Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-31 · Heft 31 (31.7.1843) · p. Seite 454

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 31 (31.7.1843)
Date
1843-07-31
Page
Seite 454 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225313--05392-3236043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FM Freim erster werden, und bei Leibe keinen Lehrburschen oder Gesellen halten darf! Ich wünsche, -der -StijM .dieser neuew^meffianiischen Lehre HäÄre H'Mal auf den Einfalls zwei Meilen Ltber die'Frankfurter Grenze WaÄs seinen Messias zu suchen, und er würde von Polizei wegen nach Frankfurt zurückgewiefen, da allein seinen Mes- ' stas zu haben, weil Ä Än Frackfurtsr Jude, der. sich anderswo nicht niederlassen dürfe. Oder die jüdische Realschule in Frankfurt, an der.er Hehrer -W, würde zu einer deutschen, und Herr vr. Creizenach dürfte dann kein Lehrer wehr an ihr sein, weil ein Jude an einer deutschen Schule nicht doziren darf — würde er dann noch ferner glauben, der Messias sei gekommen mit dem deutschen Vaterlandes Nein! wir können unser deutsches Vaterland lieben von ganzem Herzen, wir können für dasselbe glühen von ganzer Seele, wir können für dasselbe wirken mit ganzem Vermögen — aber wir müssen nicht die llnfreiheit, in der wir noch leben, die Bande, in die man uns noch schnürt, mit schöllen Phrasen bekleistern, man wird -uns sonst zudringlich nennen, was. man dem Juden so gern in die. Schuhe schiebt, man wird uns mit.Recht anmaßend und kriechend nennen — nein! wir dürfen nicht Griechen, selbst vor dem deutschen Vaterlande nicht kriechen, da es uns immer noch als Stiefkinder behandelt und zurückstößt. Nennt der Jude jetzt das deutsche Vaterland den. Messias, nun, was girbt's denn höheres auf der Erde, als den Messias? -rwir haben dann.zugestanden, daß wir mit den deutschen Zuständen höchlichst zufrieden sind, und da haben wir >- gelogen, und da man eine neue Religion stiften will, so ist es gar schlimm, die Religion mit einer Lüge nnzufangen. Aber gesetzt, das deutsche Vaterland gäbe uns bürgerliche, unbedingte bürgerliche Gleichheit mit den Christen — dann könnten wir wol sagen, mit dem deutschen Mterlande sei der Messias gekommen? Oder die französischen, holländischen, belgischen ff. Juden können diesen Satz zu ihrem Glaubensbekenntniß machen? --Sie Hütten dü mit einen wesentlichen Th eil des Jude n t hum s vernichtet, sie h ä t t e« d a m i t e i n e großartige Lehre der heil. Schrift -urchgestrichenl Wir brauchen gar nicht zu einem persönlichen Messias -zu rekürriten, wir brauchen noch gar nicht an eine Restitution Jsrael's in Palästina zu denken: der wesentliche Inhalt der jüdischen Messiaslehre 'ist — da ß alle Volker sich zum Bekenn tu iß des erniMn Gottes ve-rejnen, und in Folge dessen Elizheit, Friede, Heiligung und Go.ttselig'keit adK Erd en i m uro gl ich sitz ytz M ' G^r ad e herrsch e-ü werden. Dies sst es, wM.'die Propheten in ihren hkiliDen Momente» verkündeten, und was festzuhalten, der heiligste Beruf. Jsrael's ist. Schon in den Büchern Mosis wird es oft genug angedeutet, daß durch Israel alle Völker der Erde den Götzendienst abthun und den einigen Gott erkennen ssollsn. Die Wunder in Aegypten geschehen, daß die Aegypter und. alle Völker der Erde erkennen, daß Gott allein Gott ist im Himmel und auf Erde». An Israel ergehet die göttliche Offenbarung, Israel ist berufen zur Erkenntniß und Anbetung des Einigen, aber nur daß diese Erkenntuiß und diese Anbetung des Einigen alle Lande durchdringe. Zwar nicht durch das Schwert, und nicht durch äußere Mittel, auch nicht mit einem Mate und in wenigen Jahrhunderten — denn die Menschheit soll stets in freier Ent- Ivickelung bleiben — sondern durch diese freie Entwickelung, durch allmäligeS Zureifen, und durch die großeil RetigionSemissionen, die von Israel auSgehen. Indem demnächst Israel diese Messiastehre aufgeben würde, würde es sich selbst aufgeben, würde es seinen Beruf, seinen Zweck, seinen ganzen Inhalt aufgeben, gerade dadurch würde es in den Partikularismus zurückfallen, den man ihm so oft vorgeworfen. Denn diese Messiaslehre ist das Gebiet des Judenthums, auf welchem es sich von seiner Individualität zur Allgemeinheit erhebt.- Man hat in jüngster Zeit den neueren jüdischen Theologen öfters vorgeworfen, daß sie dem Judenthum den Charakter, einer allgemeinen Weltreligion vindiziren wollen, bei der. partikularistischen Gestaltung des Judenthums dies aber von vorn herein unmöglich fei. Niemals hat man aber behauptet, daß das Judenthum, so wie es für seine Bekenner besteht, die allgemüne Religion der Menschheit werden solle. Die Lehre des Judenthums soll und muß die allgemeine werden:, hingegen das individuell-jüdische Gesetz nur die speziell dazu geborenen und berufenen Träger der göttlichen Lehre betrifft. Nimmt man aber nun jene Messiaslehre dem Judenthum, substituirt man ihr irgend ei« Materialistisches, feiges bürgerliche Gleichstellung, sei es das deutsche Vaterland: so hat man mit eigenmächtiger Gewalt die Brücke zwischen Israel und der gefammtea Menschheit abgebrochen, jenes-auf sich selbst zurückgervorfen, auf sich ifolirt, -und -ihm - den Nerv seines -Lebens — Pie einstige Verallgemeinern rH seines -Bekenntnisses — abgeschnitten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.