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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-14 · Heft 33 (14.8.1843) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 33 (14.8.1843)
Date
1843-08-14
Page
Seite 485 (sequence 5)
Language
German
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485 Kampf zu beginnen, der, so wie er mit anderen Waffen, als mit Gründen geführt wird, von den verderblichsten folgen begleitet sein muß. Wenn die leider in den Zeitungen verbreitete Thatsache von einem finanziellen Zwange, welcher .in Frankfurt am Main zu Gunsten der Beschneidung versucht worden sei, gegründet ist, so scheint es freilich, als wenn das Vertrauen, daß ich in die Einsicht der Orthodoxen setze, zu groß ist; doch hoffe ich noch immer, daß sie wenigstens nach einiger Ueberlegung begreifen wird, wie eine solche Brutalität nur dazu dienen kann, ihre Sache zugleich lächerlich, verhaßt und verächtlich zu machen. " Aber eine himmelweit von der so eben behandelten Frage der individuellen Freiheit verschiedene und eine viel schwierigere und zweifelhaftere Frage ist die, ob denn ein Verein,'welcher die Unterlassung der Beschneidung zu seinen Grundsätzen zählte, noch eine Wurzel im Judenthume haben und ob er vollends auf dessel? Reform und künftige Gestaltung noch irgend einen Einfluß würde üben können. Diese Frage hat die Theologie zu beantworten, und wenn sie dieselbe einstimmig verneinte, so würden die Mitglieder eines solchen Vereins, in so fern sie Ln ihrer individuellen Freiheit unangefochten blieben, sich darüber nicht zu beklagen haben. Es ist ein Wiederspruch, sich erst auf den Standpunkt der Freiheit zu stellen und diejenigen Handlungen, die eben für das persönliche Bewußtsein bedeutungslos geworden sind, zu unterlassen und dann wieder die Anerkennung, daß man einer bestimmten Glaubensgemeinschaft ängehöre, sich um keinen Preis rauben lassen zu wollen. Ich für mein Theil werde es, selbst ganz abgesehen von dem Punkte der Beschneidung, Keinem vereiteln, wenn er, seiner Ansicht vom Zudenthum treu, uns, die wir seit Jahren die gesammten Zeremonial-Eesetze, und zwar nicht bloß unter der Hand, wie man etwas Verbotenes thut, sondern offen und entschieden, weil sie unserem Bewußtsein und unserer Empfindung fremd geworden sind, nicht mehr beobachten, nicht für Juden hält. Es mag sein, daß diese Auffassung auch vom Standpunkte des Judenthums falsch ist; aber darüber hat die Theorie des JudenthumS, nicht wir, zu entscheiden. Es versteht sich hiebei nach der ganzen Natur der religiösen Verhältnisse der Gegenwart von selbst, daß jene unsere Ausschließung, aus dem Judenthume sich lediglich auf dem Gebiete, der Meinung, die ja eine völlig freie ist,, zu halten hat und auf keine, die Freiheit der entgegengesetzten Meinung beeinträchtigende Weise zur That werden darf. Wagte man den unklugen Versuch, uns durch einen der Punkte, in. welchen das bürgerliche Leben noch mit-dem religiösenzusammenhängt, iu's Gedränge zu bringen und irgend eine Art von Bannrecht an uns, zu üben, so würde man dadurch augenblicklich eine Krisis . herbeiführen, in der. das Prinzip der Freiheit sicher nicht das schließlich unterliegende sein, würde. Abgesehen von solchen Maßregeln, zu deren Ergreifung man wol Lu klug sein wird, muß sich die Meinung darüber, ob wir noch als Juden zu betrachten seien oder nicht, wenn sie Verlangen darnach trägt, frei und ungehindert aussprechen dürfen. Dieser Punkt berührt ziemlich nahe eine der wesentlichsten Differenzen, die zwischen mir und Denen, von welchen die. im Eingänge erwähnten Mittheilungen ausgingen, obwalten, und die, wie gesagt, noch völlig ungelöst sind. Mir schien es nämlich, daß eine Erklärung, wie die projektirte, auch in ihrer gemäßigteren, die Beschneiduttg schonenden Fassung, durchaus ungeeignet sei, innerhalb des Judenthums eine reformirende Wirkung zu üben, daß überhaupt die geistigen, Elemente, aus denen jene Erklärung hervorgehe, zu einer solchen Wirkung unfähig seien. Ich glaube vielmehr aunehmen zu müssen, daß gerade die Männer, welche ,um die praktische Reform des Judenthums das größte Verdienst haben, die neue Richtung aus begreiflichen Gründen am nachdrücklichsten und lebhaftesten zurückweisen würden. Ich konnte daher meinerseits in einer solchen Erklärung nur einen Akt persönlicher Selbstständigkeit, die Losung eines Problems der Freiheit erblicken, bei welcher es denn vorerst gar nicht darauf ankommen würde, ob man mit dem Ausspruch seiner vollen und festen Ueberzeugung außerhalb oder innerhalb des Judenthums stehe. Aus diesem Grunde hielt ich gerade eine Erklärung gegen die Beschneidung für das Wesentlichste, weit man sich eben auf diesem Punkte einem mindestens von vielen Seiten behaupteten, durchaus unzulässigen und unwürdigen Zwang gegenüber befindet und das Prinzip der Freiheit daher hier vor Allem gewahrt werden muß. Aber dieser meiner Ansicht von der Sache wurde der entschiedenste, von ernsten Gründen, dich mich freilich nicht überzeugen konnten, unterstützte Widerspruch entgegengesetzt; man wollte keineswegs für ein bloßes Rechtsprinzip streiten, sondern das Judenthum reformiren; und deßhalb wollte auch die Mehrheit auf einen Widerspruch gegen die Beschneidung, welcher der Sache in ihrer Wirksamkeit allzusehr schaden würde, .nicht eingehen. So stand die Sache im Februar; wie sie sich jetzt in Wirklichkeit gestaltet hat, darüber wird sich das Publikum so.wenig wie ich aus allen den konfusen, widersprechenden und

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