Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1843)
- Date
- 1843-08-07
- Page
- Seite 477 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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477 hehle sich keineswegs die Schwierigkeiten, die sich der Ausführung dieses Planes entgegenstellen, jedoch aber hege er die Hoffnung, daß das gewünschte Ziel erstrebt werden wird. Nach dieser väterlichen, ich möchte fast sagen freundschaftlichen Anrede, versammelten sich sammtliche Anwesende im Bethause, welches auch die hohen Gäste mit ihrer Gegenwart beehrten. Hier wurde ein Gottesdienst mit Chor- und Melodikonbegleitung abgehalten; der überaus schöne und feierliche Vortrag des neu engagirten, vom gefeierten S. Sulzer in Wien ausgebildeten und uns von demselben empfohlenen Kantors, des Herrn Leon Sternberger aus Baiern, so wie die Chorleitung und das Akkompagnement des Gesanglehrers Herrn Gukel trugen wie gewöhnlich vortrefflich bei, den Gottesdienst ansprechend, erbaulich und erhaben zu machen; vor dem Schlüße hielt der Dr. Goldschmidt eine passende Predigt, in welcher er der Tendenz seines Berufes gemäß die Nothwendigkeit der Bildung der israelitischen Jugend als unabweisbares Unterricht 221 Schüler, worunter einige fünfzig Kinder der angesehensten Familien und solcher, die bis hieher. auf Ahnenstolz und rabbinische Verschwägerung zu pochen pflegten. Wie viele Anfeindungen und Verleumdungen hatte diese Schule Seitens der Rabbiner, der Frömmler, der Scheelsüchtigen, der Eigenliebe und der Eifersucht zu bekämpfen? Wie viele Ränke wurden geschmiedet und Jntriguen in Bewegung gesetzt um diesem Institute Todesstöße zuzusetzen? Haben diese Schwierigkeiten etwa Rabbiner beschwichtigt? mit Richten, sondern umsichtige Behandlung des Gegenstandes, Ausdauer, Beharrlichkeit und Einsicht überwanden diese Hindernisse und die Rabbinerschule blüht zum Tröste und Heile der Juden und tragt die schönsten Früchte ohne Ruhmredigkeit, ohne Prahlerei und Zustimmung der Rabbiner. Gilt doch auch hier das baniöi pbN Nb rs, hat doch das Kaiserreich auch und überhaupt dessen südwestliche Provinzen sich gebildeter Israeliten zu rühmen, die gerne ihre Fähigkeiten und bereitwillige Mitwirkung dem Gemeinwohl nicht versagen möchten; solchen Beistand und reifen Rath erfahrener Fachmänner sollte der vr. Lilienthal in Anwendung bringen und geltend machen und diese würden gewiß das gewünschte Ziel schneller und sicherer herbeiführen als jene erzwungene Zustimmung der berathenden mittelalterlichen Rabbiner. —*) Anm. des Korresp. ') Wir haben diese Anmerkung des Korrespondenten vom Standpunkte der Unparteilichkeit aus nicht zurückweisen können. Redakt. Bedürfniß der Zeit aus den jüdischen Urkunden darzuthun sich bestrebte, mit der Hinweisung auf die unumstößliche Wahrheit, daß Israels Erleuchtung, und namentlich die seiner Jugend durchaus nur aus seiner Schule, aus seiner heiligen Religion, aus der Religion seiner Ahnen frisch und lebendig hervorgehen muß und hierin erinnerte er an den bekannten Ausspruch eines der berühmtesten Pädagogen: daß Elementarschulen durchaus konfessioneller Natur sein müssen, führte das Thema mit der ihm eigenthümlichen Beredtsamkeit durch und endigte mit der Darlegung des herzlichsten und innigst gefühlten Dankes Sr. hohen Exzellenz dem Minister Uwaroff für dessen väterliche Sorgfalt um das heilsame Werk der Aufklärung der Juden und fiehete im Namen der Menschlichkeit um ausdauernde Beharrlichkeit in der Vollziehung dieses großartigen und seiner würdigen Planes; das Ganze beschloß die bekannte Hymne „Gott erhalte den Kaiser." — Der Minister schenkte dem Gottesdienste seine ganze Aufmerksamkeit, beliebte im Bethause das Bekenntniß einzugestehen, daß die Grundidee der Predigt ganz mit dem Wunsche unseres mächtigen Kaisers zusammenlaufe, der sich die Aufgabe gestellt, die Israeliten durchaus israelitisch zu bilden, fügte die beruhigende Warnung hinzu, daß man ja kein Mißtrauen zu hegen und den reinsten Absichten eine religiöse Propaganda zu unterlegen wage; gab abermals seine vollkommene Zufriedenheit zu erkennen mit allem, was er in diesem Institute wahrgenommen hatte und ermahnte, da wir bereits auf diesem Gebiete den Vorsprung gewonnen haben, daß wir auch fernerhin unaufhaltsam zum Vorbilde für die andern fortschreiten, den Zurückgebliebenen mit Rath und That beistehen und bte. von ihm öffentlich genug ausgesprochene Gesinnung des Kaisers unfern Glaubensbrüdern mittheilen mögen. — ' Mit einem von froher Hoffnung und tiefster Dankbarkeit überströmenden Herzen diesem Wunsche entgegenkommend, thuen wir es unfern Brüdern von nah und fern kund; mögen diese hochherzigen Worte unseres allbekannten Ministers in alle Herzen unserer Glaubens- und Landesbrüder Eingang finden, in ihnen Sinn und Wunsch für Erleuchtung wecken, sie über ihre jetzige Lage und über die Art der Möglichkeit, solche zu verbessern, aufkla-