Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1843)
- Date
- 1843-08-21
- Page
- Seite 503 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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503 -ie Heiligung des Menschen, d. i. die Annäherung an Gott, immer mehr erstrebt im Geiste und immer mehr bewirkt im Leben, zur Forderung hat. Wir haben demnach. als Inhalt unsrer Religion anzuerkennen: Die Einheit Gottes. Die Unmittelbarkeit Gottes. Die Ebenbildlichkeit Die Offenbarung Die Heiligung des Menschen mit Gott, an den Menschen, des Menschen. Hier haben wir nun den reichsten Inhalt, der sich nicht mit einem dürren Begriffe begnügt, sondern auch das Leben ergreift und es in bestimmte Fassung bringt. Vom bloßen Monotheismus ist gar kein Uebergang zu Leben und Gemüth. Die Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen, die nun ebenso die Annäherung des Menschen an Gott in seinem innern und äußern Leben fordert, wie sie die Annäherung Gottes an den Menschen setzt, ergreift aber den ganzen Menschen und macht ihn frei von der Materialität der Erde. Von hier aus wird sich die Offenbarung auch direkt an die irdische Wirklichkeit wenden, und das Gesetz ist da; das Gesetz, das, weil es eben als Gesetz Gottes auftritt; auch die Freiheit des Menschen nicht allein nicht beschränkt oder gar aufhebt, sondern erst wahrhaft festflellt und ausbildet. Die höchste Freiheit bethätigt der Mensch dadurch, daß er sich einem göttlichen Gesetze hingiebt. Der Monotheismus wird "das Gesetz lediglich als Idee des Kultus, und zwar die einseitige Idee der Anerkennung Gottes durch den Menschen erklären können. Die Unmittelbarkeit Gottes aber bringt den Zweck des Gesetzes wieder auf den Menschen selbst, indem es die Annäherung des Menschen an Gott, (die nothwendige Forderung der Unmittelbarkeit,) bewirkt. Diese Heiligung des Menschen wird nothwendig eben so das Sittengesetz, wie das^ Kultusgesetz umfassen, beide aber dem leiblichen und seelischen Sein des Menschen einordnen. Wir erhalten da aus einmal — seelische Reinheit, leibliche Reinigkeit, Liebe, Gerechtigkeit, Anbetung Gottes und Leben in Gott durch Sabbat und Versöhnung. Alles Dies wird nicht zu historischen Angewöhnungen gemacht, sondern zu Wesenheiten der Religion erhoben. Wir können hier nur skizziren. Aber ein Jeder ersteht schon hieraus, daß aus dieser, der Schrift und Wahrheit gemäßen Auffassung unsre Religion den erhabensten und reichsten positiven Gehalt ziehet, und gewiß so bedeutsame. Elemente enthält, daß die bloße Negation irgend eines andern Glaubens zur entfernten Nebensache wird. Aber unsre Religion bietet nun noch einen andern, durchaus nicht zu vernachlässigenden, positiven Boden, die Geschichte. In jedem andern Glauben mag das historische Element nebensächlich sein, im unsrigen nicht. Sie ist da die Wurzel, aus der der Stamm aufsteigt. Die Geschichte ist in unserm Glauben ein Lebenselement mir. Als Einleitung „die Erziehung Jsrael's zur Offenbarung," als erstes Hauptkapitel „das Leben Jsrael's in der Offenbarung," als zweites, sich an dieses schließende Kapitel „die Erziehung der Menschheit zur Offenbarung." Da nun die Offenbarung die Erfüllung ihrer selbst, ihres Zweckes für die gesammte Menschheit nothwendig fetzt, weit wir hier kein menschliches, dem Zufall anheim gegebenes, sondern ein göttliches Werk haben, das 'nothwendig sich erfüllen muß: so flehet man, wie die Geschichte Jsrael's, die historische Entwickelung Jsrael's — es kann natürlich hier nicht bloß die Reihe der äußeren Fakta verstanden sein, diese sind eher Nebensache — ein nothweudiges Element unsrer Religiozr ist, abermals ein positives Element derselben, das auf ihre Gestalt einen wesentlichen Einfluß hat, wie Beschneidung, Peßach ff. So glauben wir unsern Lesern Winke gegeben zu haben, die von jener Verflüchtigung unsrer Religion hinlänglich abführen. Wir werden noch oft darauf zurückkommen. Zeitrmgsnachrichte». Oesterreich. Wien, 16. Juni. Die Arch. isr. de Fr. enthalten Folgendes. Die Auszeichnung, die Herr von Rothschild von unsrer Stadt in der Ertheilung des Wiener Bürgerrechts erhalten hat, ist bereits durch die öffentlichen Blätter bekannt. Diese, mehr dem Finanzmann als dem Israeliten bewilligte Auszeichnung ist für die Juden weniger wichtig, als die ehrenfesten Gefühle, die der berühmte Banquier in seinem Schreiben als Antwort auf die Glückwünsche, welche die Repräsentanten der Wiener Bürgerschaft an ihn gerichtet, ausdrückte. In diesem Schreiben zeigt sich Herr von Rothschild als eines der, der jüdischen Glaubensgenoffenschaft treuesten und anhänglichsten Glieder, als ein Mann, der seines Glaubens sich nicht schämt, und das lebhafteste Interesse an dem Fortschritt der Juden im bürgerlichen