Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1843)
- Date
- 1843-07-24
- Page
- Seite 444 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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444 ' Ein Abgeordneter der Ritterschaft: Die Beantwortung finde sich, am besten in den allgemein ausgesprochenen Wünschen der Provinz. Von allen Seiten, und in der heutigen Sitzung noch, seien Anträge an die Ständeversammlung eingegangen, welche die Emanzipation der Juden beantragen, und die Versammlung könne nicht umhin, solche zu beachten. Habe auch jeder von uns das unbestreitbare Recht, seine individuelle Ansicht auszusprechen, so hatten wir darum nicht minder die Verpflichtung, auch die Wünschender Provinz zu beherzigen. Aber auch diejenigen, welche gegen die Zulassung der Juden wären, sollen sich doch in dem vorliegenden Falle selber keine Beschränkung auferlegen, und sich selber das Recht untersagen, einen Juden, den sie ihres Vertrauens würdig erachten, für die Folge wählen zu können. Ein Abgeordneter der Landgemeinden: Er habe immer gefunden, daß im Allgemeinen die Juden noch nicht jene Kulturstufe erreicht hätten, die sie befähige, in christlichen Gemeinden einflußreiche Aemter zu bekleiden; worauf ein Abg. der Ritterschaft entgegnet: der Grund hiervon sei, daß die Christen sie bedrücken, und es so selbst verhindern, daß die Juden sich eines solchen Zustandes zu entraffen vermöchten. Die geänderte Fassung des §. 68 (ohne das Requisit der christlichen Religion) wurde durch namentlichen Aufruf mit 63 bejahenden gegen 12 verneinende Stimmen genehmigt." # Düsseldorf, 13. Juli. (D. 3.) In Folge des höchsterfreulichen Votums der hohen Stände- Versammlung, bei Sr. Majestät dem König die Emanzipation der Juden zu beantragen, hat die hiesige jüdische Gemeinde dem Herrn Oberbürgermeister v. Fuchsins Hundert Thaler mit der Bitte übersandt, dieselben zur Vertheilung von Brod an städtische Arme ohne Unterschied der Konfession zu verwenden. Berlin, 16. Juli. Die Dankadresse der hiesigen Juden an den Rhein-Landtag ist nicht abgegangen. Magdeburg, 17. Juli. (Privatmitth.) Es liegen uns jetzt die Denunziationsschristen zweier Breslauer Juden gegen die Amtstracht des Rabb. Dr. Geiger vor. Sie eignen sich nicht zur Veröffentlichung, denn wozu verbreiten, was wir nur bemitleiden, was wir nur bedauern, ja was wir nur verachten können? Da, wo eine wesenhafte Ueberzeugung ausgesprochen wird, 'wo es sich um ein Wesentliches, Bedeutsames handelt: wir können da andrer Meinung sein, aber die Ansichten der Gegner ehren. Wo sich aber der Haß hinter Denunziationen flüchtet, wo das Kleinlichste hervorgeholt wird, um — eines Rachekitzels, um Befriedigung der Leidenschaft willen—da können wir nichts anderes, als unwillig hinwegweisen! O Juda, das war die Achillesferse immer an Dir, das war der Krebs, den Du mit Dir trugst durch alle Zeiten! Wann werden kleinliche Ränke verschwinden? Wann wird eine offene Stirn überall gewiesen werden? Wann wirst Du aushören, Dich selbst zu zerfleischen, und die mühsam und kaum errungene Achtung selbst wieder zu vernichten?! Oesterreich. Pesth, im Juni. (Eingesandt.) Ein ungestörtes, durch keine Reaktion gehindertes Umsichgreifen der Miffionsumtriebe in der größten und blühendsten israelit. Gemeinde Ungarns ist eine Erscheinung, die jedes Israeliten Indignation im höchsten Grade erregen muß. In einem Lande, wo nicht nur jeder Druck von Außen schon wirklich aufgehoben ist, sondern auch der hochherzige Sinn der Stände, die kräftige Fürsprache der edlen Magnaten und der Geist der Duldsamkeit, der in diesem Lande überhaupt herrscht, den baldigen Genuß einer vollkommnen Emanizipation erwarten lassen; zu einer Zeit, in welcher das Judenthum überhaupt die Früchte seines durch Jahrtausende mit Gut und Blut vertheidigten, geistigen Eigenthums erst zu genießen anfängt, seinen geretteten Jdeenschatz mit philosophischen Geiste durcharbeitet und ihn im Abglanze seiner Göttlichkeit allen Völkern der Erde entgegenstellt: unter solchen Verhältnissen den Geist des Abfalls von der väterlichen Lehre in einer Gemeinde Wurzel fassen zu sehen, ist ein Phänomen in der alten und neuen Geschichte Jsrael's. Beim ersten Nachdenken darüber muß sich unstreitig Jedermann das Resultat ergeben: es müssen gewisse Charakter-