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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-28 · Heft 35 (28.8.1843) · p. Seite 520

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 35 (28.8.1843)
Date
1843-08-28
Page
Seite 520 (sequence 4)
Language
German
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520 gestellt, sondern damit alle synagogale Einrichtung, aller Kultus und dessen ganzer Inhalt beseitigt werde (wie unschuldig lautet da wieder das Beispiel, was herangebracht wird, die Chalizah!) Die Lehre des Messianismus soll geleugnet werden — um den Völkern ringsum ein Kompliment zu machen!-- Es ist schon Vieles zur Schmach Jfrael's aus dessen Schooße ^hervorgegangen, schon viel Thörichtes ausgebrütet worden: aber solche Schmach, solche Thorheit gewiß noch nicht. Welcher Christ, der Dieses liest, muß nicht alle Verachtung, die er irgend einmal gegen Juden gehegt, nunmehr auch 'auf das religiöse Bekenntniß der Juden werfen, mit dem solche Reformlinge so spielen wollend! Aber die Rolle muß zu Ende sein. Die Herren DD. Stern und Creizenach, die die Schleppträger, die Sancho Pansa's der Herren Bauer und Feuerbach sein wollten, sind bald zum Schluffe gekommen. Bauer und Feuerbach haben aber ihre Meinungen offen erklärt, sie sagten: wir wollen kein Christenthum, und so wußte man, was sie wollten. Ihr aber spielt ein erbärmliches Spiel, Ihr sagt nicht: wir wollen kein Judenthum, sondern Ihr siegelt die Edelsteine zu, und vertauscht heimlich unter der Hand das Kästchen; ihr sagt: wir wollen das Judenthum, nur anders, und habet doch nur: kein Judenthum! im Sinne. Ja, noch mehr, sie treiben ihr Spiel so weit, daß sie sagen: nun wollen wir erst an die Bibel gehen, nachdem sie die Bibel verbrannt haben! Daß bei solchem Boden mit jenen Herren nicht zu kämpfen ist, sieht Jedermann leicht ein. Daß der ganze Vorgang seinen Nutzen haben wird, ist leicht zu erkennen. Viele Herzen schlugen, viele Geister regten sich, als die Kunde von einer bestimmt in's Auge gefaßten Reform anhub. Sie sind hierdurch gewarnt worden, solches Werk nicht leichtsinnig zu beginnen, sondern mit Ernste auf dem Wege fortzufchreiteu, auf welchem angefangen worden, nämlich: in Achtung unsrer Geschichte, auf dem Grunde des Bestehenden, mit der Leuchte des Offenbarungsglaubens -das Leben unsrer Religion organisch fortzuführen und in allmäliger Entwickelung die reine und göttliche Gestalt derselben auch für uns auszubauen. — Jndeß wird man auch allseitig daraus gelernt haben, und die Wächter werden erfahren haben: was es an der Zeit fei! Auch unsere Parole ist gewählt, auch unser Werk deutlicher geworden. Lasset uns neuen Muth schöpfen: - es gilt ein Großes! es gilt eine ganze Rettung! Noch Eins. Es ist jetzt nicht selten, daß solche Herren — und selbst Herr Dr. Rießer in seiner „Erklärung" (No. 33) hat sich hierzu herangelassen — der Synagoge mit Abfall drohen, sobald sie nicht gutwillig ihr eigenstes Wesen ihnen freigeben wolle. Daß Niemand, der in irgend einer Kirche, noch dazu als Lehrer steht, Abfall leichtsinnig ansehen, und ihn für den Abfallenden als eine bodenlose Verirrung, für die Kirche als einen Verlust nicht ansehen sollte, ergiebt sich von selbst. Nichtsdestoweniger wäre das ein sehr verächtliches Bekenntniß, welches sich nach dem Belieben jedes Einzelnen hin- und herzerren, berauben und zusetzen ließe, um nur einige Namensanhänger mehr zu behalten; welches nicht kräftig hintreten würde, und Allen gleicherweise zurufe: das bin ich, und wenn du mir nehmen willst, was ich bin, so bist Du nur mir genommen, und so sei's! Es gab tvol keine Zeit, wo die Synagoge nicht Abfall erlebt: sie hat ihn immer überwunden. Das unendliche Maß Liebe, aufopfernder Treue, unbedingtester Hingebung, das sie — sie kann es sagen — mehr als irgend eine Religion von ihren Kindern erfahren hat, muß sie trösten und den Verlust ausgleichcn! ZeUmrgsitachrichten. Prenßeo. Berlin, im August. (Privatmitth.) Soeben ist die Schrift von Streckfuß: „Ueber das Verhältniß der Juden zu den christlichen Staaten. Zweite Schrift unter diesem Titel. Berlin, 1843" — ausgegeben worden. Man weiß, welch' Aufsehen die Schrift des einflußreichen Staatsmannes im Jahre 1833, worin er Trennung und Unterscheidung zwischen gebildeten und ungebildeten Juden — als ob Stand, Wissen, Bildung nicht eben so oft ein verderbtes Herz bedecken, als der Packen des Trödeljuden, und als ob überhaupt die höheren Rechte der Gesellschaft vom letztern beansprucht werden — forderte, machte und wie viele Repliken sie hervorrief. Man weiß auch, daß Streckfuß seitdem wiederholt, sogar öffentlich seine frühere Meinung zurücknahm, und die unbedingte Emanzipation der Ju-

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