Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1843)
- Date
- 1843-08-14
- Page
- Seite 490 (sequence 10)
- Language
- German
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Partei dem Pädagogen nicht ebendie ergiebigste Geldquelle'fei. - Sie W jedvchi eine öffentliche, der Geldzuschuß kömmt daher weder dem- Vorstand, noch den- Lehrern zu gute, welche letztere, so schlecht, sie auch gestellt sein mögen ,, dochder Mehrzahl nach viel zu sehr Enthusiasten in ihrem Berufe sind, als daß sie an eine Vergrößerung ihres Gehaltes auch nur denken sollten. Wozu sollte man sich also der' Orthodoxie verkauft haben? Dem zeitgemäßen Fortschritte, dem rein nationalem Elemente in der Erziehung ohne weitere - Bevorzugung einer bestimmten religiösen Partei,- der will man sich verkaufen; — das ist das Wahre an der Sache. Aber wie kann eine aus religiös indifferenten Männern zusammengesetzte Direktion die Orthodoxie befördernwollen? Ist das nicht Heuchelei? Jedenfalls keine größere, als wennsie sich bloß für Ertheilung einer noch so modernen Religionslehre intereffirte, da sie selbst es weder mit der alten, noch mit der neuen hält. Von Heuchelei kann hier ohnedies nicht die Rede sein, da ein Schulvorstand nicht seine eigenen religiösen Überzeugungen geltend zu machen, sondern die der ihm sich anvertrauenden Gesammtheit zu achten und für einen denselben entsprechendem Unterricht zu sorgen hat. Zu einem Beschlüsse über eine Veränderung in den religiösen Verhältnissen der Schute ist es noch nicht gekommen. Vor jeder festen Entscheidung hat man daher erst zu warten , welche Ansicht in der Direktion obsiegen wird. Das ist jedoch schon jetzt entschieden, daß die Schule nicht einseitig und engherzig genug ist, um-nicht ihrem Hauptzwecke, der nationalen Erziehung ihrer Jugend, ihre übrigen Einrichtungen unterzuordnen Dahin wären also die verschiedenen Ansichten des Publikums zu berichtigen, und es wäre Thorheit und Undankbarkeit zugleich gegen die bisherigen Leistungen der Anstalt, wenn man vonihrer Verwaltung eine andre Rücksichtals die auf den idealen Vortheil der Gemeinde erwarten wollte. Nur das Eine befürchten auch wir> daß grade in diesem Augenblick der-Entscheidung eine zu extreme Maßregel nach der einen, oder andern Seite hin von einigen Mitgliedern der Verwaltung erstrebt wird', und dadurch ein wahrhafter Gewinn für die Erziehung der jüdischen Jugend in unserer großen Gemeinde uns verkümmert werden könnte. Soll in der That das oben, von uns Angedeutete erreicht--werdenfow fiamlich für die Schule das nationale Element das Wesentliche sein, in . Rücksicht aus dem Glaubenaber vollständige Gewissensfreiheit herrschen,, fb« müßte mit Rücksicht aus die vorliegenden Verhältnisse- Folgendes geschehene 1)-Die Schuldirektion müßte sich die gesetzlich ihr zustehende Selbstständigkeit dem 'Gemeindevorstand gegenüber vollständig bewahren, da nur unterihrer alleinigen Verwaltung die Schule so rein volksthümlich bleiben wird. 2) Beide religiöse Richtungen müßten in der Schule auf gleiche Weise berücksichtigt, und es jedem Vater eines Schülers sreigestellt werden, (wie dies bisher den bezahlenden Eltern erlaubt war) darüber zu bestimmen, ob seine Kinder am hebräischen Unterricht überhaupt, und wenn, an eineman welchem Theil nehmen sollen. 3). Dev zu wählende neue Lehrer für die Bibelerklärung müßte einerseits aufrichtig und entschieden orthodox sein, da dem Rechtgläubigen sonst die erforderlichen Garantien fehlen, andererseits dürste derselbe aber weder in Sprache noch in Sitten und Gesinnungen etwas Antinationales haben, da er sonst der Haupttendenz der Schule entgegen arbeiten würde. Also Glück auf! Hoffen wir, daß die Direktion den ihr von Volksthümlichkeit und Toleranz bezeichneten Weg einfchlagen werde; dann wird di« Schule doppelt, schön erblühen und ihre Wirksamkeit noch weiter ausdehnen. Sie wird dann bald doppelt so vielen künftigen Gemeindemitgliedern eine deutsche Erziehung geben, oder, was für das Resultat ganz dasselbe ist, unsre andern jüdischen Schulenzwingen, dieselbe nationale Richtung einzuschlagen Dann wird wahrhaft gut für unsre Jugend gesorgt sein und man wird sehr bald finden, daß die alte und die neue Form des Glaubens sich gleich gut mit der anzustrebenden Volksthümlichkeit vertrage: ° Preuße«. Magdeburg, 7. August. (Privatmitth.) Es war ein eigenthümliches Zusammentreffen, daß das Jubelfest des tausendjährigen Bestandes Deutschlands auf den Tag der Zerstörung Jerusalem's fiel. Wir vereinigten in unserer Synagoge beide Feierlichkeiten auf die angemessenste Weift- und-sprach sich die Predigt insbesondere über die, durchaus zu keinem Zwiespalteführende Vereinigung der religiösen Treue