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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-18 · Heft 38 (18.9.1843) · p. Seite 562

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 38 (18.9.1843)
Date
1843-09-18
Page
Seite 562 (sequence 2)
Language
German
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562 Last macht, die man je eher desto, lieber abwerfen sollte, die Unkunde dessen, was man sich aneignet , der Unwissenden Leichtsinn mit wenig Schein MM zieht, wo sie mindestens sich äußerlich in keinerlei Art eingeengt uüd gedrückt fühlen. — Dieses verborgene Gut übt seine erhaltende Kraft selbst da noch, wo -eine armselige und verächtliche Indifferenz, und das geistige Unvermögen, Unverschuldetes freiwillig zu ertragen, den entwürdigten Enkel dahin bringt, die Manen seiner Vorfahren, eines Geschlechtes großartiger Dulder, zu verleugnen. Bis zu dieser kläglichen und tagtäglichen Versunkenheit herab wirkt noch die letzte Spur dieses Zaubers, und führt noch dann und wann Erinnerungen an jene alte, ausgestorbene Frömmigkeit der Väter, und die zürnenden Geister derselben dem ausgearteten Nachkömmling vor die Seele. Ein solches geistiges Gut kann doch fürwahr kein geringes gewesen sein und noch sein! Aber wie nennt sich denn dieß sonderbare, dieß wunderbare Gut? — Es heißt und ist die geoffenbarte Religion. Ihr und nur ihr allein ist eine so außerordentliche Geschichte zuznschreiben, und nur aus ihrer Kraft ein Wunder erklärlich, das über alle Wunder geht. „Ein Wunder aller Wunder — sagt Haman im Briefe „an Herder — der göttlichen Vorsehung, Regierung und „Staatskunst, mehr als Noah's Kasten und Loth's Weib „und Mose's brennender Busch, ist für mich jeder „Jude." Es giebt im Menschengeschlechte mancherlei und vielartrge Motive der Volksbildung und Erhaltung. Einsder mächtigsten ist die Jsolirung durch natürliche oder künstliche Grenzen: in unserm gegenwärtigen Falle fand das gerade Gegentheil, eine Zerstreuung unter alle Völker Statt. —' Ei» anderes volkbildendes und bindendes Element ist seine Geschichte, die Erinnerung an eine große Vergangenheit, durch Heldenruhm verherrlichtem Gesängen hochgepriesen: ein wandernder Hirtenstamm und eine vierhundertjährige Sklaverei und Ziegelbrenuerei in Aegypten finden sich hier als Urgeschichte. Ein überaus mächtiges Völkerband istferner seine Sprache; in ihr legt es alle Schätze seiner Erfahrung, seiner Weisheit, die Summe seiner Gefühle, Gesinnung und Gesittung, seines Ernstes wie seines Scherzes nieder: in unserm Falle war die Sprache schon beinah tobt, ehe sie ihre erhaltende Kraft hatte üben können, und nur in Schriften, die .oft nur wenigen zugänglich, oft mißdeutet, und einmal gänzlich verloren waren, damals als ihr Vorhandensein nach menschlichem Dafürhalten am nothwendigsten gewesen wäre, aufbewahrt. In unserm Falle wechselte die Volkssprache, und ward die des jedesmaligen Unterdrückers. —- Die Erfahrung lehrt uns, daß selbst eine Ra een Verschiedenheit, iu Beziehung auf volkserhaltende Kraft, bei weitem nicht, unter ähnlichen Verhältnissen, dieses Beispiel erreicht, wofür namentlich der schöne Menschenschlag der heutigen Ungarn, verglichen mit dem, der, nach alten Chronikeuschreibern, vom Stamme der Hunnen daselbst gehaust hat, , einen sprechenden Beweis liefert. Weder räumliche Zsotirung, noch'die Geschichte einer Heroenzeit, weder Sprache noch Raveneigenthümlichkeit kommen in ihren konservativen Wirkungen, weder in Hinsicht auf Intensität, noch auf Extension, der gegenwärtigen auch nur nahe. Messen wik^ und schließen wir nun darnach auf die Kraft der Ursache, das erhaltende Element nach der Schwierigkeit der Erhaltung; so finden wir uns gezwungen, diese Thatsache als Produkt einer höheren, als nur menschlichen Kraft, zu betrachten, als eine That jener Macht, der wir in freudiger Demuth unsere Knie beugen, der wir uns mit Furcht und Liebe hingegeben haben, als Priester und als Opfer. — Die wahrhaftige geoffenbarte Religion ist das Werk der Vorsehung, und sie' ist der erhaltende Lebensbalsam für ihr leibhaftes Gefäß; und hierin liegt der zureichende Grund dieses „Wunders aller Wunder." Jenes volkbildende und erhaltende Element ist einzig das . höchste Wunder der Lehre.' Das Kind überkam sie vom Vater. Von dem Augenblicke an, da sein Tag auf der Erde zu dämmern anhub, vernahm es die. heiligen Worte derselben neben den Namen der ehrwürdigen Vorfahren, die eines solchen Besitzes gewürdigt worden waren. Da sah das Kind schon, wie derjenige, den es selbst gleich einem höheren Wesen, als eine ihm sichtbare gegenwärtige Vorsehung, zu lieben und zu ehren getrieben war, wie sein eigner Vater eine ähnliche Ehrfurcht den Namen jener Verstorbenen zollte, wie dies Kind ihm selber. Daraus entstand denn der natürliche Schluß im Eemüthe des Kindes auf die Größe und Erhabenheit der Träger jener''Namen, denen ein so ehrwürdiges Wesen, wie der über alles verehrte Vater, sich so tief., unterordnete, vor denen er so ungeheuchelte Verehrung an den Tag legte. Diese wunderbare'Geschichte war keine von außen her zugekommene; das Kind selbst empfand sich frühe schon als unmittelbarer Theilnehmer und Fortsetzungspunkt jener isolirten welthistorischen That. Alle jene großen Helden waren keine Fürsten und Feldherrn, keine Eroberer und auch keine sonst mächtige Gestalten, gerühmt in Künsten,

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