Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1843)
- Date
- 1843-08-07
- Page
- Seite 473 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225314--05412-3236064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
473 unbeschränkte Bezug aller Gemeindenutzungen und namentlich des Loosholzes verliehen werde." Und hierauf auf die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten im Allgemeinen übergehend, haben beide Supplikanten nachstehende, auch anderwärts beherzigenswerthe Worte zur höchsten Kenntniß Sr. Durchl. gebracht: „Nicht wir unterthanigste Supplikanten allein lassen unsere Wünsche um Verbesserung der Zustände Israels vor den erhabenen Fürstenstuhl Ew. Herzog!. Durchl. gelangen; auch die Israeliten anderer Gemeinden des Herzogthums, hoffen wir, werden gleiche Wünsche und gleiche unterthanigste Bitte vor Ew. Durchlaucht oder Höchstdero Behörden gelangen lassen. Ja, aller Orten der Erde, wo Israel seine Hütten aufgeschlagen, ja über den ganzen Erdenrund ist unter Israels Nachkommen das Streben zur Wiederaufrichtung Israels rege geworden und, begünstigt von der Theilnahme edler Herzen unter allen Nationen, die einstige und endliche Wiederaufrichtung unsers tiefgefallenen Volks so um so zuversichtlicher zu hoffen. Wol ihrer noch Viele vom Saamen Israels bringen durch ihre Gesinnung, durch ihren Wandel keine Ehre ein in Israel. Sie gehören zu denen ihres Volks, die, wenn auch strenge an den Satzungen ihrer Väter haltend, durch den Wucher, dem sie sich ergeben, oder durch andere Bevortheilung ihrer Nebenmenschen, eine Schande ihres Geschlechtes, eine Plage des Landes sind, worin sie geduldet werden. Aber nicht ihnen, die in Verstocktheit wandeln, nicht ihnen bürde man deshalbige Schuld auf. Denn ihre jetzige Verderbtheit ist einzig nur die Folge aller der Ungerechtigkeiten und Verfolgungen, aller der Schmach, mit denen unser Volk Jahrhunderte hindurch von seinen christlichen Mitmenschen überhäuft worden war. Stelle man nur Israels Geschlecht seinen christlichen Mitbürgern in Allem völlig gleich, verleihe man ihm eben die Rechte und Freiheiten, wie diese sie unverkümmert genießen: und eben so treu wie die christlichen Unterthanen werden auch Israels Nachkommen treu in ihren Pflichten gegen den Staat und seinen Fürsten erfunden werden. Und gewiß wird dann Israels Geschlecht auch seine alten Vorurtheile stets mehr aufgeben und in Ausübung edlen Gemeinsinnes und jeglicher bürgerlichen Tugend, wie sie nur von christlichen Staatsbürgern bezeiget werden, sich auszuzeichnen streben. Denn ist nicht jetzt schon in Ew. Durchlaucht Landen die Mehrzahl der Juden durch bürgerliche Lugenden ausgezeichnet, wie sie in eben dem Maße nicht bei den christlichen Unterthanen so allgemein erfunden werden? Sind die Juden nicht fast durchgängig thätig, erwerbsam, sparsam, nüchtern, ihre Eltern ehrend und selbst sogar in vielem Bezug sittlicher, wie nicht so durchgängig die Christen der verschiedenen Konfessionen? Und welches Volk ist unter allen es betroffenen Verfolgungen dem Gesetze seines Gottes mit größerer Treue anhänglich geblieben, als das der Juden? Da aber, wo ein Volk noch solche Vorzüge besitzt, da sollte es der Verbesserung seines bürgerlichen Zustandes jedenfalls nicht länger rfut unreif oder gar für unwürdig erachtet, und, anstatt es von seinem Falle aufzurichten, durch hohe Verfügungen, wie die erwähnte Regiminalverfügung, in seinem abgesonderten Verhältniß noch länger erhalten werden. Und zutrauensvoll hoffen wir daher von Ew. Herzog!. Durchlaucht gnädige Willfahrung unserer untertänigsten Bitte und verharren in tiefster Ehrfurcht." — Eine höchste Entschließung auf diese Eingabe ist zur Zeit noch nicht erfolgt, sie soll aber, gleich wie diese öffentliche Mittheilung, um so mehr zur allgemeinen Kenntniß durch Veröffentlichung in diesem Blatte gebracht werden, als von der anerkannten hochherzigen Gesinnung unsers hoch» verehrten Herzogs nur gnädige Willfahrung der Wünsche Höchstdero israelitischen Landesunterthanen zu erwarten ist. Hamburg, im Juli. (Privatmitth.) Wir sind noch immer in gespannter Erwartung unserer bürgerlichen Zukunft. Die Anzahl derer, die von der Befugniß zum Grundbesitz in den früher verbotenen Theilen der Stadt Gebrauch gemacht haben, ist noch nicht merklich und übersteigt nicht die Zahl derer, die durch den Brand und in Folge desselben expropriirt wurden. Wenn es demnach in mancher Hinsicht wünschenswerth ist, daß die Juden hier nicht wie bisher dicht zusammen hocken, so sind die Früchte der aufgehobenen Beschränkung erst in längerer Zeit zu erwarten. In der früher uns verbotenen Vorstadt St. Pauli (Hamburgerberg) hingegen wohnen bereits viele, angeblich einige sechzig jüdische Familien, welche auch schon eine kleine Synagoge eröffnet haben. Das in derselben Vor- 32 *