Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1843)
- Date
- 1843-09-11
- Page
- Seite 557 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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557 sache, daß es Sache der Menschheit ist, die in unsrer Zeit solchen Druck nicht mehr dulden will. — Einige Journale gebenzu verstehen, daß dieses Edikt eine Folge davon sei, daß Rothschild's eine Anleihe abgewiesen haben.; Wir müssen dies wol bezweifeln. — Die hiesigen Journale bemerken, daß viele Familien, die durch dieses Dekret so tief getroffen werden, nach Frankreich und Algier sich wenden wollen , wo sie bereitwillig ausgenommen würden. Dies ist freilich das Räthlkchste. Mögen die Reicheren die Aermeren hinreichend unterstützen, um dies in Vollzug, zu bringen. Großbritannien. Birmingham, Ende August. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei das Birmingham-Journal, welches drei seiner mächtigen Seiten der genauesten Beschreibung eines Festes widnlet/ das in der A. Z. d. I. wol auch einer Erwähnung würdig ist, um so mehr, um anzudeuten, wie man sich in England um eine solche Erscheinung in Bewegung setzt. Es galt nämlich die Grundsteinlegung zu einer neuen jüdischen Schule, wozu die vornehmsten weltlichen und geistlichen Herren der jüdischen Gemeinden in London eingeladen und gekommen waren. Zuerst wurde Gottesdienst in der .Synagoge gehalten, welchem der Mayor von Birmingham und viele bedeutende Männer der Stadt beiwohnten, ein Gebet gehalten, Psalmen gesungen, eine Prozession nach der Baustätte vollsührt; vr. Raphall hielt eine Anrede, Sir Moses Montesiore that mit einem silbernen Hammer den ersten Schlag, und sprach sehr bewegt einige Worte, und nachdem Herr Jsaacs aus Liverpool noch ein.Gebet gehalten hatte und. ein Psalm gesungen worden, hatte die Zeremonie ein Ende. — Eine noch größere Ausdehnung hatte das darauf folgende Mahl, an welchem ebenfalls die bedeutendsten Londoner Juden und viele christliche Gentelmen Theil nahmen. Der Mayor, von vr, Löwe, Sir Moses, A. A. Goldsand Esq. zur rechten, und von'D. W. Wire Esq., vr. Raphall, und Jsaac Cohen Esq. zur linken unterstützt, prasidirte. Es fanden bei der Tafel alle Glaubensparteien, selbst dieWelleysianer und Unitarier, ihre Repräsentanten. Herr Levison verliest die Liste der freiwilligen Gaben für die neue Schule, Rothschild's, Goldsmid's und Montesiore's an der Spitze, im- Betrage von 500 L. St. (3500 Thlr.). Darauf wurden, der Königin, der Königin Wittwe, Prinz Albert und den königlichen Kindern, dem Herzog von Cambridge „dem Patron des jüdischen Hospitals^ Toaste ausgebracht. Der nächste Toast galt dem Herrn vr. Wire, der Sir Moses auf dem bekannten Zuge begleitet hatte. Dieser erwiderte durch einen Toast auf das glückliche Gedeihen der neuen Schüle. Er sprach in sehr beredter. Weise über die in allen Religionen nothwend.ige Volksbildung, die allein auch Gründlage des^Friedens und Glücks sein könne, indem sie materielles und geistiges Wohlbefinden allein begründet. Der jüdische Geistliche, vr.M, Isaaks, ließ die christlichen Gäste leben, und sprach über die liefen Gefühle, welche 'd*er Anblick so vieler christlichen Mitbrüder unter ihnen erregen muß, da diese beweisest, wie die verschiedenen Glaubensparteien in unsrer Zeit sich gegenseitig zu ehren verstehen. Erwidernd brachte vr. Melson das Wohl der jüdischen Gäste aus, und legte insbesondre die erfreuliche Erfahrung dar, die er als Magistratsperson an den jüdischen Armen gemacht, deren sittlichen Charakter er nach Verhältniß sehr rühmend hervorhob. Goldsmid ließ den Vorsitzenden Mayor hoch leben, und machte darauf aufmerksam, daß der Unterricht nicht bloß Nutzen schaffe, sondern auch Schaden entferne, und das beste Mittel gegen Unmäßigkeit sei. Der Mayor erwiderte mit dem Toast auf Sir Moses Montesiore, indem er zugleich die Hoffnung aussprach, daß bald in England der letzte Schritt geschehen werde, um die Juden völlig gleich zu stellen. Nach mehreren anderen Toasten erhob sich Herr vr. Löwe, und trug einen solchen vor auf: „unsere jüdischen Brüder im heiligen Lanbe." In dem Lande, wo sie wohnen, sagte vr. L. unter Anderm, bildet jeder Strom, jeder Hügel, jedes Thal ein lebendiges Blatt der heiligen Geschichte. Sie sind unterworfen dauernden Leiden, immerfort im Drucke lebend, Abends sich dem Schlafe überlassend mit der Aussicht, des Morgens neuen Qualen ausgesetzt zu sein. Viele sind dahin gezogen, die Welt, ihren Stand, ihre Freunde verlassend, um der Verherrlichung Gottes sich zu weihen. Je mehr aber unsre Zeit sich der Freiheit zu rühmen hat, daß. Jeder, unbeschadet seiner bürgerlichen Stellung, seine religiösen Gefühle aussprechen kann, desto eher können wir auch Sympathieen für unsre Brüder im heiligen Lande aussprechen, für die durch Errich-