Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-08-07 · Heft 32 (7.8.1843) · p. Seite 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 32 (7.8.1843)
Date
1843-08-07
Page
Seite 466 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225314--05405-3236057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

466 der Krone nicht an. Daher die eine Bemerkung nur noch: was uns vorliegt, fann; allerdings erst noch nur Pie Grundlage fein, auf bie weiter W^Wneu eine fröh> liche Aussicht eröffnet ist; insbesondere aber ist noch-ie Wirkung zu erhoffen und zu erstreben: daß sich der religionsphilosophische Geist weiter^ durch die größere Masse verbreite, da er bis jetzt noch Eigenthum Einzelner und Vereinzelter ist. Daß dies Letztere geschehen wird,-dafür birgt die Höhe der Zeit. ' Ueberblicken wir nun, was uns auf unserm Gebiete gegeben worden, so haben wir drei Männer zu nennen: Steinheim, Formstecher und Sam. Hirsch, Steinheim, der Arzt und geistvolle Dichter*), Formstecher, jetzt Oberrabbiner zu Offenbach am Main, Sam. Hirsch, gegenwärtig Rabbiner zu Luxemburg. Den Reigen eröffnet Steinheim: „Die Offenbarung nach dem Lehrbegriffe der Synagoge, ein Schiboleth. Erster Theil. Frankfurt am Main. 1835. S. XXIV und 364." Steinheim hat das eigene Schicksal, daß es seinen Schriften, sowol den poetischen als den philosophischen nicht gelungen ist, einen weiten und zahlreichen Kreis von Theilnehmenden zu gewinnen. Wir wollen die Ursachen hier nicht weiter untersuchen, da seine Schriften nicht minder für die, welche mit seinen Ansichten nicht übereinstimmen, mit seinen Untersuchungen sich nicht befreunden, dennoch einen großen Schatz enthalten, als für die, welche ihm anhangen werden. Um so näher liegt es aber, den Zuhalt der vorliegenden Schrift zuvor näher zu skizziren, ehe wir seine Resultate besprechen, und feine Stellung bezeichnen. Hier können wir aber schon das „Vorwort" nicht übergehen. Um den Zweck seiner Schrift in's Klare zu stellen, charakterisirt er den Zustand der „Zerstreuung," in welchem sich die Anhänger der Synagoge gegenwärtig befinden, da „der freie Menschengeist sich wieder in den unverjährbaren Besitz seines guten Rechts — der unverkümmerten Freiheit der Forschung in göttlichen Dingen, der vollkommnen, durch keine Autorität zu hemmenden Macht des Gedankens, der Untersuchung — einfetzte" — „nun aber des Zerstreuens kein Ziel und kein Ende ward, und dem Maße des blinden Glaubens sehr bald das Maaß des blinden Unglaubens *) Gesänge Obadjah's und Sinai. glich." „Sehr, bald, sagt er, ward unter dem hohlen, vornehmen Titel von Aufklärung Religionsberachtüng zur Ehrensache." Diesen Zustand der Zerstreuung „in den Zustand der Rückehv, -es Zn-sich-Gehens zu verwandeln, eine Zeit der Sammlung einzuführen," ist der Zweck dieser Schrift. Mit herrlichen Worten schildert. St. den Standpunkt der alten „Väter der Synagoge," wie: „Ihnen war es nicht eigen, auf weichen Polstern zu schwelgen, während dem Volke Fasten auferlegt war; es war nicht die Art jener Lehrer, sich zu bereichern von dem Worte des Lebens, das sie predigten." „Galt es Opfer zu bringen; galt eS, das Märtyrerthum zu untergehen: so waren sie die ersten der Opfer." Mit herrlichen Worten wendet sich St. an die Jugend, um sie zu ernsterer Forschung zu bewegen, und darin ihnen als Leiter zu dienen. Von solch' reichem, gemüthlichem wie geistvollem Stande geht Steinheim aus, weit hinter sich lassend jene frivolen Jünglinge, die mit einigen Federstrichen den Inhalt unsrer Religion zu vernichten glauben, eine kühle heidnische Bildung für das innige Leben der Religion bietend. Steinheim bringt feine Schrift in zwei Abtheilungen: die erste betitelt er „Form des Begriffes," diezweite „das Schiboleth." Jede dieser Abtheilungen leitet er durch „fünf Prolusionen" ein. Die erste Prolusion bespricht: „göttliche und menschliche Befugniß zur Kritik," und setzt folgende Sätze auseinander: „Hat es dem höchsten Geiste gefallen, dem Menschen Etwas zu offenbaren, so muß er ihm nur geoffenbart haben, was bis dahin Geheimniß gewesen, Gegenstände, auf welche der Mensch ohne diesen Weg der Mittheilung nicht hätte kommen können." „Das offenbarende Wesen konnte dem Menschen es daran nicht fehlen lassen, woran er überall erkenne, ob das ihm durch Menschen seiner Art Gebrachte auch in der That den Charakler einer Offenbarung an sich trage oder nicht, weil wir die Offenbarung ohne diese Merkmale nicht besitzendste nicht vor Fälschungen, die ganz gewiß vorhanden sind, bewahren und rein erhalten können." Die Schrift befugt uns aber selbst dazu, indem sie von falschen Propheten erzählt und durch die Stellen 5 Mos. 13, 2 ff. und 18, 9 ff. Es müssen also gewisse Merkmale vorhanden sein, an denen zur Evidenz zu erkennen sei, was wahrhafte Offenbarung sei? Ob dann die Offenbarung mit meinem schlechthinnigen Bewußtsein übereinstimme, oder nicht, das muß ganz unberücksichtigt bleiben, wenn nur die Merkmale untrüglich sind. Ja, am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.