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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-07 · Heft 32 (7.8.1843) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 32 (7.8.1843)
Date
1843-08-07
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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475 Aus Mittelfranken, 20. Juli. (Privatmitth.) Meine in No. 18 dieser Zeit, mitgetheilte Nachricht bezüglich des Aussprechens sür beschranktes Schreiben am Sabbat Seitens unsrer Kreissynode im I. 1836 hat vor der hyper-orthodoxen Partei lebhaften Widerspruch gefunden, ohne daß man jedoch meinem Vorschlag, öffentlich zu widersprechen, nachzukommen wagt. Die Herren von heute möchten gern die Konzessionen vergessen machen, welche sie dazumal der Zeitrichtung gemacht haben und glauben heute das wegdisputiren zu können, was damals aktenmäßig und vor hundert Zeugen verhandelt worden ist. Zur Bekräftigung meiner Angabe sowol, als auch weil über diesen wichtigen Gegenstand Spezielles nicht zur Oeffentlichkeit gelangt ist, theile ich untanstehend die Abstimmungs-Resultate aus meinen mit Gewissenhaftigkeit und Vollständigkeit ausgezeichneten Notizen in der Ueberzeugung mit, daß alle diejenigen Mitglieder, welche den desfallsigen Verhandlungen mit klarem Bewußtsein aufmerksam gefolgt sind, sie richtig finden werden *). — *) Sitzung am 24sten Nachmittag. Nachdem ein Referat erstattet und manches Wichtige für und wider vorgebracht worden war, erfolgt die Abstimmung in nachfolgender Weise:*) I. Besteht ein Verbot des Schreibens am Sabbat? Einstimmig ja. II. Können Dispensationen Statt finden? Desgleichen. NI. Dispensirt der freiwillige Eintritt in den vaterländischen Militärdienst? Verneint mit 61 gegen 41 Stimmen. IV. Ist dem israelit. Jüngling Dispens gestattet, wenn er durch das Gesetz zum Militärdienst berufen ist? Einstimmig ja. V. Ist dem Israeliten Dispens ertheilt, wenn er im Staatsdienst ist? Verneint mit 63 gegen 39. VI. Ist Dispens ertheilt, wenn der Israelit von der Staatscegierung oder durch ein Gesetz ($. 25. zu einem Gemeindeamt), zur Annahme eines Amtes berufen ist? Einstimmig bejahet. VII. Ist den Aerzten das Schreiben am Sabbat erlaubt? Bejahet mit 102 gegen 3 Stimmen. *) Die kleine Differenz in der Gesammtstimmenzahl rührt vom Zu- und Abgehen einzelner Abgeordneten her. Mit der Verwerfung des famosen, schwabacher Lehrplans von der allerhöchsten Stelle hat es seine Richtigkeit und hat man dies erfreuliche Ergebniß vornehmlich dem Gutachten dreier Rabbiner: der Herren Grünbaum in Ansbach, Dr. Löwi in Fürth und Neckersulmer in Schnaittach zu verdanken. — Die Angelegenheit des Rabbiners Dr. Löwy in Fürth soll gut stehen und siehet man einer erwünschten allerhöchsten Entschließung entgegen. Als ein gutes Omen siehet man die Wiedervornahme der verpönt gewesenen öffentlichen Konfirmation am letzten Wochenfest an. — Hinsichts des Avancement jüdischer Landwehrmänner zu Offiziersstellen soll in neuester Zeit eine beschränkende Verfügung ergangen sein. Wir sind vergleichen ziemlich gewöhnt und können nichts thun als dulden und schweigen. — Es ist in diesen Blättern schon mehrmals auf die Geordnetheit des Würtemberg'schen Synagogenwesens in Vergleich zu unserm Lande hingewiesen worden. Referent kann dies aus früherer und neuester Anschauung nur bestätigen und muß dies namentlich auch von der würdigen kirchlichen Stellung der Lehrer den Gemeinden gegenüber gerühmt werden. Nur dadurch wird der gleichmäßige Vollzug kirchlicher reformatorischer Anordnungen allenthalben gesichert, und spräche nicht schon' das natürliche Sachverhältniß dafür, das Schicksal - unsrer Synagogenordnung, in welcher den Lehrern aus hämischem Neid eine so erbärmliche Stellung gegeben ward, würde es sattsam beweisen; sie würde wenigstens allenthalben vollzogen werden. Gleichwol würde kein baierscher Lehrer mit einem würtembergschen tauschen wollen: den gesammten Religions- und Elementarunterricht, das Vorsängeramt tagtäglich, jeden Sabbat predigen und Kinderlehren halten, sämmtliche Gemeindeangelegenheiten mit eigner Verantwortung führen und vor den Gerichten vertreten und noch mehr dergleichen. Das ist wol zu viel für die Kräfte eines Mannes. So hat jede Sache ihre gute und schlimme Seite und die baier- VIII. Ist es den israel. Jünglingen, welche lateinische Schulen und Gymnasien besuchen erlaubt? Verneint mit 96 gegen 9.

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