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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-14 · Heft 33 (14.8.1843) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 33 (14.8.1843)
Date
1843-08-14
Page
Seite 489 (sequence 9)
Language
German
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480 der Freischule aus, — so daß sie, wenn sie die Anstalt verlassen, leicht ein gutes Unterkommen finden, — ist die Schule selbst in sich erstarkt, müssen endlich die übrigen jüdischen Schulen Hamburgs nach und nach zusammenschmelzen und eingehn, während sie allein sich so weit vergrößert, daß sie jetzt keine neuen Schüler mehr aufnehmen kann. Ein Element ist jedoch noch aus älterer Zeit in ihr geblieben, welches ihr bittre Feindschaft erhält, und welches die Eltern ihrer Zöglinge fast sämmtlich mit Schmerz, wenn nicht gar mit Unmuth erfüllt, nämlich ihre mehrmals rationalistische Richtung, die wenn sie unumwunden, ausgesprochen würde, mit jeder geoffenbarten Religion im Widerspruch erscheinen müßte. Früher glaubte der Vorstand der Schule, und zwar für die damalige Zeit vielleicht mit einigem Recht/ daß dies negirende Element allein im Stande sei, eine echt deutsche. Bildung unter den Juden zu befördern; dann hielt man wenigstens dafür, daß die Kultur nur mit dem. modernen Glauben verträglich sei.. Aber die Erfahrung hat uns gezeigt, daß in der Gegenwart die-religiöse und die nationale Richtung vollständig unabhängig von einander sind, oder wenigstens sein können, daß sich das Häßliche der altjüdischen Besonderheiten auch mit der Neologie, eine volösthümliche Bildung hingegen auch mit der Orthodoxie vertrage. An der israelitischen Freischule kann man in dieser Hinsicht speziell die Bemerkung machen, wie sie als volksthümliche Unterrichtsanstalt allgemeine Anerkennung findet und sich dadurch nicht wegen, sondern trotz ihrer Neologie, fortwährend hebt. Denn -Hihrer jetzigen Schüler sind Söhne von entschieden orthodoxen Eltern, welche ihre Kinder-gern das Volksthümliche der Schule genießen lassen wollen, sich gegen deren religiöse Bestrebungen aber so gut, als möglich zu schützen suchen. Eine ähnliche Ueberlegung ist wol seit einiger Zeit auch inmitten der jetzigen trefflichen Direktion der Schule entstanden und hat eben an den moralisch und intellektuell begabtesten Mitgliedern dieses Vorstandes warme- Vertreter gefunden. Dieselben wollen, um der nationalen Erziehung eine größere Wirksamkeit und einen weiteren Kreis zu verschaffen , die mit der Volkstümlichkeit durchaus nicht zusammenhängende. religiöse Parteisache der Schule aufgegeben wissen. Im Interesse der Armen und der minder Begüterten, welche ihre Kinder in die Freischule schicken, wollen sie von dieser, daß sie keinerlei Gewissenszwang ausübe, daß es daher jedem Vater frei stehen solle, sein Kind von dem hebräischen Unterricht der Schule, wie er bisher gegeben wurde, dispensiren zu. lassen, daß endlich auch eine vom orthodoxen Standpunkt ausgehende Bibelerklärung für das Bedürfniß der Altgläubigen in der Schule.statt.finde. So ungefähr, stand wol die Sache in der. Direktion, als der Gemeindevorstand sich endlich zu einer, wenn auch anerkennungswerthen, doch für unsre reiche Stadt keineswegs bedeutenden Zulage von 800 Mark verstand, daran aber die Bedingung knüpfte, daß künftighin mehr hebräischer Unterricht, und zwar von einem orthodoxen Lehrer zu ertheilen sei. Dies mochte den erwähnten Mitgliedern der Direktion wol grade zur rechten Zeit gekommen sein; sie fragten nicht erst viel nach den Gründen, welche den Gemeindevorstand zu dieser Bedingung bewogen hatten, sondern benutzten, dieselbe in ihrem Sinne und halten dafür, daß sie wirklich erfüllt werden solle, und der Schule auf diesem Wege einen bei weitem größeren Vortheil, als den vermehrter Einnahmen zuzuwenden. Sie berücksichtigen dabei: I) die vorhandenen Schüler, die unterrichtet und gebildet, aber keineswegs einer neuern Weise des Glaubens zugeführt werden sollen, wenn die Gesinnung der Eltern dagegen ist, 2) die Zukunft der Schule. Dies? ist erst vor acht Wochen so umgestaltet worden , daß sie bei nächster Gelegenheit, wenn ihre Geldmittel sich vermehrt haben werden, noch Parallelklassen zu den untern einrichten und dann eine fast doppelte Schülerzahl (also ungefähr 400) fassen könne, die dann alle für das nationale Leben gewonnen waren. Zu dieser Zahl bringt, die Schule es jedoch nie, wenn sie nicht ihre religiöse Besonderheit aufgiebt. Das volksthümliche Element ist das Wesentliche der Freischule, dem sie alles Andre unterordnen muß, und sie wird ihrem Prinzip erst dann in unsrer Gemeinde den Weg -verschafft haben, wenn sie die erwähnte Ausdehnung erreicht. .. . Die Schule sollte sich 'für 800 Mark jährlichen Zuschuß der Orthodoxie verkauft haben? Welche.Unkenntniß.der Verhältnisse! .Gesetzt, die Schule wäre eine Privatanstalt, so würde sie, wenn auch nur an Einem Beispiel, welches uns eine solche hier neulich gab, hinreichend gelernt haben, daß die altgläubige 33»

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