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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-24 · Heft 30 (24.7.1843) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 30 (24.7.1843)
Date
1843-07-24
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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445 Schwächen dieser Gemeinde inhäriren, Unwissenheit, Mißachtung und Mißkenntniß seiner selbst und seiner Geschichte alle reelle Geistesthätigkeit Niederhalten und Niederdrücken, worauf man aber vorzüglich geräth, es müssen, auch von Seiten der Religionsvertreter eine unverantwortliche Unthätigkeit, Lauheit und unerhörte Fahrlässigkeit obwalten, die den Eingang solchen Wesens und Geistes ermöglichten. — Da nun Schreiber dieses durch seinen zehnmonatlichen Aufenthalt in dieser Gemeinde Gelegenheit hatte, ihre Verhältnisse und den sie leitenden Geist kennen zu lernen und dadurch zur Kenntniß der Hauptquellen, denen das Nebel entflossen, gelangt ist: so hält er es für seine unerläßliche Pflicht/ sowol im Interesse des Judenthums, als in der lautern Absicht, die Gemeinde selbst zum' Bewußtwerden ihres pflichtmäßig sein sollenden Bestrebens als ein nicht unbedeutender Theil Israels, so wie auch rücksichtlich ihrer Stellung zu den 220,000 Juden Ungarns, denen sie von rechtswegen mit einer energischen, rüstigen Vertheidigung ihres geistigen Heiligthums - vorangehen soll, zu bringen, mit einem unverholenen und rücksichtslosen Urtheile in die Oeffentlichkeit zu treten, und ohne alle Delikatesse auf die wunden Stellen mit dem Finger hinzuzeigen. Zwei Fehler sind es, die in dieser Gemeinde besonders vorherrschen; der eine wird von Seiten der Gemeinde-, der andere von Seiten der Religionsvertreter begangen. Allerdings muß es zugestanden werden, daß ein Bestreben nach höherer Bildung das Regiment in dieser Gemeinde leitet, welches der geregelte Gottesdienst, die blühende Schule und das großartige Spital unverkennbar darthun. Aber trotzdem darf auch das nicht verkannt werden, daß dieses Bestreben kein vollkommen reines, lauteres und Bildung an und für sich erzielendes sei, daß vielmehr die Absicht, mit den gekrönten Erfolgen ihrer Anstalten vor Jedermann glänzen und damit prunken zu wollen, sich als eine nicht unwirksame Triebfeder in allen Gemeindethätigkeiten kund giebt. Die fernere Ursache, die diese Triebfeder in Bewegung setzt, behalten wir uns vor ein andermal zu besprechen. Für jetzt haben wir es nur mit ihren Aeußerungen und Folgen zu thun. Eine davon ist das kriecherische, schmeichlerische, allen Anstand und alle zu erstrebende Würde einer Gemeinde schwer verletzende Buhlen um die Gegenwart Andersgläubiger bei jedem feierlichen Akte. Man mißverstehe uns nicht. Wir wollen damit nicht eine schneidende Kälte, ein schroffes, rauhes, die Toleranz verletzendes. Wesen empfohlen wissen; auch nicht, insofern man diese freundliche Annäherung den edlen christlichen Bewohnern dieser Stadt zu Theil werden läßt, obwol es auch gegen diese mit einem gewissen Takt und in einer das Ansehen der Gemeinde nie verletzenden Weise geschehen muß. Denn thut sie dieses nicht und überschreitet die Grenzlinie, so'bleibt sie, man mag sie drehen und kehren, wie man will, eine Ausartung der Toleranz, eine After- Humanität, etwas Gezwungenes und Unnatürliches, das einen Mangel des edlen Selbstbewußtseins und des hohen zu erstrebenden Zieles einer Gemeinde verräth. Aber dieses Fraternisiren auch auf die, die absichtliche Schmälerung einer Religion erzielen wollenden Missionäre auszudehnen, auch diesen mit einer kokettirenden Zuvorkommenheit zu begegnen, das, glauben wir, ist ein Verfahren, welches jeden Israeliten entrüsten und jedem Vernünftigen höchst unklug und unpolitisch erscheinen müsse. Sa war es für Schreiber dieses empörend, mit eigenen Augen ansehen zu müssen, wie man einem der schlauesten Missionäre, wenn er in den Tempel kam, auf's ehrenvollste Platz machte, und warum, damit er auch den modernen Gottesdienst bewundern und in das Lob des gepriesenen Rabbiners einstimmen möchte. Aber das war noch nicht human genug. Auch zur dreitägigen Semestralprüfung wurde er sammt seiner Familie geladen, man flüsterte sich mit Vergnügen zu, daß er dem hebräischen Fache mehr Aufmerksamkeit schenke, als der Herr Rabbiner, und wie man mir sagte, hätten auch die eminenten Schüler Prämien von ihm erhalten. Wir appelliren nun nicht nur an jeden gläubigen Israeliten, sondern auch an jeden frommen Christen: wird nicht durch ein solches. Verfahren die Autorität und Achtung, das Ansehen und die Würde einer israelitischen Gemeinde tief verletzt? Muß nickt der.Menschenkenner eine Charakterschwäche darin finden, die tiefe, sehr tiefe Blicke in den ganzen geistigen Organismus werfen läßt? Warum hätten die Vertreter nicht bedenken sollen, daß durch diese Annäherung, dieses Einschlei- 30*

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