Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1843)
- Date
- 1843-08-21
- Page
- Seite 507 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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507 uns durch unseren Ausspruch den Weg dazu anbahnen, daß wir in unserem schönen Vaterlande keinem Menschen mehr begegnen, der im Gefühl des Drucks und ungerechter Kränkung den Blick traurig niedersenkt; lassen Sie uns keinen, den Gott als unseren Bruder hat geboren werden lassen, lieblos verstoßen, geben wir ihm Raum, jedes Talent, jede Kraft, welche der Schöpfer ihm verliehen hat, unbeengt zum Heile der Menschheit zu entwickeln! Einer von Ihnen, meine Herren, hat mir geäußert, er habe das Vertrauen zu mir gefaßt, daß ich stets nach meiner Ueberzeugung rede; ich habe mich dieses Lobes, des einzigen, das ein Deputirter annehmen darf, mit dem Bewußtsein gefreut, daß ich es verdiene; wenn ich aber je nach meiner Ueberzeugung gesprochen habe, so geschah es heute, und wenn auch mir nicht mit der innigsten Ueberzeugung zugleich die Kraft gegeben ist, sie Ihnen einzuhauchen, so weiß ich doch, daß auch das schwache Wort, wenn der Geist der Wahrheit es durchdringt, den Eingang in die Herzen zu finden vermag. Ein Abgeordneter der Ritterschaft: Die Frage der Juden-Emanzipation oder ihrer gänzlichen Gleichstellung mit den Christen ist in neuerer Zeit vielfach in Anregung gebracht und der Gegenstand weitläufiger Erörterungen geworden. Ich will versuchen, dieselbe auf einige Hauptmomente zurückzuführen und diese dann zum Gegenstand einer kurzen Erörterung zu machen. Was ein durch Form und Geist eng verbundenes, keine Opfer und Entbehrungen scheuendes und nur das Eine Ziel verfolgendes Ganzes den ungünstigsten Konjunkturen zum Trotz zu erreichen im Stande ist, dafür liefert das Volk Israel einen merkwürdigen Beweis. Während dasselbe Jahrhunderte lang und in der tiefsten Erniedrigung eine kümmerliche Existenz fristete, deren Erhaltung es nur seiner Jsolirung und Eigenthümlichkeit verdankte, erblicken wir dasselbe jetzt im Besitz der größten Macht, der Geldmacht, als den Inhaber vielleicht des vierten Theils des beweglichen Kapital-Vermögens unserer Staaten, als den Buchführer und Gläubiger der Fürsten, als den großen Säckelträger und Wechselzieher der Völker, als den Autokraten im Börsen-, Papier- und Aktienwesen in den Staaten, und als den Herrscher über Gut und Blut in ganzen Strichen des platten Landes. Wer hierin eine Überschätzung der Bedeutung der Juden und des Judenthums erblickt, dessen Verblendung ist nur zu beklagen, die allein die großen Vorzüge übersehen kann, mit denen das Volk der Juden ausgestaltet ist, und die ihm durch seine traditionellen Vorstellungen und Sitten dem verflachenden Jndifferentismus und Kosmopolitismus gegenüber gesichert sind. Das Volk . der Juden bildet den Zentralstamm des menschlichen Geschlechts, und alles, was dem Menschen an Gaben, wie an Fehlern und Mängeln, von der ersten Schöpfung und dem Falle her zukommt, ist darum' in reicherem Maße und in größerer Fülle bei ihm vereinigt als bei irgend einem anderen. Daher war es von jeher, auch vor der christlichen Zeit, Gegenstand des Haffes und der Verfolgung der übrigen Völker, darum aber war es auch das auserwählte Volk des Herrn, und darum bleibt es uns^ selbst in dem Zustande der Erniedrigung, wann und wo sie auf ihm lastet, ehrwürdig und ein Gegenstand der innigsten Theilnahme. Handelte es sich blos um den Genuß der bürgerlichen Rechte, ich würde keinen Anstand nehmen, ihnen denselben, da, wo sie sind, in reichlichem Maße zu gewähren. Ich sage: da, wo sie sind, denn die Gewährung,unbedingter Freizügigkeit müßte stets den größten Bedenken unterliegen, da die Juden überall als heterogenes Element auftreten, dessen Abwehr nach; so vielen und langen Erfahrungen Niemandem verdacht werden kann. Eine ganz andere Frage aber ist die, ob der Staat durch Gewährung aller politischen Rechte sich seines bisherigen christlichen Charakters vollends und bis auf das Letzte entkleiden soll. Er wird dadurch nothwendig auf die einzige Grundlage der materiellen Interessen und der rohen Gewalt zurückgesührt, eine Grundlage, die keinem Weiterdenkenden Zusagen dürfte. Ich weiß sehr wohl, daß man jene christliche Grundlage durch das Wort Humanität ersetzen möchte, doch kann dieser Ausdruck immer nur die beiden Bestandtheile des Menschen, das geistige und das sinnliche Element, bezeichnen. Das Erstere wird uns stets auf das Christenthum und das Letztere auf die Herrschaft der materiellen Interessen oder der rohen Gewalt zurückführen. Ein merkwürdiges Beispiel hierfür liefert Frankreich, wo, um nur einer der handgreiflichen äußeren Erscheinungen zu gedenken, in allen Gerichtshöfen ohne Ausnahme, nicht das Bildniß des lorbeerbekränzten Regenten, sondern das Bildniß des mit Dornen gekrönten ge-