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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-07 · Heft 32 (7.8.1843) · p. Seite 467

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 32 (7.8.1843)
Date
1843-08-07
Page
Seite 467 (sequence 3)
Language
German
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467 Ende muß die Offenbarung dem menschlichen Bewußtsein widersprechen, weil sonst nichts Neues offenbart worden wäre, da jenes ursprünglich schon in den Geist gelegt wan Die Offenbarung muß solche Lehren und Gebote enthalten, die diesem Bewußtsein theils fremd sind, theils sogar widersprechen •). Nachdem so die Befugniß zur Kritik und die Notl> Wendigkeit eines Kriteriums festgestellt worden, beantwortet St. in der zweiten Prolusion die Frage: „In welcher Art kann man von einer Offenbarungslehre eine Entwickelung behaupten?" — „Soll von einer Religion der Ausspruch gelten, sie sei eine geoffenbarte, mithin eine, in einem historisch bestimmten Zeitpunkte dem Menschen neu mitgetheilte, und zwar von der Gottheit mitgetheilte: so weiset dieser Ausspruch jede „organischgeschichtliche" Entwickelung von sich ab. Eine eigentliche Offenbarung schließt jede Entwickelung von innen heraus, jedes eigentliche Wachsthum völlig aus, so daß als oberster Grundsatz sich ergiebt, daß sie uranfänglich eine vollendete sei, und so wenig das zulasse, was man in Wissenschaften und Künsten „Geschichte oder Entwickelung" nennt, daß sie eben im Gegentheil alles derartige mit Strenge innerer Abgeschlossenheit von sich weist. Es können allerdings Urkunden.wiederholter Offenbarungen vorhanden sein, allein eine jedwede von ihnen stände für sich als neues Additament, und in keinem genetischen Verhältnisse zum vorangehenden." „Zur Gegensatz hat aber die Offenbarung 'eine Geschichte, eine Entwickelung in Absicht auf die Erkenntniß, auf die Aneignung des Menschen zu derselben, wie weit derselbe nämlich in den Jahren, Jahrhunderten oder Jahrtausenden, seit ihrem gnadenreichen Bestehen, sich in dieselbe hineingelebt, sich und sein Gemüth ihren Lehren und Weisungen angefügt, sie sich assimilirt, oder besser, sich ihr assimilirt hat; wie endlich sein ganzes Fühlen, Denken und Thun im Geiste dieser Lehre in's Leben getreten ist." . *) Hier wird man St. nur entgegensetzen müssen, was übrigens auch die trifft, die das menschliche Bewußtsein zum Kriterium der Offenbarung machen, daß dieses Bewußtsein selbst, wie wir es besitzen, durch die Offenbarung gebildet worden, daß der Einfluß der Offenbarung .seit den drei Jahrtausenden so auf das menschliche Bewußtsein gewirkt hat, daß das Ursprüngliche und das durch die Offenbarung Angebildete gar nicht wehr zu unterscheiden ist! Die Charakterisirung dieser Geschichte der Offenbarung in ihren Hauptepochen, von diesem Standpunkte aus, wo nämlich die allmälige Bewegung des Menscheugeistes dem großen, heiligen geoffenbarten Worte entgegen die Geschichte der Offenbarung heißt, ist der Gegenstand der dritten Prolusion. St. bezeichnet diese Epochen einfach als Kindes-, Knaben-, Jüngling-, und Mannesalter. Es ist das Familienleben in der harmlosen Hingebung, wo die Offenbarung als das Gebot, als die Lehre des Familienvaters, dem unbedingter Gehorsam geleistet wird, erscheint, welches das Kindesalter dieser Geschichte ausmacht. Das Zeitalter kindischer, launenhafter Widerdersetzlichkeit bei unangefochtener Autorität des geoffenbarten Wortes mit im Gegentheil größerer Schärfung der Vorschriften und Gesetze, folgt --- das Knabenalter. Jetzt kommt die Periode der Widersetzlichkeit mit Widerspruch, das Jünglingsalter, Widerwille gegen die Macht der Autorität; man fordert Gründe; im überschwänglichen Gefühle der.Lebensfülle schweift es übermüthig über die Grenze hinaus; mit Zweifeln fängt es an, mit Protestiren fährt es fort, und endigt mit völligem Leugnen. Jetzt tritt der Wendepunkt ein, das Mannesalter. Das neue Geschlecht will prüfen, sondern und sichten; durch das Mittel einer sorgsamen Kritik will es geistigen Besitz erwerben, es erkennt fortan nichts mehr als das Seine, was es nicht in sein Fleisch und Blut verwandelt hat. Der Mann knüpft den abgerissenen Faden wieder an, er prüft und sucht in seiner Reinheit zu erkennen. Die Frage stellt sich da so: ist die geoffenbarte Religion wirklich das, wofür sie sich giebt? kann und soll sie ein dem Menschengeiste wahrhaftiges und ewiges Gut bleiben, und ist in ihr der große Spruch enthalten, nach welchem und durch welchen ausschließlich das Menschenleben sich jener geahnten Höhe der Heiligung bemeistern, sie erreichen kann? Die vierte Prolusion beschäftigt sich mit der „Reli-- gion als volkbildendem Elemente," es sollte der Titel aber vielmehr heißen „die Offenbarung als erhaltendes Element in Israel." Dieser Abschnitt ist vorzüglich, und da er nicht nothwendig in die Entwickelung des JdeengangeS gehört, wir auch bei Gelegenheit einen größer» Theil davon unfern Lesern mittheilen wollen, so gehen wir sofort zur fünften Proluston über: „wahre und falsche Gefangennehmung der Vernunft unter dem Glauben." Es versteht sich wol von selbst, daß St. eine absolute Gefangennehmung der Vernunft unter dem Glauben, wo die Vernunft ihr kritisches Amt selbst unterjocht,

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