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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-04 · Heft 36 (4.9.1843) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 36 (4.9.1843)
Date
1843-09-04
Page
Seite 536 (sequence 8)
Language
German
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536- Das uns am nächsten liegende Beispiel bietet Preußen dar. Hier ist, wie schon oben erwähnt, in den alten Provinzen seit ein und dreißig Jahren die Gleichstellung, mit Ausnahme der Befähigung der Juden zum Staatsdienste und zur Vertretung des Landes in den kreis- und provinzialständischen Versammlungen,^ vollständig ausgeführt. Während meines langen Aufenthalts in der Hauptstadt, in Verhältnissen, welche mir die Wirkungen des Edikts vom LI. März 1812 in einem weiten Kreise und doch genau zu übersehen gestatteten,- habe ich in den verschiedensten Kreisen und unter den Bekennern der verschiedensten Meinungen Niemanden gefunden, der mir einen wesentlichen aus diesem Gesetze für den Staat und die Gesellschaft entsprungenen Nachthcil nachzuweisen im Stande gewesen wäre. Die Maßregel ist ohne alle Reaktion von Seiten der Christen in's Leben getreten. Der Handel und das Gewerbe der letzteren blüht neben dem der Juden ebenso, als in solchen Ländern, in welchen die Konkurrenz derselben noch nie erfahren worden, und in welchen man dennoch sie fürchtet, wie ein Gespenst, das noch Niemand gesehen, bet dessen Erwähnung aber doch Jedermann einen kalten Schauder auf der Haut fühlt. In Preußen sehen wir jüdische und christliche Geschäfte derselben Art neben einander bestehen und auf's Beste gedeihen. Viele jüdische Handlungen verkaufen, gleich den solidesten christlichen, nur nach festen Preisen und begeben sich dadurch selbst der Möglichkeit, durch Markten und Feilschen den Unkundigen zu übervortheilen. Immer mehrere wenden sich andern Geschäften, namentlich dem Stande der Handwerker, zu. Was aber die Gesinnung und Bildung der preußischen Juden im Allgemeinen anlangt, so sind diejenigen, die den Zustand derselben vor dem Edikte gekannt haben, und den jetzigen mit unbefangenen Augen betrachten, darüber einig, daß derselbe mit dem vorigen nicht zu vergleichen sei. Schon ein Jahr nach Erlassung des Gesetzes, in dem großen Jahre 1813, haben viele Juden bewiesen, daß sie fähig sind, als echte Kinder des Landes sich zu fühlen und zu handeln, wenn die Christen ihnen gestatten, ihre Heimath auch als ihr Vaterland zu erkennen, im höchsten Sinne des Worts, , nach welchem väterliches und kindliches Gefühl sich gegenseitig bedingt. Viele Väter haben ihre Söhne freiwillig zum Kriege ausgerüstet — viele derselben haben den rühmlichen Tod vor dem Feinde gefunden, andere leiden noch jetzt an den Folgen der damals empfangenen ehrenvollen Wunden und tragen auf ihrer Brust den Schmuck des eisernen Kreuzes. In dem ganzen inneren Wesen der Juden ist ein Aufschwung eingetreten, welcher diejenigen, die nach äußerem Verhältnisse und innerer Befähigung zu einer höheren Bildung zu gelangen bestimmt sind, als vollkommen ebenbürtig mit den gleichbefähigten Christen zeigt. Schon jetzt wird es Jedem, welcher sich bemüht, redlich zu suchen, leicht werden, dergleichen Männer zu finden. Und in jedem Jahre wird die Zahl derselben in steigendem Fortschritte wachsen und die Einwirkung derselben auch auf den jüdischen Pöbel, welcher, wie der christliche, eben ein Pöbel ist, nicht ausbleiben. Schon jetzt vermindert sich auch in den untern Ständen der altjüdische Typus, wie in der Gesinnung, so in Sprache, Tracht und äußerer Sitte immer mehr. Man möge nur die Dinge ohne Rückschritt von Seiten der Christen frei ihren natürlichen Lauf gehen lassen, und diese Form wird nach und nach im Verlauf der Jahre ganz verschwinden. Daß sie nicht schon verschwunden ist, darüber wird kein Einsichtiger sich verwundern, wenn er erwägt, daß dasjenige, was einer so viele Jahrhunderte durch Druck verbundenen und von der Gesellschaft ausgestoßenen Klaffe von Einwohnern von Geschlecht zu Geschlecht eingeprägt worden ist, unmöglich in dreißig Jahren verwischt sein kann. Man vergleiche den Zustand der Juden in den Ländern, in welchen sie noch unter dem alten Drucke leben , mit dem in Preußen, und man wird nicht in Zweifel sein können, ob für die christliche Staatsgesellschaft dieser Druck oder dessen Aufhebung das Bessere sei." Düsseldorf, 13. Juli. (46ste Plenar-Sitzung. Fortsetzung.) Ein Abgeordneter der Städte: Diebeiden Mitglieder der Ritterschaft, welche vor mir gesprochen, haben dem jüdischen Volke eine glanzende Lobrede gehalten. Sie haben darauf hingewiesen, daß trotz der immer wiederkehrenden Unterdrückung und Erniedrigung die Beharrlichkeit und die Ausdauer der jüdischen Nation, ihre Anhänglichkeit an die Sitten und an die Religion der Väter niemals erloschen, daß sie in jenen Eigenschaften immer wie-

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