Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1843)
- Date
- 1843-09-04
- Page
- Seite 533 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225318--05476-3236132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
533 höchst würdig, angenehm und ansprechend, seine Stimme sonor und lieblich,, seine Wendungen geschickt und überraschend. Besonders ansprechend war sein Vortrag beim Vorlesen aus der Tora: Richtigkeit der Aussprache und dabei liebliche Modifizirung des herkömmlichen Akzents. Herr Grün hat es auch in allgemeiner musikalischer Bildung so weit gebracht, daß er viele Gebete unseres Ritus mit Geschmack und nach den strengen Regeln und Anforderungen der Tonkunst in Musik gesetzt, welche Kompositionen der Anerkennung und des Beifalls der größten Musikkenner sich zu erfreuen hatten; so hat er jetzt, nach seiner eigenen Aussage, ein Werk in der Bearbeitung, worin er eine gänzliche Zusammenstellung aller zu einem geregelten Gottesdienste nölhigen und passenden Melodien und Rezitativen theilweise zusammengestellt, theilweise mit eignen Kvm-" Positionen ergänzt, welches Werk um so ansprechender und wichtiger werden dürfte, weil Herr Grün die Kenntniß des polnischen und deutschen Ritus und Gesangs durch eigne Erfahrung kennen gelernt und in sich ausgenommen hat. Wir glaubten die Fertigkeiten und Talente des Herrn Grün hier öffentlich zur Sprache bringen zu dürfen, um besonders größeren, gebildeteren und bemittelteren Gemeinden, die auf einen geregelten Gottesdienst Werth legen, auf diesen als Kantor tüchtig gebildeten Mann aufmerksam zu machen"). Frankfurt am Main, 25. August. (Privatmitth.) Um den äußern Gang der sogenannten Reformangelegenheit zu charakterisiren, müssen wir hier noch Einiges darüber beibringen. — Wer irgend auf die Masse wirken, wer einen wahrhaften, dauernden Anstoß Hervorbringen will — der muß es aufrichtig meinen, der muß seinen Gegenstand mit Begeistrung umfassen, der darf sich nicht hinter Halbheiten verstecken, der muß seine Meinung frisch von der Leber sagen. Es ist dies eine edle Seite der Menschheit, es zeugt von dem den Menschen doch einwohnenden Instinkt der Wahrheit, daß sie sich *) Da wir Herrn Grün auch selbst gehört haben, so können wir obiges Lob nur bestätigen; ganz besonders gefiel uns sein Vortrag des Toraabschnittes. Auch wir empfehlen ihn einer tüchtigen Gemeinde gar sehr. Redakt. auf die Länge nicht hinter's Licht führen lassen. Dies haben die Herren erfahren. Sie. haben den Juden eine Falle stellen wollen, und — haben sich selbst darin gefangen. Sie haben die Ehrenhaftigkeit des Charakters nicht besessen, haben sich darum der Eitelkeit wegen an Dinge gemacht, die sie weder verstehen, noch lieben — und nun stehen sie freilich blamirt. Dies das Eine. . Das Andre: man ist es schon gewohnt, die Zeitungen, so bald sie von einer sogenannten Reform des Iurenthums zu berichten haben, in die Hände klatschen zu sehen. Diesmal haben sie aber denn doch gemerkt, daß die Sache einen Fuchsschwanz hat, und selbst sie haben umgesattelt. Einen heftigen Artikel gegen die sogenannten Reformer gab zuerst die Redaktion der Deutschen Allg. Zeit, vom 16. August. Sie bemerkt: „Herr Dr. Stern hat gewiß noch nicht auS der Abhandlung eines mit am „höchsten" auf die Spitze dieser „Philosophie" Gedrungenen in den Einundzwanzig Bogen ersehen, welches die allerdings nothwendigen und von jedem Unbefangenen von vorn herein erkannten, aber von den Erfindern selbst im Anfänge nicht geahnten, von manchen Anhängern heute noch nicht durchschauten Konsequenzen dieser sogenannten Philosophie, die nur aus Unverschämtheit und in plumper Kriegslist sich die Philosophie, ausschließlich die Philosophie nennt, denn eigentlich seien! Offen und triumphirend wird es von Heß in den Einundzwanzig Bogen verkündigt, daß „die deutsche Philosophie" noth.vendig und unfehlbar auf Atheismus und Anarchie hinführe, daß das die rechten und wünschenswerthen Konsequenzen seien, daß, wenn erst Alles in Atheismus und Anarchie aufgelöst sei, es sich zeigen werde, wie sich aus Trieben, Neigungen, Ansichten rc. ein neues Gesellschaftsgebäude zusammensinden werde; ganz das alte Lied; erst nur niedergerissen und dabei die Grenze nur nach der Politik bestimmt, da sich eine andere, vor der man in Ehrfurcht zurückweichen müßte, ja in solcher Stimmung gar nickt festsetzen läßt; „vorläufig" nur Das negirt, für dessen Negation man Viele vereinigen kann, das führt schon weiter und man langt unfehlbar bei dem letzten glücklichen Ziel an, wo Alles negirt ist und dann das neue Positive sich schon finden wird; derselbe Heß aber wird von den Aposteln des Kommunismus höchlich gebilligt und als sehr tauglich für ihre Zwecke gefunden, da er die