Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1843)
- Date
- 1843-09-11
- Page
- Seite 549 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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549 Eins muß ich noch erwähnen. Dr. Stern hat einen Brief voll Lüge und Grobheit ln die Allg. Deutsch. Zeitung einrücken lassen, ich verweise Sie auf die Erwiderung in demselben Blatte, welcher man hoffentlich die Aufnahme nicht verweigern wird. Nachdem nun die Herren Reformatoren sich überzeugt, daß man ihre Bestrebungen zu würdigen weiß, haben sie sich zur Ruh begeben, und nicht einmal das Programm ausgetheilt. ‘ üi'atD üi»V npVnn Vs Dresden, 23. August. In dem Landtagsabschiede für die sächsische Ständeversammlung des Jahres 1842 und J843 heißt es in Bezug auf die Verhandlungen der Kammern: ,,9) Dem in der ständischen Schrift vom 22; Jun. d. I. geschehenen Anträge wird durch fernere Erwägung der Bitten und Wünsche entsprochen werden, welche, in Bezug auf das Gesetz vom J6. Aug. 1838, Namens der hiesigen Israeliten bei der Ständeversammlung angebracht worden sind." Leipzig, 24; August. In der heutigen Nummer der D. A. Z. sagt sich der Herr Dr. Stern in Göttingen ebenso wie>Herr Dr. Rießer insofern von dem Frankfurter Verein los, als er seit dem Februar Nichts von der Sache wisse, und protestirt gegen die Veröffentlichung . der Bruchstücke seiner Schreiben. Die Vorwürfe, die er der Red. dieser Zeitung macht, mit Heftigkeit sich wiederholt ausgesprochen zu haben, bevor der Verein noch ein Lebenszeichen gegeben, können wir ruhig hinnehmen. Zuerst hatte die Redaktion die Richtung zu bekämpfen, die sich von vorn herein in dem Vereine kund that, und die durch Artikel im Frankfurter Journal sich ausgesprochen. Alsdann wenn „Erklärungen'^ zum „Unterzeichnen" in. den Häusern umhergesandt werden — ist das kein Lebenszeichen? Leipzig, 26. August. Nach einem Art. in der hiesigen D. A. Z. .besteht der Frankfurter Verein noch immer nur aus— 23 Mitgliedern, und ist Zwiespalt unter die eigentlichen Begründer gerathen. Magdeburg, 1. September. Die hiesige Zeit, enthält das Ende eines Programms, welches der Frankfurter Verein in diesen Lagen erlassen will. Wir warten dieses Programm selbst ab. Dieses Bruchstück ist durch und durch hohl — Wort, und kein Inhalt. Prenßeu. Berlin, 25. August. (Privatmitth.) Die Erklärung des Herrn Dr. Rießer hat bei Allen, die für das Judenthum ein wahrhaftes Herz haben, viel. Indignation hervorgerufen, und man kann sich dieselbe nur dadurch erklären, daß der Dr. R. in einer gereizten Stimmung also geschrieben. Wenn Dr. R. in der Verfechtung der Emanzipation lediglich vom Rechtsprinzip ausgegangen, und niemals eine Glaubensmeinung dabei verfochten: so hat er seinen Gegnern eine starke Waffe gegeben, sich die stärkste aus Händen gewunden. Die Gegner der Emanzipation sagen bekanntlich nicht, daß der Mensch als solcher in einer gedrückten Stellung gehalten werden dürfe, sondern sie beschuldigen die jüdische Religion antisozialer Elemente und die Juden antisozialer Eigenschaften. Wollte der Herr Dr. R. daher sich lediglich auf dem Rechtsprinzips verhalten: so hat er verlornes Spiel, denn die Gegner ge- , den meistens ihm dies selbst zu. Wer nur irgend den Schriftenwechsel über die Emanzipation der Juden kennt, wird dies wissen. In allen Emanzipationsstreitigkeiten handelt es sich lediglich um das Rechtsprinzip, aber in unsrer kann' das religiöse Moment nicht unerörtert bleiben, und der Vertheidiger der Emanzipation der Juden wird von vorn herein Vertheidiger der jüdischen Glaubensmeinung. Die Erklärung des Herrn Dr. R. hat daher in vielen jüdischen Herzen die schöne Begeisterung für die, wahrhaft lauteren Verdienste des Dr. R. sehr herabgestimmt, und man thut daher am besten, von derselben, was die Arbeiten des Dr. R. betrifft, ganz zu abstrahiren. ' Es kommt ja so oft vor, daß ein Autor von seinen Werken eine zu hohe Meinung hat: tragen wir daher diesmal den seltnen Fall, daß ein Autor seine Arbeiten zu niedrig anschlägt, und irrthümlich selbst beschränkt. Der Empfang, den Herr Dr. R. vor Kurzem hier fand, und der sich namentlich bei einem Festmahle der Gesellschaft der Freunde äußerte, war daher nicht minder herzlich. Der Dr. R. ist nach Frankfurt am Main abgereist.