Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1843)
- Date
- 1843-08-21
- Page
- Seite 513 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225316--05454-3236108- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
513 sche Schilderung entwarf. Und so lange die Munizipalverwaltung. von Zabern die Schule der Israeliten nicht zu einer Gemeindeschule Erhoben haben wird, wird dies gezwungenerweise der Fall sein. Es ist gegenwärtig ein Grundprinzip der Erziehung, daß der Primärunterricht, .welcher wesentlich religiös sein soll, nur Kindern von demselben Kultus gehörig ertheilt werden kann. Wenn zwischen Katholiken und Protestanten eine fast gezwungene Theilung in der Schule wie in der Kirche stattsindet, warum sollte es nicht zwischen Juden und Christen der Fall sein? Wie können Sie verlangen, daß Israeliten, besonders unter den ärmeren Klassen, plötzlich der Vorurtheile gegen uns entsagen, welche die Vergangenheit nur allzu sehr gerechtfertigt hat? Wie können Sie verlangen, daß sie für ihr Theuerstes auf der Welt nicht unsere Intoleranz oder unfern Proselytengeist befürchten? Und werden sie außer der sehr beträchtlichen Zeit welche für die Judenkinder in den christlichen Schulen gezwungenerweise verloren geht; außer der Lehrstunden des Katechismus und der biblischen Geschichte, außer des Abends vom Freitag und der Klassen vom Samstag, welche ohne Vergütung für sie verloren gehen, weil die christliche Schule am Sonntag feiert, nicht beständig durch die jeden Augenblick in der christlichen Schule ausgesprochenen religiösen Meinungen, welches übrigens auch die Toleranz und die Liebe des Schullehrers sein mögen, gekränkt. Es ist nach, uns ein schönes Hirngespinst, die Verschmelzung in den sozialen Verhältnissen zwischen den Franzosen der verschiedenen Kulten durch die Gemeinschaft des Volksunterrichts herbeiführen zu wollen. Durch dieses System wird man entweder diesen letzter» von seinem wesentlich religiösen Charakter entkleiden, was ein großes Uebel wäre, oder dieser Unterricht wird, wie man sich auch benehmen möge, ein Werkzeug des Proselytismus und folglich eine neue Ursache der Zwietracht werde. Gemeinden, welche bei weitem die finanziellen Hilfsmittel von Zabern nicht besitzen, haben nicht erachtet, daß ungefähr dreißig junge Israeliten nicht werth sind, daß man für sie eine besondere Schule gründe. Wir brauchen nur den Bericht des Herrn Dberrabbiners zu durchgehen um zu ersehen, daß in Odratzheim eine Gemeindeschule für 37 junge Israeliten, in Scherwiller für 35, in Westhoffen für 31 u. s. w. gegründet ward. Wird sichZabern von einem minder freisinnigen Geist beseelt zeigen als viele Landgemeinden des Departements? Endlich haben wir der Munizipalverwaltung von Zabern vorgeworfen, daß sie der israelitischen Privatschule eine Unterstützung an Brennholz bewillige, und sich nicht darum bekümmere, ob der durch sie unterstützte Schullehrer seine Lehrstunden in einem regelmäßigen Lokal zu bestimmten Stunden ertheile, oder ob er wirklich etwas lehre. Der Herr Maire von Zabern scheint auf diesen Theil unseres Tadels nicht geantwortet zu haben." Personalnachrichterr. Paris, 16. Zuli. Der ausgezeichnete Philologe und Mathematiker Louis Markus (aus Dessau) ist am 15ten gestorben. Herr A. Cohn sprach einige Worte an seinem Grabe. In feinen letzten Jahren wurde er durch die Freigebigkeit eines bekannten Hauses erhalten. Herr Munck wird eine biographische Notiz von ihm geben. (Aich. isr. de Fr.) Nancy, 16. Juli. Michel Berr, der Ritter der Emanzipation der Israeliten, ist den 14ten in noch nicht sehr vorgerücktem Alter verstorben. (Arck. isr. de Fr.) —. Den 5. Juli ist der Rabbine Ulmaun, bisher in Lauterburg, zum Großrabbinen von Nancy ernannt worden. Korrespondenz. Braunschweig, im August. An die Rabbirren 8. t. Im Interesse der Religiosität fühle ich mich gedrungen, dieses offene Schreiben an Sie zu erlassen. In meinem Rabbinat sind mehrere Ortschaften, kn welchen so wenige Juden wohnen, daß sie kein Minjan bilden, und die auch von anderen von Juden bewohnten Ortschaften so entfernt liegen, daß letztere von ihnen aus nicht einmal mit Hilft von fc^inn ■»aw an Sabbathen und Festtagen erreicht werden können. Wenn nun auch bisher manche Männer auf sfri nach benachbarten Gemeinden reisten, so war dies doch Anderen zu mühsam und kostspielig, oft auch in Folge von häuslichen Zuständen unmöglich; das ganze übrige Jahr blieben die Männer, die Frauen und Kinder aber (welche letztere 'n ‘■priö zu sein, ohne Zweifel zu allen Zeiten, insbesondere aber in unseren Tagen dringend nö-