Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1843)
- Date
- 1843-07-24
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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446 Herr, Vas Einfuhren dieser Leute in jüdische Familien das Seelenheil vieler Lauen und Wankenden, von denen es jn dieser, lebenslustigen Stadt wimmelt, gar leicht gefährdet werde; daß Viele von den golvfädnen Netzen, mit welchen sie jedes dürftige Individuum zu umgarnen wissen, angelockt.und MM Abfall verleitet werden können? Aber.Vas sind -die Folgen jeder Eitelkeit, die sich im Verwaltungswesen einer Gemeinde am nachtheiligsten und schädlichsten zeigen. Nur durch sie geblendet konnten die scharfsichtigen Kaufleute die schlau angelegten, auf Jahre »berechneten Pläne dieser Menschen nicht durchschauen, nicht vorsichtig sein, durch ihre Milde den Goldlockungen bei manchen dürftigen Individuen zuworzukommen, und endlich nicht einsehen, welche Gefahr ihrer Ehre drohet. Der zweite begangene Fehler ist noch unverzeihlicher und liegt in der unerhörten, unverantwortlichen Unthatigkeit, Lauheit und Fahrlässigkeit der Religionsvertreter. Vom -eigentlichen Prediger, - dem Herrn Bach, wollen wir schweigen. Warum, wird Zeder Pesther Israelit wissen. Aber vom Herrn Rabbiner, der sich ja noch die Gunst seines Publikums zu erhalten weiß , fordern wir Angesichts der ganzen Welt Rechenschaft, warum er während voller zehn Monate, die wir in Pesth verlebt, zu einer Zeit, in /der es schon von dem Miffionswesen spukte, nur zwei Predigten und drei sogenannte Daraschot gechalten, und bei dieser Dekonomie, kein einziges Wort nur verlauten lassen, daß man sich gegen die Miffionsumtriebe in Acht nehme, daß man behutsam und vorsichtig sei und von dem ausgehängten Köder sich nicht anlocken lasse; oder in einem Zuge nur den schroffen Gegensatz unserer erhabenen, göttlichen Religion herausgestellt, und über die Gefahr, die im Religionswechsel liegt, deutlich gesprochen hätte? Sorgt man so für 'das Heil und Wohl einer an. 9000 Mitglieder 'starken Gemeinde? Darf man so die Hand in -den Schooß .stecken, wenn ein die Religiosität einer großen Gemeinde erschütternder Stürm herannahet? hatte er nicht die Summe der materiellen Kräfte, die Geltung und Achtung seiner Gemeinde bei den Behörden , die geistigen in ihm selber liegenden Kräfte und Fähigkeiten anwenden und gebrauchen sollen , dem Unfuge zu steuern tmd -den bösen sich einschleicheuden Geist des Abfalls -zu bannen? Erkennt er nicht darin die höchste .Aufgabe und den heiligsten. Beruf eines Rabbiners über -jedes Einzelne der:ihm überantworteten Heerde Gottes mit väterlichem Auge zu wachen und mit nicht ermüdender Thätigkeit es zu erhalten zu streben? — Es scheint überhaupt, daß man in Ungarn nicht einmal den Maßstab zur tüchtigen Befähigung und ersprießlichen Wirsamkeit eines . Rabbiners kennt. Viele meinen da, ein Rabbiner sei nur ein kostbar aufgeputztes Feierkleid, das man nur. an einem Feiertage oder zu einem Jahrmärkte, anzulegen braucht, der Welt seinen Glanz und Reichthum zu zeigen, oder höchstens dasselbe auch bisweilen dem Nachbar leihet, damit er sich auch ein solches -könne zuschneiden lassen. Der Abfall mehrerer Familien ist nun die traurige Folge, und erwägt man die Frivolität und Genußsucht unserer Zeit, den Mangel wahrer Geistesbildung, Selbstständigkeit im Urtheilen, der bei dem größten Theile der Iudenmaffe in Pesth verspürt wird, so kann man sich der traurigen Ahnung nicht erwehren, daß diese nicht ohne Nachwirkungen bleiben werden. Und nun noch ein Wort an Euch übrige Gemeinden meines Vaterlandes. Sehet und werdet weise! Seid auf Euerer Hut, wenn man sich Euch nahet, einnistet und Euere Nellgiositat behutsam sondiren will, wie man es in Pesth gethan. Und Ihr, Rabbinen, lasset öfter das Wort Gottes, in welchem Idiom Ihr es könnet., in den Gotteshäusern ertönen, wecket und belebet nur den Eifer für die Ehre Gottes. Es ist immer besser mit in altem« Jargon gehaltenen Predigten zu nützen und das Heil seiner Gemeinde zu fördern, als mit der Befähigung schön predigen zu können — zu schweigen. Eure Ehre, die Ehre Eurer Gemeinde hängt davon ab und ganz Israel wird über Euch richten. Ein Unpr. Ludoivcr (Böhmen), im Juli. (Eingesandt). Aufforderu ng an deutsche A^erzre und Natu rforscher, -zunä-chst ay die ifraelitischeu. Niemand ist undankbarer gegen chie Mitwelt — .als die Mitwelt selbst. Stilles -bescheidenes Wirken vergräbt sich in seiner -Bescheidenheit, und bleibt -in seiner Bescheidenheit vergraben, in^ef eitles, prunkendes Wirken, welches nur mit seipem Scheine blMef,.