Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1843)
- Date
- 1843-08-21
- Page
- Seite 509 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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509 ments, dem Juden des Talmud und dem aufgeklärten, nach Emanzipation. verlangenden Juden des neunzehnten Jahrhunderts? Die Geschichte lehrt uns mit der nämlichen Bestimmtheit, daß von jeher und zu allen Zeiten das Judenthum , durch die Abstammung und nur durch die Abstammung fortgepflanzt worden, und daß ausschließlich sie es gewesen, welche in fast allen Staaten der Welt jene fremde Nationalität bis auf unsere Tage hat fortleben lassen. Es ist daher für uns die so bezeichnet Genossenschaft von Stammesverwandten nicht zu verwechseln )riit irgend einer anderen Gemeinschaft von Glaubensgenossen, eine Verwechselung, welche gerade am häufigsten vorgekommen und den meisten Anl-aß zu unrichtiger Beurtheilung-der vorliegenden Frage gegeben hat. Nachdem wir hiermit den Gesichtspunkt ausgesprochen, von welchem bei dieser Beurtheilung ausgegangen werden muß, ist die Einrede zu beseitigen, als fei. dieses Jahrhunderte lang fortgesetzte Zusammenhalten von den unter sich durch Abstammung zu einer Gemeinschaft Verbundenen nicht aus dem Wesen dieser Gemeinschaft entsprungen, sondern durch die Unduldsamkeit und die Verfolgungssucht früherer Jahrhunderte verursacht worden. Es lehrt uns aber die Geschichte auf jeder Seite, daß nach den blutigsten und verfolgungssüchtigsten Zeiten der unterdrückte Stamm mit dem siegenden sich stets zu einem Ganzen verschmolzen habe, während gerade nur die jüdische Nationalität es war, die unter allen Umständen der Vereinigung mit jedem fremden Elemente dauernd widerstrebte. (Fortsetzung folgt.) Deutschland. Wiesbaden, im August. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen hat unsere hohe Landesregierung die Rabbinats-Bezirks-Eintheilung geordnet, und die Theologen für dieselben bestimmt. Nämlich: Z) die jüdischen Gemeinden in den Amtsbezirken Wiesbaden, Rüdesheim, Eltwille, Hochheim, Höchst, Königftein und Idstein sind hinsichtlich der Konfirmation,. Religions-Schul-Visitation und zur Hälfte auch der Kopulationen dem Er. Höchstädter übertragen, hinsichtlich der andern Hälfte der Kopulationen dem frühem Privatrabbinen Jgstädter; 2) Diez, Limburg, Hadamar, Montabaur, Wallmeord, Selters und Hachenburg dem Er. Wormser; 3) Weilburg, Runkel, Mennerod, Harborn und Usingen dem Er. Süßkind; 4) Langen schwalbach, Wohen, Nastätten, St. Goarshausen, Nassau und Braubach dem vormaligen Landrabbinen S. Wormser mit einem Substituten für die jährlichen Konfirmationen und Schulvisitationen. Aus Deutschland, im August. (Privatmitth.) Jüngst brachte die „Europa" einen schönen Artikel über die .Stellung unsrer Glaubensgenossen, aus dem einen Auszug hierher zu stellen, Sie nicht für unrathlich halten werden. „Die.Juden sind ein providentielles Volk, ein Menschenftamm, mit dem die Vorsehung Großes gewollt. Es läuft wie. ein rother Faden durch die Geschichte, und übt bis' auf den heutigen Tag einen mächtigen Einfluß aus. Die Kirche hat viel Jüdisches herübergenommen; in unsrem christlichen Gottesdienste sind auch gegenwärtig die Spuren von Tempelgebräuchen und jüdischer Kirchensprache gar nicht zu verkennen; die geistliche Beredsamkeit holte ihre eindringlichsten Argumente eben sowol aus den Schriften des alten wie des neuen Heils; die Gesetze, welche Moses seinem Hebräern gab, spielen im Staatswesen der christlichen Völker eine große Rolle, und keine einzige neueuropäische Nation hat eine Gesetzgebung und Staatsverfassung ohne jüdische Zuthaten. Die christliche Welt hat abrr das, was sie den Juden verdankt, und es ist dieses wol eben so viel, als wo für wir uns den Römern und Griechen so erkenntlich zeigen, nicht mit Wohlwollen vergolten. Durch die Zerstörung Jerusalems wurden sie, ohne ihre Schuld, nach heldenmütigem Widerstande, über alle Welt zerstreut. Vom Grundbesitze schloß man sie aus; wie konnte man sich daher wundern, daß ein so begabter und betriebsamer Menschenstamm, der doch einmal da war, und so gut ein Recht auf sein Dasein besaß, wie die übrigen Menschenkinder, Alles aufbot, um bewegliche Güter zu erwerben? Denn es liegt einmal im Wesen eines Jeden, daß er erwerben will; und derjenige dem man eine feste Heimath versagt, wird notgedrungen an Edelsteinen, Gold und Silber hängen müssen. Geld ist ja das einzige, was er dann besitzen darf, und wodurch er sich einige Beachtung, und, im günstigsten 34»