Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-31 · Heft 31 (31.7.1843) · p. Seite 461

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 31 (31.7.1843)
Date
1843-07-31
Page
Seite 461 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225313--05399-3236050
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Als allniälig aber. im - Preußischen und gesammten deutschen politischen Leben eine rückschreitende Bewegung die Ueberhand gewonnenwurde , in Betreff des in den neuen Landestheilen vorläufig nicht geänderten Zustandes der Juden nach fünfzehn Jahren, nämlich durch die Kabinetsordre vom 8. August 1830, definitiv. ausgesprochen, daß das Edikt vom 11. Marz 1812 auf sie keine Anwendung finde, vielmehr bis zu weiterer Bestimmung die bei der Okkupation Vorgefundenen Gesetze fortdauern sollten." „Diese Kabinetsordre hatte jedoch vor Augen, daß ein definitiv ordnendes allgemeines Gesetz in kürzester Frist erscheinen werde. Man hatte zu dessen Vorbereitung die Erklärungen sämmtlicher Provinzialstände; eingehott, und bereits in dem Preußischen Landtagsabschiede vom 9. Januar 1830, also ein halbes Jahr vor dem Erlasse jener Kabinetsordre, den Ständen mitgetheilt, daß ein solches Gesetz, welches möglichst beschleunigt werden sollte, sich in der Arbeit befinde. Bei Abgabe dieser Erklärung hatte das Provisorium fünfzehn Jahre - verflossen und es zerfallt heute, nach nahe dreißig Jahren, der Preußische Staat noch-immer in einundzwanzig Territorien, deren jedes nach einem für sich bestehenden und von dem andern abweichenden Staatsrechte in Ansehung der Juden regiert wird." , „Nachdem der Preußische Staat seiner historischen Entwickelung gemäß bereits seit mehr als einem Jahrhunderte auch' in dieser wichtigen Angelegenheit ein einiger geworden, nachdem insbesondere das Jahr 1812 die Preußischen Juden zu Preußen umgeschassen hatte, wurden sie in Folge der Freiheitskriege aus Preußischen Staatsbürgern, Bürger einzelner Territorien; steigt heute der Preußische Jude in einundzwanzig Abstufungen, je nach dem Territorio, in welchem er wohnt, von gedrückter Existenz, wie sie das Mittelalter ausgedacht, bis zu dem vollkommen emanzipirten Preußischen Staatsbürger, durch die mannigfaltigsten Rechtsgestaltungen empor, ohne daß irgend nachzuweisen wäre, wie der Jude in den ehemaligen Nassa tischen oder Hessen-Darm städtschen Territorien eine geringere Bildungsfähigkeit hätte, als der kn den angränzenden Landestheilen, die zu Frankreich oder dem Königreiche Westphaten gehört; daß der Jude in Schlesien und der Mark dem Juden in der angranzenden Lausitz vorausgefchritten." — (Schluß folgt.) Korrespondenz«». Rzeszvw, den 26. Junn Sie werden wol aus den Zeitungen, von dem großen Brande, der unsere Stadt Rzeszow am 20. Juni 1842 in der mitternächtlichen Stunde heimgesucht hat, gelesen haben, aber ich glaube, es dürfte für die Leser Ihres geehrten Blattes nicht uninteressant sein, heute am Jahrestage ein genaueres Detail dieser furchtbaren Katastrophe zu vernehmen , besonders, da dieses ' meistens die Israeliten betroffen; und da ich überdieß beabsichtige, allen jenen Menschenfreunden, die uns mit Rath und That in dieser schweren Zeit der Noth so liebreich beige- . standen haben, dey öffentlicher» Dank zu zollen. — '• In der verhangnkßvollen Nacht um 4- 12 Uhr vom 26. auf den 27. Juni 1842, brach in einem WirthShause gegen die Neustadt zu, eine Feuersbrunst aus. Ehe noch die Jnnwohner aus ihrem ersten Schlafe geweckt wurden, griff das Feuer durch einen heftigen Wind getrieben, so schnell um sich, daß alle in dieser Gasse wohnende Leute kaum so viel Zeit gewannen, ihr Leben zu retten; und auch dieses ist nicht ganz gelungen, denn in einem gegenüberstehendem Hause ist eine ganze jüdische Familie aus fünf Individuen bestehend, wirklich ein Raub der Flammen geworden. — Durch die schmale Gasse, wo die Hauptstraße aus der Stadt kn die Neustadt führt, und wo das Feuer von beiden Seiten furchtbar wüthete, wurde die Kommunikation der Stadt mit der Neustadt so abgeschnitten, daß die Letztere, ohne Rettung in einer Stunde gänzlich eingeäschert wurde, ohne daß man es in der Stadt wußte, und so wurde in kaum drei Stunden die ganze Neustadt und ein großer Theil der Stadt vernichtet. Nur sehr Wenigen ist es gelungen, etwas von ihren Habseligkeiten zu retten, denn jeder war froh, sein und seiner Familie Leben gerettet zu haben.— Doch keine Schilderung von den Schrecken dieser Nacht! — ' Zu bewundern war der Muth eines vierzehnjährigen jüdischen Mädchens, das als ihm das Feuer den Ausgang sperrte, sich in eine mit Wasser gefüllte Tonne rettete, durch immerwahrendes Untertauchen, dem um ihn tobenden Feuer trotzte und als die Tonne selbst zu brennen ansing, dieser entsprang, sich durch die Flammen muthig einen Weg bahnte, und halb versengt, dem schrecklichen Tode entging. — 31*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.