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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-04 · Heft 36 (4.9.1843) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 36 (4.9.1843)
Date
1843-09-04
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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538 nun finde.sich aber das strenge Gesetz bei ihnen, daß für eine am Sabbat verrichtete Arbeit der Uebelthä- 1er, wie es in der Bibel heiße, auf Befehl des Herrn, gesteinigt werden müsse; da es nun also un-. möglich sei, daß die Juden alle die Pflichten im christlichen Staate erfüllen können, woran jeder Staatsbürger Theil nehmen müsse, und da ihnen auch der Wucher erlaubt sei, so frage er, ob solche Leute auch an allen Rechten, christlicher Staatsbürger Theil nehmen dürften und. könnten. Die Juden seien ein Volk von vielen Geisteskräften, .Schlauheit, Intelligenz und Verstand, und man könne sagen, daß sie alle Vorzüge und Fehler des Menschen in sich vereinigen. Er mache jedoch auf die Gefahren aufmerksam, die mit ihrer vollständigen Emanzipation verbunden seien. Drücken wollen wir sie nicht; möge immerhin das Judendekret aufgehoben werden, so lange, bis sich die Nothwendigkeit zeige, dasselbe wieder einzuführen. Er wolle sie wie Brüder von ganzem Herzen lieben, jedoch nur auf gewisse Distanze. Der verehrliche Abgeordnete des Ritterstandes habe dies Alles viel weitläufiger und gründlicher dargelegt, ihm bleibe also nichts Anderes übrig, als zu erklären, daß er gegen die unbedingte Emanzipation stimmen müsse. Ein Abgeordneter der Landgemeinden: Daß es uns nach den Prinzipien des Urchristentums nicht gezieMt, die Juden von unserem Staalshürgerthume auszuschließen, kann wol nicht in Zweifel gezogen werden; und der Umstand, daß die Juden nach ihrer jüdischen und nicht nach unserer sogenannten christlichen Weise verschroben sind, kann uns eben so wenig und um so weniger dazu, berechtigen, da,' deren seitherige Äusgeschloffenheit und eben daher entstandene anscheinende Niedrigkeit unser eigenes Werk, das Werk unserer unchristlichen Selbstüberschätzung und unserer Selbstsucht ist. Es erscheint mir deshalb als eine heilige Pflicht, diese unsere seitherige Verkündigung an den Juden, und an uns selbst, wieder gut zu machen und auf deren Emanzipation anzutragen mit dem Wunsche, daß dieses allmälig auch eine allgemeine menschliche Emanzipation in Bezug auf gesunde, vernünftige Moral und auf Humanität fördern möge. Ein Abgeordneter der. Städte: Die politische und religiöse Seite der Frage. über die Emanzipation, der Juden glaube ich nach dem Trefflichen, das. hierüber^ in unserer Versammlung gesagtworden ist, nicht ferner beleuchten, zu müssen. Ich will nur erklären , daß. ich für die Emanzipation stimme und um so mehr dafür stimme, als ich die Gefahr nicht einsehen kann, welche diese Maßregel für den Staat haben sollte. Die Bevölkerung der Rheinprovinz beträgt ungefähr 2,600,000 Seelen; hierunter sind . noch nicht 27,000 Juden; dieselben machen also ungefähr 1 pCt. der ganzen Population. Wenn diese geringe Anzahl unserer Mitbürger uns in Rechten gleichgestellt wird, wie sie es bereits in den Lasten ist, so wäre dies nur ein Akt. der Gerechtigkeit, dessen Nachthelle meiner Ansicht nach sehr übertrieben werden. Es ist wahr, die Juden haben sich bis jetzt unvermischt erhalten. Gewiß ist aber, daß diese Jsolirung beiden Tyeilen zur Last fällt, nämlich dem unterdrückten jüdischen Volke sowol, als auch dem herrschenden. Werden die Juden überall den übrigen Staatsbürgern gleichgestellt, so wird auch ihre Absonderung aufhören. Man hat gesagt, der Staat dürfe seine Entwickelung nur innerhalb der Gränzen wollen, welche er sich selbst gesteckt habe; es scheint mir aber, daß er sie wollen müsse innerhalb der Gränzen der Vernunft und des Rechts; diese aber sprechen wol für die Emanzipation. Ueberhaupt vermag ich den Staat nicht außerhalb seiner Bürger zu sehen. Ich erlaube mir nur noch, auf das Dekret vom 17. März 1808 zurückzukommen. Wenn der größere Theil der Versammlung zwar bereits die Nothwendigkeit eingesehen hat, auf dessen Aufhebung anzutragen, so ist doch auch das Gegenteil behauptet worden. Ich muß aber anführen, daß nach meiner Erfahrung das fragliche Dekret keine andere Folge gehabt hat, als daß unmoralische Juden Mittel gefunden haben, das harte Gesetz zu umgehen, daß aber auf der anderen Seite eben dieses Gesetz von gewissenlosen Christen häufig benutzt worden ist, ihre jüdischen Gläubiger um das Ihrige zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Trier, 15.' August. (Privatmitth.) Auch die hiesige Gemeinde, so wie nicht minder die zu Saarlouis, Thalfangen ff. haben auf das Votum der rhem,, Stände große Gaben Brodes unter die Armen aller Konfessionen vertheilen lassen, und Dankadressen an" die hohen Stände gerichtet.

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