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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-21 · Heft 34 (21.8.1843) · p. Seite 502

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 34 (21.8.1843)
Date
1843-08-21
Page
Seite 502 (sequence 2)
Language
German
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502 einer Gelegenheit, wo die Rothschilds sich, für ihre Glaubensgenossen regten, in witzlosem Witz mit „Judenkönig" ff. um sich werfen und auf eine Schaar höhnender'Lumpen rechnen konnte, ist wol auch vorüber und abgenutzt. Es kann daher die Anerkennung der Edlen nicht fehlen, die das thatkräftige Interesse für ein geistiges Gut, welchem man einmal angchört, zu würdigen wissen. W o h i n? Wohin wollen die neuesten Bestrebungen im Judenthume? Offenbar nirgends anders hin, als das Judenthum zu einem bloßen „Nichtchristenthumzu einer bloßen Negation der kirchlich-christlichen Dogmen zu reduziren, wie der Protestantismus seit längerer Zeit in den meisten innerhalb desselben vorhandenen Parteien zu einer bloßen Negation des Katholizismus geworden — so daß das Zudenthum all' seinen positiven Gehalt zugleich mit seiner positiven Gestalt verloren hat. Dies ist aber das Gefährlichste. Denn erstens wird das Judenthum für seine eigenen Bekenner dadurch zu einer nur sekundären Erscheinung, die von den Brosamen einer andern lebt , und die dem in ihr Lebenden Schatten anstatt Wesen, Hülsen anstatt des Kornes giebt. Ferner wird bald das tägliche Vorkommen, daß die kirchlich-christlichen Dogmen von einzelnen Christen, ja von ganzen Parteien geleugnet werden, dem bloß negirenden Juden Beschwichtigung für den Uebertritt geben. Es ist also nur eine Ueberkleisterung, die bald vertrocknen und brechen wird. Das Beispiel des Protestantismus sollte Jeden, der es ernst meint, — denn die, welche nur aus persönlichem Ehrgeiz und um des Rumors und Skandals wegen ihr Spiel treiben, sind der Rede nicht werth — warnen. Wir sehen ihn von der einen Seite im PufeyismuS zum Katholizismus zurückkehren, von der andern im Altlutherthum sich ängstlich an das Wort der ersten Reformatoren anklammern, endlich von der dritten Seite in Bauer, Feuerbach ff. geradezu in's Nichts sich auflosen. Anderes könnte im Judenthume auf diese Weise auch nicht geschehen, nur mit dem einen Unterschiede, daß Alles schneller ginge, weil die Unterlage in der bürgerlichen Welt fehlt, ja die bürgerliche Welt im Gegentheil die Auflösung nur beförderte. Was im Protestantismus drei Jahrhunderte bedurfte, wird im Judenthume nicht drei Jahrzehende brauchen. Es ist dies sehr klar. Wenn Leute, die den Sabbat nicht halten, des Verföhnuugstages spotten, des Peßachs langst vergessen haben, den ganzen Gottesdienst über die Schulter ansehen, die Offenbarungslehre belächeln, die ganze historische Entwickelung des Judenthums wie eine morsche Brücke abbrechen, weun solche Leute sich zu Lehrern des Judenthums aufwerfen, und ihre geistige Impotenz zu einer Potenz erheben wollen: was bleibt denn da noch übrig? Die Zehn- Worte. Bewahre! Das vierte Gebot, der Sabbat, wird ausgestrichen. Das zweite Gebot, die Götzenbilder, ist überflüssig, denn wenn sie nicht zufällig Kunstvergöttrer sind, wird es ihnen nicht einfalleu Bilder für „göttlich" zu erklären. Das fünfte Gebot lehrt ihnen ihr eigen Gefühl. Das sechste, siebente und achte verbietet schon das Kriminalrecht. Das neunte Gebot brauchen sie nicht, denn sie sind ja Wahrheitsforschcr. Das erste Gebot, was sollen sie damit anfangen, denn der Auszug aus Aegypten ist veraltet. Das zehnte allenfalls, die böse Begierde, können sie nicht ganz verleugnen. Und das dritte haben sie freilich als Cherub mit dem Flammenschwerte nöthig. Sind wir uns aber allerdings sehr klar bewußt, wohin Das führen muß: so fragt es sich sehr dringend — wohin sollen wir denn? Wir wollen doch nicht allein die Negation der Negation hören! Die Antwort liegt sehr nahe: wir müssen uns des positiven Gehalts unsrer Religion immer mehr vergewissern. Es ist eine ganz falsche, aber freilich sehr verbreitete Ansicht, das Judenthum sei i» seinem eigentlichen Wesen Monotheismus (Lehre von der Einheit Gottes;) dieser allein sei seine Fahne, fein Zweck, sein Inhalt. Dadurch verflüchtigt sich Alles in die eine Lehre, in den einen Begriff. Der Monotheismus ist das Fundament unsrer Religion; aber so wenig das Fundament das Haus ausmacht, ja zum Zwecke des Hauses, darin zu wohnen, eigentlich beiträgt: so wenig füllt der Monotheismus unsre Religion ganz aus. Die Hauptlehre unsrer Religion (— wie gesagt, die Lehre von der Einheit Gottes ist die Grundlage, auf der sie sich überhaupt erhebt —) ist vielmehr die Um Mittelbarkeit Gottes zum Menschen, die erstens realiter in der Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott, und in dem Einhauchen des göttlichen Odems schon auf der ersten Seite der Schrift vorhanden ist, zweitens die Offenbarung Gottes an den Menschen zur Folge, und drittens

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