Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1843)
- Date
- 1843-08-07
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225314--05415-3236067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
476 scheu Lehrer, die einzigen Israeliten Baicrns auch, welchen ein. Brosamchen aus Staatsmitteln zufällt/ könnten wol mit ihrer Stellung zufrieden sein, müßten sie nicht mit Schmerz auf ihre eignen Kinder und auf alle diejenigen ihrer Glaubensbrüder blicken, welche unter dem Druck der Ausnahmsgesetze leiden ohne Aussicht auf Besserwerden. Kr. Aus dem Mecklemburgischen, im Juli. (Privatmitth.) Der beste Beweis, daß die bereits in alle Synagogen Mecklemburgs eingeführte Synagogenordnung von vielen Seiten mit enthusiastischer Freude ausgenommen worden, ist, daß mehrere Gemeinden für die Allerhöchste Genehmigung Dankadressen an den Großherzog eingereicht haben. * Rußland und Polen. Warschau, 20. Juli. (Privatmitth.) Vergangenen Freitag, den 11. c., wurde die Rabbinerschule von dem hier durchreisenden kaiserlich-russischen Minister der Volksaufklärung, Sr. hohen Exzellenz Uwaroff in Begleitung Sr. Exzellenz des General-Kurators und des Staatsrathes Vizekurators des Warschauer Lehrbezirks mit einem mehrstündigen Besuche in der Nachmittagszeit beehrt. Der Minister prüfte mit Sorgfalt die Fortschritte der Schüler, wie überhaupt den Standpunkt der Bildung, den dieselben in diesem segensreichen Institute zu ersteigen im Stande sind; die Antworten der Zöglinge sielen so günstig aus, daß der Minister seine vollkommene Zufriedenheit in unzweideutigen Ausdrücken äußerte, mit der Bemerkung, daß er mit Vergnügen in jeder höhern Klasse augenscheinlich höhern Fortschritt wahrgenommen habe. Wir erstaunten über die Kenntniß der Bibel und der Interpretation der Versionen, die Seine hohe Exzellenz bei der Prüfung der Schüler im Hebräischen durchblicken ließ; mit inniger Freude vernahmen wir dessen Ermunterungen zur sorgfältigen Pflege der hebräischen Sprache, für die er besondere Vorliebe zu haben scheint. Es würden dann diejenigen Schüler vorgestellt, die bereits die Schule verlassen haben, so wie der hiesige Rabbiner und der Vorstand der Elementarschulen, zu welchem unter andern auch der Direktor Eisenbaum und der Dr. Goldschmidt als thatige Mitglieder gehören. Seine hohe Exzellenz der Minister warso gütig hier den Anwesenden unumwunden und umständlich auseinander zu setzen, daß der Wunsch Sr. Majestät des Kaisers so wie sein eigener einzig und allein ist, eine wahre, auf reiner Religion basirte Bildung unter den Kindern Israels verbreitet zu sehen; daß der Gedanke an Religionshaß längst verschollen; daß in einem so aufgeklärten Jahrhundert, ähnliche aus religiöser Gehässigkeit entspringende Gesinnungen im Schooße der Negierung gewiß nicht mehr aufkeimen können; daß der Grund der bisherigen mißlichen Stellung der Juden in den russischen Staaten nicht in der Verschiedenheit des Glaubensbekenntnisses sondern in der Verschiedenheit des Kulturzustandes zu suchen ist; es beschäftige jetzt nicht mehr die Geister eine Neligions-, sondern eine Zivilisationsfrage; daß demnach nur wahrhaft aufgeklärte und aufklärende Bildung diesen Uebeln steuern kann und daß zur Erzielung dieses Entschlusses in St. Petersburg ein Komitv niedergesetzt worden ist um den zweckmäßigsten Plan zu solchen Bildungsanstalten zu entwerfen*); er selbst ver- *) Wird dieses Komitv, in welchem die Majorität aus heterodoxen Rabbinern besteht, diesen humanen Anforderungen entsprechen? Diese Frage wage ich nicht zu lösen; die Zukunft wird cs zeigen; doch kann ich mich der Verwunderung nicht erwehren, daß Seine Ehrwücden der Rabbiner Dr. Lilienthal, dem diese heilige und ehrenvolle Mission übertragen worden ist, sich nicht in diesem Betreff mit erleuchteten Männern vom Fache in Verbindung setzte, die auf diesem Gebiete einige Erfahrung gemacht haben und Lokalkenntniffe besitzen? Warum ließ er ungebildete Rabbiner zur Aufnahme in's Konnte empfehlen und genehmigen? Werden diese sich zu der hohen Gesinnung des Monarchen hinneigen? und falls man bei ihnen die Zustimmung auswirkt, wird der ungebildete Haufe ihrem Machtspruche Gehör geben? leider muß diese Frage eher verneinend beantwortet werden; denn bei erfolgter Einwilligung ihrerseits, wird ganz gewiß der Nimbus ihres bis jetzt genossenen, wenn auch noch so hoch gestiegenen Ansehens fallen, sie werden verketzert werden und ihr Ausspruch kann am Ende der heiligen Sache mehr Schaden als Nutzen bringen. Schwebten doch auch bei uns vor sechzehn Jahren dieselben Schwierigkeiten vor, diese schwanden aber allmalkg und jetzt wird es immer heller und heller unter unserer Jugend. Vierzehn war die Zahl der Schüler bei Eröffnung der Rabbinerschule; seit zehn Jahren zahlte sie noch niemals weniger als 150 und jetzt genießen da den