Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1843)
- Date
- 1843-07-31
- Page
- Seite 457 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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457 in Israel wallfahrten, sähen, sich seinen Segen zu erbitten und ihm dafür reichliche Spenden für seinen Zweck zu opfern. Wie sich dies Alles mit der vielgerühmten Intelligenz und Aufklärung, der hiesigen Israeliten in Einklang bringen laßtbegreift sich freilich nicht. ' Vom Main, 6. Juli. Da wir einmal der Freimaurerei, wie sie mit sich selbst betreffs der israelitischen Glaubensgenossen in Widerspruch getreten ist, Aufmerksamkeit geschenkt haben, so können wir einem Artikel die Aufnahme nicht versagen, der unter obigem Dato der Deutsch. Allg. Zeit, einverleibt war. „Ein Korrespondenzartikel aus Berlin in No. 95 bedarf der Berichtigung einiger darin enthaltenen irrigen Angaben, wie er zugleich zur Beleuchtung' der darin entwickelten Ansichten auffodert. Zuvörderst wird gesagt, in den letzten Jahren hätten viele Juden in-preußischen Logen als Maurer aufgenommen werden wollen, bei welcher Gelegenheit sich denn Meinungsverschiedenheit gezeigt habe. Dem ist nicht so. Wol haben Juden, welche in französischen, englischen, holländischen, belgischen und amerikanischen Logen, zum Theil auch in den von dem Einsender erwähnten, in Frankfurt a. M. bestehenden, von ihm sogenannten jüdischen Logen Aufnahme in den Freimaurerbund gefunden, hin und wieder um Zulassung zu den Versammlungen preußischer Logen gebeten. Aber daß Juden in preußischen Logen Aufnahme in den Bund gesucht, davon ist nichts bekannt. Die beiden iw Frankfurt a. M. bestehenden, von dem Einsender sogenannten jüdischen Logen, welche, im Vorbeigehen gesagt, zusammengenommen weit über 200 Mitglieder zählen, bestehen wol der Mehrheit nach, aber keineswegs ausschließlich, aus Israeliten. Was von Gleichstellung der Juden mit den Christen, von den Erwartungen, .welche man, gestützt auf gewisse freisinnige Denkungsarten, sich davon zu machen hier und dort berechtigt sei, und von ihrer nähern oder entferntern Verwirklichung gesagt wird, mag hier unberührt bleiben, wie denn überhaupt ein Vermischen der positiven Vorschriften des Freimaurerbundes mit willkürlichen Emanzipationstheorien ungeeignet erscheint. Wenn aber gesagt wird, es sei nicht wegzulaugnen, daß der Bund auf christliche Tendenzen basirt sei, so muß der Bund ein solches Ansinnen nachdrücklichst ablehnen. Es ist hier nicht der Ort, die Frage von. der vermeintlich christlichen Grundlage des Freimaurerbundes ausführlich zu erörtern. Dies mag und wird am geeigneten Orte geschehen. Aber es darf nicht gesagt werden, daß der Bund auf christliche Tendenzen basirt sei. Denn in England, in. Frankreichin Holland, in Belgien, in Amerika weiß man nichts von einem Unterschiede der Religionen im Freimaurerbünde. Es darf nicht einmal gesagt werden, daß die Freimaurerei, wie sie in Deutschland getrieben wird, auf christliche Tendenzen basirt sei. Denn die sächsischen, die hannoverschen, die Hamburger und noch viele andere Logen lassen israelitische Maurer zu ihren Versammlungen zu. Die eklektischen. Logen thun mit wenigen Ausnahmen Dasselbe. Es darf nicht einmal-gesagt werden, daß die preußische Freimaurerei auf christliche Tendenzen basirt sei, denn die Grundlagen und Vorschriften des Bundes sind aller Orten dieselben, sondern man kann höchstens sagen, ..daß in Preußen dem Freimaurerbunde christliche Tendenzen „in den Mund gelegt worden seien." Man lasse uns aber die betreffende'Stelle etwas naher betrachten. Dieselbe lautet: „Was aber den Freimaurer-, orden betrifft, so ist nicht wegzuläugnen, daß dieser Orden auf christliche Tendenzen basirt ist, und wenn dies auch nur eine Ansicht wäre oder eine Seite, von der man an der Spitze des Ordens ihn . auffaßte, so wäre das doch Grund genug, den Juden die Zulassung zu verweigern." Wenn ich sagees sei etwas nicht hinwegzuläugnen, so ist billig vorauszusetzen, daß ich von einem Axiom rede, was nach dem oben Gesagten die vermeintlich christliche Grundlage des Freimaurerbundes nicht ist. Oder es deutet eine, solche Aeußerung wenigstens auf eine starke, fest begründete, tief wurzelnde Ueberzeugung, in deren unmittelbarer Nähe sich eine Aeußerung des Zweifels, wie solche in den Worten liegt: „und wenn dies auch nur eine Ansicht wäre" re., gar drollig ausnimmt. In diesen Worten zumal ist das Irrige der fraglichen Ansicht indirekt beinahe zugegeben. Im Ganzen genommen dürfte man, wenn, man in obigem Vordersätze statt wegläugnen „durchführen" setzte, sodaß es hieße: „Es ist nicht durchzuführen, daß der Orden auf christliche Tendenzen basirt sei," der Wahrheit viel näher kommen. Wie verhält es sich aber mit dem Nachsatze: „Wenn es