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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-21 · Heft 34 (21.8.1843) · p. Seite 510

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 34 (21.8.1843)
Date
1843-08-21
Page
Seite 510 (sequence 10)
Language
German
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510 Falle, Ansehen verschaffen kann. Schon Herder hat ganz richtig bemerkt, daß die roheren Völker Europas im Mittelalter freiwillige Sklaven des Geldes und Wuchers der Juden wurden. Sie dünkten sich zu gut, die „vernünftige und feine Industrie" der kaiserlichen Kammerknechte zu treiben; sie machten es wie die Spartaner, welche den Ackerbau verachteten, weil die Heloten sich damit beschäftigten. Die Juden wurden über die ganze Welt zerstreut, und wunderbar, haben sie sich doch rüstig und frisch erhalten. Der schwere Druck, unter welchem sie schmachteten und theilweise noch schmachten, hat sie wol gebeugt, aber nicht geknickt. Schon so war es im Alterthume; sie zeigten stets eine erstaunliche Spann - und Federkraft. Sinnreich und verschlagen finden wir sie noch; auch Arbeitsamkeit und kriegerischer Muth fehlen ihnen nicht, wo man ihnen nicht durch verschrobene Zustände die Ausübung dieser Lugenden unmöglich macht. Nie ist ein morgenländisches Volk, die Chinesen und die Bewohner der japanischen Inseln etwa ausgenommen, so fleißig gewesen, wie die Juden in ihrer wenig fruchtbaren Heimath, wo sie das dürre Gebirge durch unermüdlichen Fleiß urbar machten. Und diese Heimath haben sie gegen Syrer und Römer mit wahrhaftem Heldenmuthe vertheidigt. Allein das Schicksal wollte, daß sie zwar m staatlicher Beziehung nicht zur Reife kommen, aber als Stamm auch nicht untergehen sollten. Ihre Geschichte ist ein fortlaufender Kampf Unterdrückter gegen Unterdrücker; der Schlauheit und Gewandheit, gegen rohe und plumpe Gewalt. Indem man die Juden verfolgte, verderbte man ihren Charakter, und zwang sie zu List und Betrug, die man ihnen jedoch weniger zum Vorwurfe machen kann, als man die empörenden Gewaltsamkeiten, die gegen sie verübt wurden, von Herzensgrund verabscheuen muß. Man gestattete ihnen keine Spanne Bodens, welche sie die ihrige hätten nennen können, und macht ihnen einen Vorwurf daraus, daß so viele von ihnen Kosmopoliten sind! Aber der welchen die Gesetzgebung zwingt, ein bloßer Geldmann zu werden, wird immer ein Kosmopolit sein, denn es giebt nichts, was seiner Natur nach weltbürgerlicher wäre, als eben das Geld. Das hat ja kein Vaterland! Der „christliche" Staat legt seinen Kredit in ihre Hände, und erklärt doch den Juden für unfähig, etwa Nachtwächter zu sein! Es giebt nur ein Mittel, die kurzsichtiger Weise gesetzlich neben den Staat hinausgestellte, und doch wieder mit ihm verbundene Judenschaft, dem Staate zu gewinnen, sie dauernd und gründlich zu versöhnen und sich einzuverleiben, und dieses einzige Mittel ist: völlige bürgerliche Gleichstellung und unbeschränkte religiöse Duldsamkeit. Die Juden sind einmal da; und haben wie schon bemerkt, gleich uns Christen, ein Recht da zu sein; sie sind zahlreich, talentvoll, von Einfluß auf Handel, Gewerbe, Schriftenthum und gesellschaftliches Leben; die überwiegende und gebildete Mehrzahl derselben ist jenes „Parasitenwesens" satt und müde. Für mich hat es immer etwas Rührendes und Erhebendes gehabt, den Kämpfen, welche besonders seit zwanzig Jahren die Juden in Deutschland um bürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung führen, zu folgen; zu beobachten, wie sie aus der aufgezwungenen Weltbürgerlichkeit, die sie keinen festen und sichern Boden unter den Füßen gewinnen läßt, herauswollen, wie so Viele sich des Patriotismus redlich bestreben, und wie er nicht selten mit einer Besorgniß, die ich eine religiöse nennennen möchte, Alles abzulehnen und abzuweisen suchen, was sie als undeutsch erscheinen lassen könnte. Die öffentliche Meinung, das heißt, die wahrhaft gebildete, vorurtheilsfreie Mehrzahl im Volke, ist nun endlich auch bei uns, für sie, und ihre Sache gewonnen; und der Sieg also für die Dauer nicht mehr zweifelhaft. Man kann ihn noch eine Zeitlang aufhalten; sich den Forderungen der Humanität, der wohlverstandenen Staats- und Vaterlandsintreffen, und um es gerade herauszusagen, der gleichvertheilten Gerechtigkeit und Nothwendigkeit entgegenstellen; aber man wird die völlige Emanzipation der Juden in Deutschland so wenig umgehen können, wie in Holland,. Belgien, Frankreich und ganz Amerika. Nur dann erst wird es den Juden möglich sein, keine „Schmarozerpflanze" sondern ein wesentlicher Bestandtheil des Staates zu werden. Wenn diese religiöse Partei — denn ein Volk sind sie nirgends, weil sie in Sprache und Gesetz sich nach den Ländern richten, in denen sie wohnen — bisher noch ein „Parasit" geblieben ist, so trägt nicht sie die Schuld, sondern der Staat, welcher mit den Juden allerlei halsbrechende politische Versuche angestellt hat, die begreiflicher Weise so ziemlich allesammt mißlungen sind, weil man sich dabei nicht zur Idee der Gerechtigkeit

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