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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-14 · Heft 33 (14.8.1843) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 33 (14.8.1843)
Date
1843-08-14
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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488 daß durch Milde Und Nachsicht eine Sinnesänderung eine Besserung der Ansicht und Meinung herbeigefuhrt werden kann, nicht nach dem strengen Rechte verfahren, sondern im Geiste der Belehrung und Liebe auf die betreffenden Personen zu wirken suchen. 'Tie Leute übrigens kokettiren viel zu viel mit „Barbarei," „Humanität," „Vaterliebe." Allerdings muß die Beschneidung keine Gefahr bringen, sie muß nur geprüften, möglichst ärztlichen Händen überlassen werden, sie muß alle die Möglichkeit der Gefahr herbeisiihrenden Momente entfernen — wir verweisen. auf die Schrift^ vo.n Terquem, die binnen Kurzem in deutscher-Uebersetzung erscheinen wird — alleij^eine Zeremonie, die bereits drei Jahrtausende gewährt hat, nun mit einem Male als Barbarei zurückzuweisen, ist ein gewaltiger Sprung. Unsere Väter waren auch Vaters. *) Wir wollen hier nur als ein Analoges Folgendes anführen. Aus den VerH^k^en dkH.sächs. Hemmern * bringt die D? A. Z^Beils^No/ 118 fvom 27. .Iulf):, „Bei der Berathung m)er W Straf- und Versorgungs-' anstalten in der I. Klammer bringt Minister v. Lindenau eine die Blindenanstalt betreffende Angelegenheit zur Sprache. Nach den bei der Dresdner Blindenanstalt ge. machten Erfahrungen sind nämlich von 192 im Laufe der letzten zehn Jahre eingelieferten Blinden 94 dadurch erblindet, daß sie als neugeborne Kinder Augenentzündung bekamen, die eine Folge von frühzeitiger Taufe in der Kirche war, wobei die Kinder entweder erkältet, oder ihre Augen zu bald dem Lichte ausgesctzt wurden. Der Sprecher drückte dabei den Wunsch aus, daß die Vorstände der Geistlichkeit dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit schenken möchten. Bürgermeister Gottschald schlägt eine Weisung an die Hebammen vor, und v. Posern bringt eine Verordnung in Erinnerung, der zufolge die Taufe innerhalb acht Tagen stattfinden soll, es sei denn, daß die Woche Aufschub mit 1 Thlr. bezahlt werde." Redakt. Zeitriirgsnachrichte». Deutschland. Hamburg, im August. (Privatmitth.)') Seit einigen Tagen verbreitet sich in unsrer Gemeinde das in der That überraschende Gerücht, daß die *) Nicht von unserm gewöhnlichen Korrespondenten. Redakt. israelitische Freischule in ihrem religiösen Verhalten eine Aenderung vornehmen und sich mehr, dem orthodoxen Standpunkt nähern werde. Es! haben sich in Folge dieses Gerüchtes die verschiedenstem .Auffassungsweisen bemerklich gemacht, und die Ürtheile sind bereits nicht ohne Leidenschaftlichkeit geblieben. Während mancher Altgläubige. schon die vollständige Bekehrung „der Ketzer" hoffnungsvoll voraussieht, schüttelt mancher andere argwöhnisch den Kopf, als wenn „die Reue" nicht so aufrichtig gemeint wäre, und bloß eine Lockspeise für die Unerfahrenen sein solle. Vbn der Partei des neuen Kultus hingegen haben sich Einzelne sogar zu härteren.Verdächtigungen Hinreißen lassen, und' Oi.r haben hie und da erzählen hören,- die Schule habe.sich für 800 Mark jährlichen -Zuschuß von Seiten des Gemeindevorstandes der orthodoxen Partei.so zu sagen verkaust? Was ist WaDs an der.Sache^ Vield Hiesige ,mnd Auswärtige nehmen an der Schule wegen des trefflichen Beispiels, welches sie durch ihre Regsamkeit unfern deutschen Glaubensbrüdern weit und breit.hin gab und giebt ein wohl begründetes Interesse, wie sollen diese Freunde der Schule wie das Publikum über die vorzunehmende Aenderung urtheilen? Welches Prinzip zeigt sich in dieser, oder welches sollte sich in ihr zeigen? Dies ist es, was wir zum Frommen der guten Sache aus reinem Interesse an der Volksbildung der Juden überhaupt und an der in Rede stehenden Anstalt insbesondere mit wenigen, aber freien Worten hier mitzutheilen uns erlauben. Die jetzt seit 27 Jahren bestehende Freischule hat für die Erziehung israelitischer Knaben vom Anfang an eine neuere, bessere Richtung verfolgt, welche sich jetzt nach längerer. Entwicklung und Erstarkung immer entschiedener, als eine echt deutsche, rein nationale herausstellt. Mit diesem innern Fortschritt der Schule zur gestern Erkenntniß ihres volksthümlichen Zweckes und zur bessern Anwendung der hiezu geeigneten Mittel sind auch die Erfolge immer bedeutender geworden und werden auch moch fernerhin auf gleiche Weise wachsen, wenn die Schule in ihrer Tendenz fest beharrt. Durch Sinn für Ordnung,, für Gründlichkeit des Wissens, durch Achtung vor den höherm Bestrebungen des Geistes, sogar durch äußere Haltung, in welcher sich eine gewisse Freiheit offenbart, zeichnen sich die reifen Schüler

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