Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1843)
- Date
- 1843-08-28
- Page
- Seite 519 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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519 gebe ich zu, wie du mir zugiebst, daß wir alsdann in Gesellschaft von mehr als 30 Millionen Deutsche lügen. Ich selbst würde ungescheut diesen Kampf mitmachen und mich sogar darauf freuen. Aber ich würde, wenn ich eine Wahl hätte, nicht damit anfangen, daß ich den Regierungen die Bibel an den Kopf schmisse. Ich würde zuerst gegen die Beschneidung meiner Bücher und dann erst gegen die meiner Kinder protestiren. Es kann nicht Sache des Dilettantismus sein, auf die, Dauer einen Kampf zu führen, der, wenn er einmal rn's Detail, der Entwickelung tritt, auch spezielle Kenntnisse, theologische und philosophische voraussetzt, die sich, im Allgemeinen gesprochen, doch nur bei solchen vorfinden werden, die ein besonders Studium daran gesetzt haben. Also wir müssen reformatorische Theologen haben, diese werden sich dann, aber auch nur dann finden, wenn sie sich auf Gemeinden stützen können, und solche Gemeinden können ja nur aus einem Verein hervorgehen. Auszug aus einem Schreiben des Herrn vr. St. an Herrn Dr. C. Wir müssen uns sehr hüten nicht durch seine (Riessers) Beredsamkeit zur Aufstellung eines Positiven verführt zu werden, was ich nicht btos an und für sich als völlig unstatthaft, gefährlich, ja dem Prinzipe der Gewissensfreiheit gerade zu widersprechend ansehen muß, sondern jedenfalls auch als einen Versuch betrachte, das Haus von Oben herab zu bauen. Ein solches Positives muß eine in der Zukunft reifende Frucht sein, während wir erst eine Saat säen wollen. Suchen wir uns daher erst über das zu Negierende zu vereinigen. — Tempel und neue englische Synagoge sind keine gesunde Geburten, sondern wahre Abortus eines erwachten Dranges nach Reform. Auszug aus einem Schreiben des Herrn Or. Riesser an Herrn Dr. C. Daß Sie die Beschneidung (Ln der Erklärung) gänzlich Lguoriren, will mir nach wie vor nicht in den Kopf und bleibt für mich ein starker Stein des Anstoßes. Dieser Punkt ist für mich das wahre Rio Rhodus, hie salla bei der ganzen Sache. Das Prinzip der Freiheit soll vor allem da geltend gemacht werden, wo Zwang geübt wird, das kann ich mir nicht ausreden lassen. Zwang wird aber nicht geübt zu Gunsten des Talmuds, nicht zu Gunsten des Messias-Glaubens, wohl aber zu Gunsten der Beschneidung; darum thut hier Hülfe noch. Halten Sie es nicht für angemessen, die Zeremonie für die der „Erklärung" Beitretendeu geradezu für abgeschafft zu erklären, so kann ich mich darin finden; nur sprechen Sie deutlich aus, daß hier ein fauler Fleck fitzt, den Sie zu tilgen bemüht sind. Es ist ja ganz klar, daß hier nur der völlig sinnlosen äußeren Gewalt nachgegeben wird, und wenn ich es dem Einzelnen durchaus nicht übel nehme, so kann ich nicht eiusehen, wozu sich denn viele vereinen sollen, wenn sie nicht einmal ihre persönliche Freiheit mit vereinter Kraft gegen uiedern auswärtigen Zwang schützen wollen." So weit das Frankfurter Druckstück. Von welchen Ansichten der auch beherrscht sei, wel cher Dies gelesen: es wird ihm unmuthig aus demselben anwehen, es wird gar wol ihn anekeln, sowol was die Sache, als auch was die Personen anbetrifft. Die Sache — denn die Frivolität, der Leichtsinn, die Nonchalance, mit welchen hier über die heiligsten Angelegenheiten der Menschheit, über all' die Begriffe, die seit vier Jahrtausende Israel beherrschen und begeistern und im Strome der Zeiten und Völker aufrecht erhielten, abgeurthelt wird, müssen empören. Die Sache — denn die Herzlosigkeit, die Oede, die in jedem Worte liegt, müssen die Sache verächtlich machen. Die Sache — denn der Betrug, der hier mit den Menschen, mit den Israeliten gespielt werden sollte, indem man weitschichtige, nichts- und vielsagende Erklärungen unterzeichnen lassen, dabei aber jene um ihren Glauben, um ihre Ueberzeugung täuschen, und die Vernichtung dieser als Endziel anstreben wollte, muß das moralische Gefühl im höchsten Grade anekeln. Und dann, die Personen? Ein Mathematiker und ein Dichterling, die sich selbst als Dilettanten in der Theologie bezeichnen, die sich selbst außerhalb, des Judenthums bekennen, werfen sich zu Kritikern über die inhaltsschwersten Fragen auf, wollen ein erbärmliches Schauspiel aufführen, indem sie die Juden zum Unterzeichnen von Erklärungen veranlassen, die hinterher zu den vernichtendsten Konsequenzen führen sollen. Der Mosaißmus soll die schrankenloseste Fortbildung zulaffea — damit man hinterdrein au die Stelle des hohen, einfachen, kindlichen Bekenntnisses des einigen und unmittelbaren Gottes die nichtigen, schwankenden, hohlen Resultate einer bereits im Verscheiden begriffenen Philosophie schieben könne. Die Verbindlichkeit der talmudischen Vorschriften soll negirt werden — nicht etwa damit au die Stelle die wärmere Auffassung eines ursprünglichen MosaiSmuS