Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1843)
- Date
- 1843-07-31
- Page
- Seite 462 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Einen sehr Hro^ek ^ükid ^Schaden hatte; die hiesige Judengemeknde erlitten. Zwei große und zwei - kleine Synagogen, dann das Bet-Hamedrisch (uri-nan n^), daS 'Gemeindehaus worin der Kreisrabbiner wohnte, und das Krankenspital sammt allem Zubehör, lagen sämmt- ^lich in Asche; besonders die im geschmackvollen Style erbaute, und wegen ihrer architektonischen Schönheit mnd Zierlichkeit berühmt gewesene Neustädter große Synagoge, -und alles was darin war, .ging in Flammen auf; selbst -die Loras, 32 an der-Zahl, nebst ihren silbernen Hand- Haben und theuern Gardienen und konn-: ten m'cht gerettet ^werden. Verödet liegt sie da, die einst; so schöne und herrliche Synagoge., und von allen den! schönen Verzierungen-und Inschriften der Wände blieben! nur noch zwei lesbare Verse , zurück; nämlich: üipwt-rj jtnyü.vrn ym ‘pns üsna fch^ .„Der j Ewige möge Euch trösten unter den übrigen Trauernden! Zions und Jerusalems," und dann rD'-ü, der Segensfpruch bei Äettung aus Lebensgefahr, welches ick! der Merkwürdigkeit halber hier anführe. — Aber bei j all diesem großem Unglücke, hat sich auch hier das! Sprichwort: „Wo die Noth am größten, ist die Hilft! am Nächsten" sattsam bewährt. Der allbarmherzige! himmlische Vater, der mit seiner Linken strafet, undmit seiner Rechten heilet, hat uns in unserm edlenhochgeehrten Krekshauptmann und Gubernkalrath Herrn ThadeuS v. Lederer einen 'schützenden Engel, einen Tröster, Retter und Vater zugesendet. Denn noch stand alles in rauchenden Flammen, als dieser hochherzige Mann Sammlungen machte, um für dm ersten Augenblick das traurige Schicksal der Verunglückten zu mildern. —- Noch -an demselben Tage wendete er sich an dm umliegenden Adel, an die Dominien, Magistrate und Kreise durch ein sehr rührendes Zirkular, worin er die Größe des-Unglücks schilderte — und sieh' — seine vom Herzen kommenden Worte drangen wieder zum Herzen. — Von allen Seiten stoffen, einer ergiebigen Quelle gleich, milde Spenden an Nahrungsmitteln, Kleidern und Geld, wobei unsere Hauptstadt Lemberg 'durch den Eifer und Edelmüth der hochgeehrten Herren Mübernialräths und Polizei-Direktors Herrn' Sachar 'Masöuch und k. Raths und'Bürgermeisters Herrn Festerrbürg, 'bereit edles Streben uns unvergeßlich "bleibt, 'eine besondere'Freigebigkeit'an 'den Tag gelegt hat. — 'Nicht minder hat üüftr gute 'Herr 'Gub'ernkalrath zur unparteiischen Vertheilüng der eingegangenen ' Spenden einen Unterstützungs-Verein aus den achtbarsten christlichen lund israelitischen Männern unserer Einwohner gebildet, Per Unter seinem MKsitze an gewissen Tugen sich wersammette, und ft dem der Verunglückten nach Verhält- 'Niß seines Schadens eine -Unterstützung ^»kommen ließ, wobei -sich der.schön 'langst AM Anftre Stadt sich wer- 'dient gemachte geehrter Herr Kreisapotheker -Eduard Hi- 'bel, -Repräsentant der chrsstl. Aüsschußmanner, und unser verdienstvoller Stadtph'ysikus -und Mell. Dr. Herr Witchelm Turteltaüb, der Sohn unseres achtbaren-Gemeindevorstehers, Herrn Moritz Turteltaüb, durch -ihre Thatigkeit und unermüdeten Eifer sowol im Sammeln als auch im schwiecigen Geschäfte der täglichen Vertheilüng der Nahrungsmittel, Kleidungsstücke und Gelder unter die Hungrigen und Nackten, besonders auszei'chneten, und verdient machten.. Letzterer nämlich, Herr Dr. Tutteltaub, ein eifriger Pfleger der Literatur, und Mitarbeiter vieler belletristischer Blätter, ließ am fünften Tage nach dem Brande zwei seiner eigenen theatralischen Produkte von der damals anwesenden Theatectruppe zur Aufführung bcin- .gen, wobei durch dessen Arrangement diese Stücke nicht nur zur vollkommenen Zufriedenheit des kunstsinnigen Publikums aussielen, sondern auch 450 Gulden C. M. den Abgebrannten zukamen. Er war es auch, der nicht nur während-des-Brandes in eigener Person die Gefahr verachtend, viele Kinder aus den Flammen rettete, und in seine Wohnung bringen ließ, sondern auch seine gediegenen» Berichte über das große' Unglück üriserer Eknwöh'ner, die er m die Meisten Zeitungen emrÜckte, wur- ' den mit ' dem besten Erfolge -gekrönt. Aber auch der 'Lohn ihrer Thätigkeit blieb nicht aus; so wenig "bisse von Menschenliebe beftelten Männer darauf gerechnet haben. Denn durch die gütige Verwendung Unsers edelgesinnten Herrn Gübernialtaths, der jedes Gute zu befördern und jedes Verdienst 'herauszuheben , und nach Kräften zu belohnen strebt, und ' durch die Fürsprache der h. Landesste'lle haben Se.'k. k.'Majestät am 13. Mäk l. I. dem'Nell. Dr. Wilhelm Turteltaüb und dem Apotheker Eduard Hibel knMzeszow in Gal.izien die 'kleine goldene Zivil - Ehrenmedaille mit dem B^nde allergnädigst zu verleihen geruhet. Auch des Humoristen M. G. Saphirs, so wie des menschenfreundlichen Redakteurs der Theaterzeitung, Herrn Ad. Baierle, muß ich hier im Namen aller Abgebrannten mit Dank erwähnen; indem Ersterer, einen durch seine in'Baden gehaltene Vorlesung ekngegangenen "Betrag von 327 st. C. M. unserer "Stadt zuschkckte; so wie Letzterer auf Ansuchen unseres edlen Herrn Guberniat-