Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1843)
- Date
- 1843-09-18
- Page
- Seite 563 (sequence 3)
- Language
- German
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568 eher in- Gesängen der Thaten einer HeldenM: dafür waren sie Träger und Erhalter eines großen, wcltbefruchtenden Gedankens, und in ihm ging ihr ganzes Leben und Wirken auf. Die Offenbarung war das Element, in dem der erste stammbildende Vater, des Volkes sein Heldenthum suchte und fand, und sie blieb das Voikselement bis auf, diesen Tag. Nicht war, wie bei andern Völkern, die Religion von einer Priesterkaste eingeführt, gelehrt, oder von außen her zugetragen, vielleicht gar mit gewaltsamen Mitteln aufgezwuugen: sie war und ist der eigentliche Lebensgeist des Volkes Israel so sehr, daß eben außer und neben-ihr kein anderer in ihm Platz zu gewinnen vermochte.^..— „Welche Eigenthümlichkeit besaß denn jenes geistige Wort, die geoffenbarte Religion, daß sie eine so bis in die spätesten Zeiten sich erstreckende, immer gleich- 'mäßige Kraft der Belebung und Erhaltung an den Tag legen konnte? In diesem Zentralleben hat sich nicht allein ein sehr zahlreiches, sondern auch ein überall zerstreutes Volk erhalten; nicht für ein oder wenige Menschenalter, sondern mehrere Jahrtausende, nicht sowol unter begünstigenden Umständen, sondern gerade umgekehrt gegen alle psychischen Gewalten,, die vom übermächtigen Heidenthume aller Nüaneen und aller Zeiten ohne Unterlaß störend und vernichtend einzuwirken fortführen. Das Judenthum —so kann man von ihm behaupten — zeigt so wenig von allen den bekannten volkbildenden. Elementen, daß es sogar erst von dem Augenblicke au begann, das Eigenthümliche zu werden als welches es in der Menschengeschichte bis auf den heutigen Tag besteht, in welchem jene gewöhnlichen in ihm erloschen; das Judenthnm —- so konnte man sich schärfer aussprechen .— Hub erst mit dem Aufhören der Nation an, in voller Kräftigkeit aufzublühn; das Volk erstand, im Geiste, wie cs dem Leibe nach dem Tode verfiel. Mit dem Ende des erste» Exils und mit der Unterjochung unter die Römergewalt entwickelte sich in ihm die weltbezwingende Macht der Offenbarung zu eigenthumlicher, in ihrer Art beispielloser, Lebendigkeit. Also, ward in ihm die Zerstörung, der Aufbau, die Zerstreuung das Bindemittel, die Vernichtung das Leben," — „Befragen wir die Geschichte und die Erfahrung« an allen übrigen Völkern, so werden wir thatsächlich belehrt, daß. alle aufgeführten volkbildenden Prinzipien theils im jüdischen Volke nicht herrschend waren, theils, waren sie es gewesen, nach dem natürlichen Laufe der Zeiten, aufgehört haben müssen. In allen den Punkten, in welchen das Volkprinzip der Juden mit dem anderer Völker übereinstimmte, hat dies Volk seinen natürlichen Lebenslauf beendigt. Befragen wir ferner die Gegenwart, so werden wir noch nachdrücklicher von der Wahrheit dieser Thatsache überzeugt. Unverkennbar sehen wir, daß alles und jedes volkbildende Elements sofern es auf Volksthümlichkeit, Geschichte, Politik, Familienleben hinausläuft, nunmehr und schon lange völlig erloschen ist. Deßhalb folgt daS jüdische Volk der unwiderstehlichen Anziehnngs- und AffimilatioüSkraft großer Volksmassen, und folgt hierin ganz den Gesetzen der menschlichen Natur. Es wird an den größeren Körper des umgebenden Volkes ungezogen, mit demselben vereinigt, mit dem es in dauernder Verbindung sich befindet. Es spiegelt selbst die eigenthümlichen Lokalt'öne ab, die sich vom umgebenden Medium auf dasselbe restektiren, es durchdringen. Das jüdische Volk wird da besonders assimilirt, wo man diesem Naturgesetze wenig oder keine künstlichen Gegenmittel in den Weg gelegt hat. Dort, wo die Freiheit in vollem Sinne des Wortes herrscht, d. h. da wo sie überhaupt sich findet/ - wird der Jude zum wahren Autochthonen, selbst mit allen Unarten überthätiger und übermüthiger Rationalität. So ist er schon ein vollendeter Franzose in Frankreich, in Holland ein Holländer, wie er in Spanien ein Spanier mit aller Grandezza des sich fühlenden Hidalgo war. Selbst jener über die Grenze des Individuums hinausgehende Egoismus, der sich in sogenannter Vaterlandsliebe mit Feuer und Schwerdt offenbart, hat sich seiner aller Orten bemächtigt, und auch da noch, wo er kaum eine Heimath, geschweige denn ein Vaterland sein nennen konnte, oder durfte. Dicß ist aber die natürliche Wirkung der gewöhnlichen ersten Eindrücke der harmlosen Jugend, die nur noch ferne .das .Klirren der Ketten hört, an. welchen ihre Eltern schleppen und sich zu Tode, abarbeiten.. Ist nicht der Jude selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen in Deutschland zu einem gründlichen Gelehrten hin und wieder, und allenthalben, wo es .die Umstände mit. sich brachten, zum. poffirlichen Spießbürger geworden, behaftet mit allen Thorheiten eines volksthümlichev Kleinstädters? Und so fehlen selbst die speziellsten Lokalfarben. dem Juden nicht, und id solchem Grade gehört er der Nation an, unter welcher er lebt. Und dennoch! dennochi Es ist ein geistiges Wesen, das mit .jedem Inden emporwächst, das ihm, mit der Muttermilch eingesiößt, mit. den Spielen der Jugend in die Seele einzieht, .um diese ganz zu beleben und für immer mit seiner Kraft zu durchdringen, mit seiner Signa-