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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-09-04 · Heft 36 (4.9.1843) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 36 (4.9.1843)
Date
1843-09-04
Page
Seite 531 (sequence 3)
Language
German
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Charakter *), der im Jahr zwanzig bis dreißig Mal am jüdischen Gottesdienste Theil nimmt, der vor die Lora tritt und spricht ascher bachar bauuff. sich zu denen zählen, die das gesammte Zeremonialsgesetz seit Jahren beseitigt haben, noch zu denen, die nichts danach fragen, ob die Nation sie zu den Ihrigen zählt oder nicht; noch endlich kann er den strengen Juristen machen und mit einem Lat justitia et pereat mundus der Reform zurufen: nun sieh zu, wie Du fertig wirst. Uebrigens bitten wir es ad acta zu nehmen, daß das Schisma nicht in Hamburg, Kopenhagen, Wien u. s. w. überhaupt nirgends ausgebrochen ist, wo man den Kultus mehr oder minder reformirt hat; sondern lediglich da, wo zwischen starrem Stabilismus und achselzuckender höhnischer Toleranz für gemächliche Resignation und Akkomodation kein Platz ist. Und deshalb ist es auch ein Selbstverstand, daß die Reformisten aller Nuancen, hier und überall das Creizenach'sche Symbol auf das Entschiedenste zurückweisen. Bruchsal (Baden), im August. (Privatmitth.) Besondere Aufmerksamkeit und dankbare Anerkennung verdienen die in der neuesten Zeit in der Rheinprovinz von Seiten der christlichen Bürger und der hohen Stände geschehenen Schritte zur bürgerlichen Besserstellung der dortigen Juden. Durch diese Ereignisse aufmerksam gemacht, erinnert sich Referent dieses mehrerer in dieser Beziehung von dem kürzlich zu Heidelberg .verstorbenen, mit Recht so sehr berühmten Juristen, Geheimenrathes und Professors 0r. Zachariä geäußerten Grundsätze. In einer seiner juristischen Vorlesungen, wo er über die gemischten Ehen sprach, nahm er Gelegenheit auch über Juden und ihre Stellung im Staate sich zu äußern und ich glaube gewiß im Interesse Ihres geschätzten Blattes zu handeln, wenn ich diese trefflichen Gedanken hier in kurzen und schwachen Umrissen mittheile. Herr Zacharia sprach: Meine Herren! ich bin mit den größten Vorurtheilen gegen Juden und Jüdenthum aufgewachsen, lebte zu einer Zeit, wo man es •)■ Herr Dr. Rießer gehört zur Tempeldirektion. Redakt. noch nicht auffallend und unwürdig fand, daß Juden Leibzoll entrichten', und z. B. in Frankfurt am Main ein gelbes Abzeichen am Kleide tragen mußten, ich war zu Wittenberg Doctoi-legens, wo es keinem Juden gestattet war, nur zu übernachten, ich habe diese Vorurtheile mit der Muttermilch eingesogen, habe aber, als ich größer, reifer, entwickelter und selbstständiger geworden, lange .und reiflich darüber nachgedacht und bin endlich zu dem Resultate gekommen: man that den Juden sehr unrecht! Denn wessen werden sie angeklagt, beschuldigt? des Wuchers, das ist eine Täuschung; die Juden sind vielmehr nützliche und nöthige Glieder des Staatsverbandes! Ein einziges Beispiel wird uns das deutlicher machen: man sagt der Jude richte den Bauer durch das sogenannte Halbvieh (indem der Bauer das Vieh füttern muß, wofür er -die Hälfte des Viehes erhält) zu Grunde, erhalte auf.diese Weife von seinem Kapitale 80K! und man hat darum in manchen größern Städten Gesellschaften gebildet, die Geld zufammengelegt, um den Bauern Vieh geben und sie so aus den Klauen der Juden reißen zu können. Aber meine Herren, nach einem Jahre mußte die Gesellschaft, welche aus den reichsten Leuten bestand, ihre Zahlungen einftellen und der Jude soll sich auf 80 gstellen, wie ist das möglich? — Nein, der Jude hat auf diese Weise auch nicht mehr als 5&, was er mehr erhält, .ist nur Lohn für sein Laufen und Laufeln, weil.er beständig nachsieht, unverdrossen ab- und zugeht. Und so ist es in jeder Richtung, der Handel ist das Mittel die Kräfte eines Staates zu heben und die Juden sind diejenigen, welche im Handel Fertigkeit und Erfahrung haben und den christlichen Kaufleuten zu Lehrern und Muster.dienen. Oder ist es.etwa.die Religion, die man angreift? Die jüdische Religion ist die älteste, der Stamm, die christliche ist auf diesem Stamme gewachsen; jede Religion hat ihre Formen, ihre Schaale, die jüdische wie die christliche, und nehmen wir von beiden die Schaale weg, der Kern bleib.t bei beiden trefflich. Auch.ist der Charakter der Juden nicht zu tadeln, sie sind wohlthätig, treu, zuverlässig und wenn ich . mich nochmals verehelichen sollte, es wäre ein.Judenmädchen, das ich wählen würde. Meine Herren, so habe ich nachgedacht und bin zu dem Schluffe gekommen, man solle die Ju-

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