Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1843)
- Date
- 1843-09-11
- Page
- Seite 555 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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v-ätzinimer zu kommen. — Nein, sprach Herr Hirschfew, nicht tete-L-tete, hier, nur hier in derselben Versammlung, wo Herr Neuhaus den jüdischen Glauben gelästert, ist er schuldig Belege dafür zu geben, oder diese Lästerungen beschämt zurückzunehmen. Der Geistliche aber bestand darauf. Nur auf dessen Privatzimmer könne er Antwort erwarten. „Nun denn," sagte Herr Hirfchfeld, „wenn mir durchaus Niemand im Hörsaale antworten will, so gehen wir auf ihr Zimmer, aber alle diese Herren hier fordere ich auf, ja, es ist ihre Wicht, nachdem sie die Blaspheme des. Herrn Neuhaus angehört, mit hineinzugehen, damit sie Ueberzeugung gewönnen. Das Muth-und Feuervolle seines Benehmens konnte nicht erfolglos bleiben, und Alles folgte Herrn Hirschfeld und dem Geistlichen auf dessen Zimmer. , Von der ganzen Versammlung blieb keiner zurück als — der Prediger Herr Neuhaus mit noch'einem, der ebenfalls die Laufe und ein Missionsamt jüngst empfing. Der Geistliche versuchte Herrn Neuhaus zu defendiren, aber was er irgend zur Vertheidigung nur Hervorbringen konnte, schlug Herr Hirschfeld mit einer offenbaren Ueberlegenheit nieder, und nach ohn- . gefähr einer Viertelstunde sah Herr Winged (so hieß der Geistliche) seine Bemühungen Herrn Neuhaus' Behauptungen zu vertheidigen gänzlich mißlungen, und trat zurück. *— Da mußte endlich Herr Neuhaus selbst hereinkommen, aber dieser hatte indessen Zeit gehabt sich vorzubereiten, und in der Lhat zitirte er Bibelstellen, wo von den Vergehungen Israels und den Prophezeihungen darüber gesprochen wird, auf die er seine lästernde Aussprüche über das Judenthum zu stützen versuchte. Aber hierdurch gab er nur Herrn Hirschfeld Gelegenheit seinen Scharfsinn an den Lag zu legen, da dieser nicht nur die Beweiskraft dieser Stellen für ihn unwiderlegbar null und nichtig machte, sondern diese Stellen stets gegen den Herrn N. gebrauchte und so ihn mit eigenen Waffen schlug. Und obschon für Herrn Neuhaus jetzt eine Legion Proselyten sich verwendeten, Herr Hirschfeld aber allein, ohne Unterstützung durch die Lheilnahme irgend Einest der Umstehenden, da stand; so hatte ihm doch seine rüstige Geistesgewandtheit und bewundernswürdige Dialektik den Sieg errungen. Er hatte seine Gegner auf entschiedene Weise des Unrechtes überwiesen, sie standen betroffen, und Herr Neuhaus wie vernichtet. Nun erst sprach Herr Hirschfeld lange mit Lebhaftigkeit und Energie, indem er der Versammlung darzuthun sich bemühte, wie wenig einem solchen lsteligionslehrer zu trauen sej, der ohne Grund, nur leidenschaftlich, das, was einem Andern hoch und heilig ist, mit profanen Händen schonungslos herabzerrt. Meine Mission, als Mensch und Jude, ist vollendet,- so sprach er und verließ das Haus. Die Menge,. die .zwar im Zimmer neutral und lautlos stand, folgte jetzt dem Hrn. Hirfchfeld in Enthusiasmus ausbrechend, begleitete ihn umringend durch die Gaffe, ein lautes und unermüdendes Bravo zurufend. Die Wirksamkeit dieses Schrittes hatte sich heute, an dem sonst gewöhnlichen Tage der Missionspredigt, gezeigt. Auffallend mehr Hörer als sonst, hatten sich zu dieser zu haltenden Missionspredigt eingefunden, denen aber bedeutet wurde, daß für heute keine Predigt fei,-und in Beziehung auf Herrn Neuhaus, daß demselben nicht mehr zu predigen gestattet wird, und daß er bereits Pesth verlassen habe. Der hiesigen Mission mag, wie zu ersehen, ein empfindlicher Streich an Kredit und Muth hierdurch versetzt worden sein, von dem nur zu bedauern ist, daß -er nicht um neun Monate älter sei. Herr Hirschfeld, der keinen andern Beruf zu seinem Verfahren hatte als den innern, den der Wahrheitsliebe und religiösen Ueberzeugung, verdient also die Achtung und Anerkennung eines Jeden, vorzüglich aber die der hiesigen Gemeinde, da er der Erste war, der hier gegen so. oft und immer wiederholte Angriffe als ein geistreicher und muthvoller Apologet des Judenthums aufgetreten, und einen zwar von so Vielen längst im Herzen gehegten, aber auch da verbliebenen Wunsch, obschon unvorbereitet und allein, nichts desto weniger glänzend realisirte. .e. Italien. London, 19. August. Der Standard theilt folgendes Edikt, promulgirt durch die Inquisition von Ancona, mit, das unter den hiesigen Juden großes Aufsehen machtj und als gleichbedeutend mit einer Vertreibung ihrer Glaubensgenossen aus den päpstlichen Staaten angesehen wird. Solch'' eine Maßregel war ihnen in dem jetzigen Jahrhundert in Europa völlig unerwartet, und allgemein sagt man.