Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1843)
- Date
- 1843-08-28
- Page
- Seite 521 (sequence 5)
- Language
- German
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521 den als NothwendigkeiL erkannt zu haben erklärte. Dies auszuführen, ist der Zweck der eben erschienenen Schrift. Man wird gestehen, daß diese Schrift als öffentliches Zeugniß eine hohe Bedeutung hat. Man wird zugeben, daß die völlige und unumwundene Zurücknahme der vor zehn Jahren ausgesprochenen Ansicht in der jetzigen Zeit, wo Keiner sich scheut auf die sophistischeste Weise seine parteiische Meinung zu verfechten — wir erinnern nur an Hermes — dem Manne zur höchsten Ehre gereicht. Abseitens Dessen enthält auch die Schrift viele gute Bemerkungen. Jndeß entspricht sie als Ganzes doch wenig den hohen Erwartungen, und ermangelt der scharfen, durchdringenden Logik und des kräftigen Ausdrucks. — Nachdem Str. die Verkennung, die seine frühere Schrift gefunden, gerügt, und mit dem Betheiligtsein der jüdischen Autoren entschuldigt hat — mit solcher gnädigen Entschuldigung sind die christlichen Antiemanzipisten immer bei der Hand, wenn die jüdische Logik den Widerspruch und die Engherzigkeit in ihr volles Licht stellt — und seine früheren Ansichten aus der Schonung des Vorurtheils gegen die Juden, welches bei ihrer Emanzipation leicht nur um so mehr gereizt werden könnte — auch eine beliebte Retraite — erklärt hat, spricht er sich folgendermaßen aus: „Ungeachtet dieser Gründe, welche mich, als Freund der Juden^), zu meinen früheren Vorschlägen bewogen, haben sich meine Ansichten über dasjenige, was die Gesetzgebung im Interesse der christlichen Regierungen zu thun habe, durch gereifte Erfahrungen und fortgesetztes Nachdenken über die im praktischen Leben mir vorgekommenen Erscheinungen wesentlich geändert, und ich bin hierdurch zu der Ueberzeugung geführt worden, daß nur durch eine vollständige und unbedingte Gleichstellung der Juden und Christen jedes Mißverhältniß beseitigt werden könne, welches zum Nachtheile beider obwalten wird, so lange noch irgend ein Ausnahme-Gesetz in Gültigkeit bleibt." Man wird gestehen, daß dies im Munde eines gewiegten Staatsmannes ein höchst wichtiges Zugeständniß ist. Nächstdem zeigt Str., daß diese Aenderung sei- °) Die gesperrt gedruckten Worte sind in dem Schriftchen selbst so gesetzt. Korresp. ner Ansichten nicht als ein Inkonsequenz, sonderst als ein Fortschritt anzusehen sei, dem der Mensch Zeit seines Lebens sich hingeben müsse. Auch sei nicht zu beargwöhnen, daß er sie jetzt erst, nachdem Rücktritt aus dem Staatsleben, ausspreche, da er sie schon früher wiederholt verkündet habe. Stark spricht nun der Vers, über die Saumseligkeit der deutschen Regierungen, die Zusage der Bundesakte Betreffs der Juden zu erfüllen. Er sagt: „Selbst diejenigen Regierungen, welche noch gar nichts für diese Klasse ihrer Unterthanen gethan haben, und sie noch unter dem alten Drucke schmachten lassen, finden Beruhigung in dem Gedanken, daß die Juden dasjenige, was sie seit Jahrhunderten ertragen haben, und woran sie gewöhnt sind, wol auch noch einige Jahre werden ertragen können. Sind die einigen Jahre verflossen, so tritt der alte Gedanke wieder ein, und gewährt die alte Beruhigung, die noch vollständiger wirkt, wenn man zugleich sich sagt, daß diejenigen, welche eine Verbesserung ihres Zustandes wünschen, doch nur Juden sind." — Seinen früheren Ansichten gegenüber kann wol besonders folgende Stelle hervorgehoben werden: „Der Zweck kann aber nur durch Aufhebung aller Ausnahme-Gesetze und völlige Gleichstellung bewirkt werden; denn Ausnahme-Gesetze, wie sorgfältig und gewissenhaft man auch bei der Abfassung verfahren möge, werden immer in vielen Fällen Solche treffen, wegen deren keine Ausnahme nöthig, gegen die daher die Anwendung entschieden ungerecht ist. Auch unter derjenigen Klaffe von Juden, welche nach meinen früher» Vorschlägen noch gewissen Beschränkungen unterworfen werden sollte, giebt es viele durchaus achtbare, unbescholtene und dem Staate wahrhaft nützliche Männer, welchen Natur und Glück nur das erforderliche geistige und materielle Anlage-Kapital versagt haben, das vielen ihrer glücklichem, deshalb aber moralisch nicht höher stehenden Glaubensgenossen zu Begründung eines sehr glänzenden äußern Zustandes verliehen worden ist. Soll der redliche Lrödeljude, — der Hausirer, den man immer auf den Dörfern, wie in den Fabriken, aus welchen er seine Maaren entnimmt, gern wiederkehren sieht, weil er sich bei großer Mäßigkeit immer mit einem kleinen Gewinne begnügt, noch Niemanden mit schlechten Maaren betrogen und die Fabrikanten redlich bezahlt hat — derjenige Jude,