Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1843)
- Date
- 1843-09-11
- Page
- Seite 554 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225319--05498-3236155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
554 würdevollen Erbauung und Erhebung der Gemütherin-geläuterter, Gott und Menschen gefälliger Andacht, vereint und mit dem entsprechendsten Erfolge wohlthatig und heilbringend zu. wirken. Er war es, dem die hiesige Religionsschule auch Form, Organisirung und Gestaltung verdankt, und daß sie des ehrenvollen allseitig anerkannten heutigen Standpunktes, sich erfreuet. Der Armenverein., das Spital verdanken ihm nicht, minder ihre gegenwärtige, allen Erwartungen entsprechende Einrichtung, so wie es noch nicht gar Lange ist, daß er eine Waisen-Versorgungsanstalt mit einer eigenen Fondationssumme von 7000 fl. Conv. Münze in's Leben rief. Und wo es überhaupt der Förderung . des gemeinnützigen Interesses und der allgemeinen Wohlfahrt seines Volkes, insonders jenes der hiesigen Gemeinde, galt, war er es, der mit dem rühmlichsten, anerkennungswürdigsten Eifer an die Spitze trat, um das Heil der Seinen, als würdiger Kämpe zu verfechten und zu vertreten. Und so war sein Leben ein dem allgemeinen Besten geweihetes, ein nach dem Kranze des Verdienstes mit dem schönsten Erfolge unermüdet ringendes Streben. Seine Thaten, eine Tügendsaat, die schon die Anerkennung und Achtung seiner Mitwelt ihm verdientermaßen errang, und ein bleibendes Denkmal im Kreise seiner. Glaubensgenossen für immer ihm begründet und sichert. — Friede seiner Asche! Am 23. um 4 Uhr fand die Beerdigung auf dem Wiener Friedhofe statt. Eine äußerst zahlreiche Menschenmasse folgte dem Zuge bis zum Grabe, allwo der würdige Religionslehrer Herr Leop. Brauer — in Abwesenheit Mannheimers eine gediegene Rede hielt, die um so ergreifender war, indem der Redner selbst erst vor einigen Tagen kaum, am Grabe seiner zärtlich geliebten trefflichen und allgemein betrauerten jugendlichen Gattin weinte. Beachtens werth ist, daß am verflossenen Psingstfeste in der hiesigen reformirten Kirche zwei Gesangstücke von unsrem gefeierten Sulz er vorgetragen wurden — eine seltene Anerkennung und Auszeichnung. Derselbe hat auch bereits eine vollständige Umarbeitung seines bereits anerkannten Schir Zion vollendet und zu einer zweiten Auflage vorbereitet. M. E. Stern. Pesth, 18. August. (Privatmitth.) Ein. eben so günstiges als wichtiges Ereigniß der letzten Tage, hat hier eine in seltenem Grade lebhafte ' und allgemeine Sensation hervorgebracht. In öffentlichen und häuslichen Zirkeln, , ist das die Axe, um welche sich mit unersättlichem Staunen und Vergnügen die allgemeine Unterhaltung bewegt. Herr Hirschfeld nämlich, ein junger Mann israelitischen Glaubens, mit vielseitiger Bildung und genialem Kopfe ausgerüstet, hat diese Woche in einem heiligen Kampfe für Religion und Wahrheit gegen die hiesige Missionäre Wunder des Muthes und des Geistes gethan. Von einem in ihn dringenden Freunde, vielleicht auch aus Neugierde dazu bewogen, besuchte er zum ersten Male die Missionspredigt. Die Versammlung war ziemlich groß und die Predigt begann. Herr Neuhaus, der Prediger, hatte sich bei solcher Gelegenheit schon manches Mal derber Ausfälle auf das Judenthum, ja einer totalen Aburtheilung über die Wahrhaftigkeit der mosaischen Dogmatik erkühnt, und zwar diktatorisch ohne Grund und Argument./ Doch wurde dieses bisher entweder mit Jndifferentismus, oder mitfurchtsamer. Scheu gegen ihn öffentlich üufzutreten, stillschweigend angehört. Auch heute sprach er schmählich über das Jupenthum und seine Dogmen. ^Aber heute sollte es ihm nicht so glücklich ablaufen. Als er die Predigt geschlossen hatte, erhob sich Herr Hirschfeld von feinem Sitze und sprach mit unerschrockener Festigkeit: Herr Neuhaus, Sie sind noch nicht zu Ende. Sie haben da.Behauptungen ausgesprochen, die Sie zu beweisen — oder zu widerrufen haben. Diese der gewöhnlichen Ordnung zitwiderlaufend.e Unterbrechung der Ruhe im Hörsaale, verbreitete ein allgemeines Befremden und Murmeln. Mehreren Versuchen, ihn zum Stillschweigen zu bringen, konnte es nur einstweilig gelingen, bis die der Predigt folgenden Zeremonien zu Ende waren. Und obschon auch indessen il)m Jok drohende Warnung wurde, sich ruhig zu verhalten, so konnte ihn dieses dennoch nicht einschüchtern und nach verrichteten Zeremonien erhob er sich abermals, von dem Prediger für die so 'eben ausgesprochenen Behauptungen Beweise oder Widerruf fordernd. Hierauf trat ein englischer Geistlicher zu ihm, und äußerte, daß öffentlich im Hörsaale nicht der Platz für Polemik sei, wenn er also zupolemisiren wünsche, so beliebe er mit ihm auf sein Pri-