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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-04 · Heft 36 (4.9.1843) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 36 (4.9.1843)
Date
1843-09-04
Page
Seite 535 (sequence 7)
Language
German
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535 stimmung des rheinischen Landtages in Düsseldorf, betreffend die Emanzipation der Juden und die Abschaffung des Kaiser!. Dekrets, sind auch die hiesigen Juden im Begriff, abermals eine mit zahlreichen Unterschriften versehene Bittschrift an die Staatsregierung abgehen zu lassen, um jenes Ausnahmsgesetz aus der Kaiserzeit, das für den redlichen Kaufmann so entwürdigend ist, während es andererseits doch nicht gegen Wucher schützt, aus dem Bereiche unserer humanen Gesetzgebung zu verbannen. Nur noch dieser eine Gegenstand berührt die rheinisch-hessischen Juden schmerzlich, im Sonstigen aber bleibt ihnen fast nichts mehr zu wünschen übrig, da in der hessischen Rheinprovinz die Emanzipation der Juden faktisch besteht, indem die Juden vielleicht nirgends in sozialer Beziehung so glücklich leben, wie hier. Preußen. Berlin, im August. (Privatmitth. Schluß.) So spricht denn der Vers, über die Ausschließung von Zünften, Beschränkungen im Handel, Ungültigkeit des Zeugnisses, besondere Besteuerung der Juden. Indem er über den außerordentlichen Druck von Steuern spricht, den man sich gegen die Juden erlaubte, äußert er sich: „Bedenkt man dies, so wird man Ursache haben, es mit Achtung anzuerkcnnen, daß die Juden unter solchem Drucke überhaupt haben bestehen können, und daß sie ihrer Religion treu geblieben sind, deren Verläugnung beim Uebergange zum Christenthume sie sofort alles Drucks entledigt haben würde. Daß die Juden unter diesen Umstanden nicht sämmtlich in Haß und Erbitterung zu Feinden der menschlichen Gesellschaft geworden sind, beweist, daß in ihrer Religion, welche man oft als die nie versiegende Quelle aller ihrer Untugenden angegeben hat, ein Geist vorherrschen müsse, welcher ihren Bekennern die Kraft, jedem Drucke siegreich zu widerstehen, und die Elastizität verleiht, durch welche sie, sobald der Druck nachläßt, sich wieder in unentstellter menschlich würdiger Gestalt emporrichten. Wäre dies nicht, so müßten bei der Behandlung, welche sie von dey Christen erfahren haben, längst die Ueberreste der jüdischen Nation im Kampfe gegen die ihnen an äußerer Macht so weit überlegene Gesellschaft zu Grunde gegangen sein." — Ferner verhandelt er über Erschwerung der jüdischen Niederlassungen und Ehen, Judenquartiere, die Ausschließung vom Staatsdienste und der ständischen Repräsentation, wo er sehr vernünftig alle theoretischen und praktischen Hindernisse als unzulänglich hinwegräumt. Aus den Schlußresultaten heben wir als wichtig noch folgendes Bekenntniß hervor, welches gegnerischen, allerdings aus der Luft gegriffenen Behauptungen entgegenzuhalten ist. „Betrachten wir nun alles Obige mit unbefangenem, von keinem Vorurtheile getrübtem, praktischem Auge, so werden wir uns überzeugen müssen, daß die Emanzipation der Juden, ihre völlige Gleichstellung mit den Christen, völlig ungefährlich, ja selbst vom Interesse und der Ehre der Christen geboten und das einzige Mittel sei, alle diejenigen Uebelstände, welche sich zeither aus dem Zusammenwohnen beider hervorgethan haben, vollkommen zu beseitigen. Möchte daher die hohe deutsche Bundesversammlung durch ein allgemeines deutsches Gesetz diese völlige^ Gleichstellung aussprechen, die sich so wunderlich durchkreuzende und widersprechende Gesetzgebung der verschiedenen deutschen Staaten dadurch beseitigen und hiermit beweisen, daß wir auch in dieser Beziehung einig, und an wahrhaftem Freisinne, der in dem, was die ultraliberale Partei will, oft am wenigsten zu erkennen ist, hinter keiner der anderen Nationen zurück geblieben sind. Käme es jetzt darauf an, den ersten Versuch, dieser Art zu machen, so könnte von manchem sonst nicht übermäßig bedenklichen Staatsmanns mit Recht entgegnet-werden: „der praktische Erfolg solcher Versuche sei oft ein ganz anderer, als man ihn im Vorauf gehofft habe, und alle noch so wohl überlegten und scheinbar noch so richtigen Gründe hätten sich in solchen Fällen durch die Erfahrung als täuschend erwiesen. Wenn es darauf ankomme, tausendjährige Zustände zu ändern, sei daher die größte Vorsicht erforderlich, um nicht durch zu große Sprünge das Uebel noch arger zu machen." Diesem haben wir entgegenzusetzen, daß sich's hier nicht um einen erste n Versuch handelt. daß er vielmehr in mehreren selbst deutschen Landern bereits gemacht - und, wenn man nicht etwa eine einzelne von irgend einem Schacherjuden verübte Prellerei als Beweis dagegen anführen will, gelungen ist.

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