Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1843)
- Date
- 1843-09-04
- Page
- Seite 532 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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532 den emanzipiren, sogleich und unbedingt emanzipiren! Das Wenige, was noch tadelnswerth ist, würde sich durch die freundliche Begegnung und Berührung der Christen gänzlich verlieren und die Menschheit .würde den Triumph der Gerechtigkeit feiern. Dabei wies er besonders auch auf die ausgezeichneten Gelehrten in allen Fächern des Wissens hin und verbreitete sich ganz besonders in Lobeserhebungen über den edlen Rießer, wie er so schön und kräftig die jüdischen Rechte vertheidigt. — Friede sei seiner Asche! —. In der neuesten Zeit erschien eine Verordnung von unsrem Oberrathe der Israeliten welche eine Amtstracht für Rabbiner und Vorsänger im ganzen Großherzogthume gesetzlich vorschreibt. Die Amtstracht des Rabbiners besteht 1) Aus einem Barett von Sammt mit einem Band von Atlas. 2) Aus einem bis zu Füßen herabhängenden Rock von Tuch, oben anschließend unten weit, einem stehenden Kragen, von obenherab auf der vorder» Seite mit Knöpfen und zwei Streifen Sammt besetzt. 3) Aus zwei weißen Mosestäfelchen. 4) Aus einem weiten faltenreichen Mantel von schwerem Seidenzeug und endlich 5) Aus seidenen Strümpfen und Schuhen mit vergoldeten Schnallen. Die Amtstracht der Vorsänger hingegen besteht aus demselben Barett, aus einem weiten Chorrocke von feinem Merino mit Sammt besetzt, und aus Schuhen mit seidenen Strümpfen. In dieser Amtstracht haben die Rabbiner und Vorsänger beim Gottesdienste an Sabbaten und Festtagen und erstere noch bei Trauungen, Leichenbegängnissen, am Geburtsfeste Sr. .König!. Hoheit des Großherzogs u. s. w. zu erscheinen. Diese verehrliche Anordnung wurde von allen besser Denkenden mit innigem Vergnügen und warmen Danke entgegengenommen, da es zur Würde des Rabbiners und Vorbeters während des Gottesdienstes so wie zur Hebung des Kultus selbst unverkennbar beiträgt. Besondere Anerkennung verdient diese Anordnung nach unserem Dafürhalten auch deßwegen, weil sie I mit weiser Berechnung der alten Sitte sich akkomodirte, ohne gegen den ästhetischen Geschmack der neuern Zeit zu verstoßen. Wol hat man auch in andern Ländern Amtstrachten für Rabbinen und Vorsänger längst eingeführt, aber sie sind entweder zu fremdartig, zu sehr von den andern Kulten entlehnt, oder doch mehr willkürlich, nicht gesetzlich, nicht gleichmäßig im ganzen Lande, auch sind es meistens nur die größern und gebildetem Gemeinden, die darin Schritte gethan, hier sind es aber auch die Landgemeinden, die sich dem Gesetze unterwerfen müssen, ohne daß es von den subjektiven Ansichten des Rabbiners oder Vorstehers abhänge. Möge unsere Oberbehörde, der Gr. Oberraty in so umsichtiger, erleuchteter Weise weiter wirken, und das, was bis jetzt besonderer Verhältnisse wegen, nicht geschehen konnte, im Fortgange der Zeit entwickeln und Hervorrufen, damit besonders die Rabbiner, denen es meistens nicht am guten Willen fehlt, in den Stand gesetzt werden, ihre Kräfte und ihr Wissen dem Wohle ihrer Gemeinde resp. deren Jugend zu widmen, auch daß endlich jeder Rabbiner in der Schule seines Wohnortes so viel ist, als jeder Dorfpfarrer und nicht länger das kränkende Gefühl in sich empfinde, daß die Aufsicht der jüdischen Schule dem Pfarrer übertragen ist, der auch in der Regel weniger Interesse an der Entwickelung der jüdischen Schuljugend und den Leistungen des Lehrers findet, als der Rabbiner, der ja auch deßwegen die Schule besser beurthellen könnte, weil er mit dem Umfang des jüdischen Religionsunterrichtes bekannt ist. —. Herr Grün, welcher lange Jahre zur allgemeinen Zufriedenheit die Stelle eines Kantors bei der israelitischen Gemeinde dahier bekleidete, und zu seiner weitern Ausbildung zwei Jahre unter Leitung des berühmten Sulzer in Wien als zweiter Kantor fungirte, hatte die Gefälligkeit am zweiten Tage des jüngsten Wochenfestes, da er gerade hier war, den Abschnitt aus der Tora vorzulesen und das Mussaf vorzubeten, um der Gemeinde seiner Vaterstadt eine kleine Probe und Ahnung von der Würde und Salbung des Wiener Kultus zu geben. Haben wir auch selbst dem Gottesdienste, in Wien noch nie beigewohnt, so können wir doch so viel ermessen, daß Herr Grün als ein würdiger Jünger aus jener großen Schule zurückgekommen. Sein Vortrag sowol im Gesang als auch beim Rezitiren war