bürgerthumes in außerweltlichen Bezirken. Jener ganz eigenthümliche Grundton des Judenthums, der, von den Lokalfarben europäischer Gesittung überlasirt, seine ganz unverkennbare Grundfärbung aus der Tiefe hervorschimmern läßt, ist der: daß jedes einzelne Glied dieses Volkes, so lang es sich nicht feierlich von demselben getrennt und aus seiner Gemeinschaft freiwillig ausgeschlossen .hat, feinen Antheil nimmt an jener großen Sendung in der Zerstreuung. Jedes Mitglied ist, sei es wo es sei, schon durch sein bloß persönliches Dasein, ein Theil j^ner großen, uralten Missionsanstalt, die noch beständig unter der unmittelbaren Direktion desselben unsichtbaren Oberhauptes besteht, das sie einstmalen vor etwa drei Jahrtausenden in Mesopotamien gestiftet und gegründet hat, und deren erster Missionar, der ehrwürdige Stammvater Israels, dessen erster Priester und erstes Opfer Abraham war. Rund um die Erde hat sich diese Missionsanstalt, man weiß nicht wie, verbreitet, und man kann von ihr sagen, was der große Fürst Hispania's von seinen Landen zu sagen pflegte, daß die Sonne nicht in ihnen untergehe. Seine Gesandten ziehen zwar keinen Lohn, aber desto mehr Leid; sie erwerben sich damit keine Ehre, aber desto mehr Hohn. Und jedes Individuum ist «0 ipso ein leibhaftiger Protest gegen alles Heidenthum und jede philosophische Dogmatik. Das religiöse Element der Offenbarung bildet damit nicht sowol eine' Sonderung, als vielmehr einen schroffen Gegensatz gegen eine jedwede Idee von Gott, Freiheit und Schöpfung, die nicht ganz die der Offenbarung ist. Sie giebt Ideen von göttlichen Dingen, die, wenn gleich vor der Vernunft gerechtfertigt, doch der Art sind, daß sie derselbigen Vernunft,' als selbstständigem Prinzips eines Dogmatismus, schnurgerade widersprechen. Daher wird alles, was aus der Vernunft über jene göttlichen Dinge als Lehren emanirt ist, durch die Offenbarung geleugnet; und hinwieder , wird der Offeubarungslehre von der Vernunftlehre geradezu widersprochen. Alle Lehre ist demnach entweder Offenbarung, oder steht im Widerspruche und Widerstreite mit derselben, und in diesem Verhältnisse befindet sich das große, antike und moderne Heidenthum mit seiner Theosophie und Philosophie dem Judenthume gegenüber." — „Sollte es noch wol Menschen geben, welche andern, und schlechten Motiven die Schuld dieses außergewöhnlichen Ereignisses, dieses „Wunders aller Wunder" beimessen möchten? Hie und da findet man einige derartige Motive angegeben, und es wird nicht unrecht, sein, wenigstens die hauptsächlichsten einer Betrachtung zu unterwerfen. Außer den bekannten volkbildenden Elementen, die oben erwähnt worden sind, hat man einen ganz eigenthümlichen Rationalcharakter des jüdischen Volkes, seine Halsstarrigkeit als Ursache dieser außerordentlichen Volkserhaltung in Anschlag zu bringen versucht. Diese Eigenthümlichkeit ist um so mehr hervorzuheben, und der darin»-liegende Vorwurf um so unverwerflicher, als er aus der Mitte des Volkes selbst, und zwar aus uralten Zeiten von seinem höchsten Lehrer, von Mose, ausgeht. In dem öden Arabien erwarb es sich schon diesen Titel, und er hat sich mit ihm fortgeerbt bis auf die gegenwärtige Generation. Wir wollen es zugeben! Mag immer-