Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1843)
- Date
- 1843-08-21
- Page
- Seite 504 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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504 und religiösen Leben nimmt. Unsere reichen Juden in Deutschland, denen ihre Religion eine unerträgliche Bürde und der Name Jude eine Schande scheint, können sich hier eine Lehre nehmen. Wir ziehen aus dem Briese die interessanten Stellen. „Meine Herren und verehrlichen Bürgerrepräsentanten. Das außerordentliche Wohlwollen und die aufrichtige Zuneigung, die Sie mir durch Ihr Schreiben vom 11. Januar 1843, bei Gelegenheit eines Ereignisses, das, wie Sie selbst sagen, in der Geschichte der Juden der österreichischen Monarchie Epoche macht, bezeugt haben,. haben mein Herz mit Freude erfüllt. Die Gefühle, die Sie in diesem Dokument, das meine Nachkommen sorgfältig aufbewahren werden, ausdrücken, haben mich um so mehr erfreut, als sie mir nicht allein das ganze Interesse, das Sie an den Ehrenbezeugungen, die mir persönlich erwiesen« worden, nehmen, zeigen, sondern auch zugleich eine eklatante Darlegung Ihrer wohlwollenden Gesinnungen und der Wünsche sind, die Sie für das Glück der israelit. Gemeinde hegen, der ich mit Herz und Seele angehöre, und welcher, mit Hülfe Gottes, meine ganze Familie bis zur entferntesten Nachkommenschaft in demselben Gefühl der Frömmigkeit und Religion anhänglich bleiben wird." „Die geringen Dienste, welche meine Brüder und ich der österreichischen Monarchie und der Stadt Wien geleistet haben, und Alles, was wir vielleicht für andere Länder Nützliches zu thun so glücklich waren, haben nicht allein den Wunsch in uns erweckt, unmittelbar, wie die anderen Bürger, zum Wohle des Staates beitragen zu können, sondern haben uns auch beharrlich nach dem Ziele streben lassen, durch wirkliche Dienste der Regierung zu erweisen, daß die Israeliten im Laufe der Zeiten die Intelligenz der Geschäfte erlangt, eine moralische Erziehung empfangen haben und in patriotischen Gefühlen aufgewachsen sind, die sie würdig machen, dem Vaterlande durch ihre Geistesfähigkeiten, ihr Gut und Blut zu dienen, und an der Gleichheit des Standes und Ranges Lheil zu nehmen, zu welcher die anderen Bürger berufen sind." „Wenn ich aber das Ereigniß, das Sie zuerst begrüßt haben, zu würdigen weiß, als die schönste und ausgezeichnetste Belohnung meines schwachen Verdienstes, wenn ich stolz bin auf die Ehre, welche die freie Gunst des Monarchen mir zu bewilligen geruht, wenn ich mich glücklich fühle, berufen worden zu sein, alle die dem Bürgerrechte der Hauptstadt einwohnenden Prärogative zu genießen; so leidet doch die Freude, die ich daraus ziehe, unter dem Gedanken, daß ich als eine privilegirte Ausnahme in der Mitte meiner Glaubensgenossen erscheine, die in der ehrenvollen Stellung, die sie im Staate als treue Unterthanen unsres Fürsten festhals ten, ebenfalls das Recht haben dieselben Rechte zu genießen, wie die, welche sich zu anderen Glaubensparteien bekennen." „Hoffen wir, meine Herren, daß, durch die Gnade Gottes, das Wohlwollen des Kaisers und die Weisheit des ausgezeichneten Mannes, der dessen Konseil dirigirt, und der vielleicht um alte Vorurtheile nicht zu plötzlich anzustoßen, es angemessen gefunden, langsam auf dem Wege der Konzessionen vorzuschreiten, hoffen wir, sage ich, daß der dankbare Israelit endlich den vollen Umfang jener Konzessionen erlangen,- und daß er treu über dieses kostbare Geschenk seines Adoptivvaterlandes wachen wird, indem er es sorgfältig zu bewahren bedacht sein wird." „Haben wir das Vertrauen und die Hoffnung, daß bald die Zeit kommen wird, wo es dem israelitischen Unterthan, der stets bereit ist. Alles auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern, gestattet sein wird, im Genuß derselben Rechte und durch die so mühsam erlangten Früchte einer intelligenten Erziehung, sich den öffentlichen Staatsämtern mit heiligem Pflichtgefühl zu widmen; daß der österreichische Israelit auf dem Boden des Vaterlandes, das so viele seiner Kinder am Lage der Gefahr mit ihrem Blute befleckt haben, frei, während seines Lebens, anderes Eigenthum wird besitzen können, als den kleinen Winkel Erde, der ihm jetzt bewilligt worden, um seine sterblichen Reste aufzunehmen." „Ihre merkwürdigen und Gott wohlgefälligen Worte: „die brüderliche Liebe und die milde Wohlthätigkeit, diese sind das Erbtheil, das uns unsere Vorfahren hinterlassen haben" — diese Worte sind der treue Wiederhall des Herzens eines Sohnes, der sich stets eine heilige Pflicht daraus machen wird, er und seine ganze Familie, den frommen Vorschriften ihres tief verehrten Vaters, dessen Gedächtniß ihrem