Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1843)
- Date
- 1843-07-24
- Page
- Seite 439 (sequence 3)
- Language
- German
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439 als Anfangspunkt des Reformvereins angezeigt, Im Franks. Journ. sogar schon vertheidigt worden ist, hat diese Angelegenheit schon sich selbst charakterisirt. Der Verein hat hiermit als seine Tendenz: die Vernichtung der ganzen positiven Gestatt des Judenthums — hingestellt. es heißt 1 B. Mos. 17, 10—14: ,^Dies ist mein Bund, welchen ihr halten müsset, zwischen mir und euch und deinem Samen nach dir: Beschnitten werde bei euch jegliches Männliche. 11. Beschneiden sollt ihr das Fleisch eurer Vorhaut, und das sei zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch. 12. Und zwar acht Tage alt soll beschnitten werden bei euch jegliches Männliche, für eure Geschlechter, der Hausgeborne und der mit Geld Erkaufte von jedem Fremden, welcher nicht von deinem Samen ist. 13. Beschnitten werde dein Hausgeborner und dein für Geld Erkaufter, und so sei mein Bund an eurem Fleische zu einem ewigen Bunde. 14. Aber ein vorhäutiger Mann, der nicht beschnitten worden am Fleische seiner Vorhaut, dessen Person soll ausgerottet werden aus ihrem Volke, meinen Bund hat er gebrochen." . Gegen diese klaren Worte der Schrift halten alle Sophistereien auch nicht im mindesten Stich. Erst muß die Schrift als Unterlage und Inhalt des Zudenthums völlig weggeläugnet werden: daun erst kann mit ihr diese Stelle, der Anfangspunkt des Judenthums, fallen — das heißt nicht anders als das Judenthum selbst muß fallen, in das Nichts zweier, dreier allgemeiner Sätze sich auflösen. Alles Bestehende muß seine positive Gestalt haben, sonst ist es eben ein Deicht-Bestehendes. In dieses wollen also die Theilnehmer jenes Vereins das Judenthum bringen.-*) °) Lächerlich ist der Einwand, daß dann die Araber ff. auch in den Bund des Judenthums gehören. Der V. 12 stellt als eine wesentliche Bedingung die Beschneidung am achten Tage fest. Jischmael wird nur beschnitten, weil er damals noch zu den Hausgenossen Abraham's gehörte s. V. 23, und wenn die Mohamedaner sich jetzt noch, zur Nachahmung ihres Stammvaters, im dreizehnten Jahre beschneiden, so können wir es ihnen eben so wenig wehren, als wenn ein Nichtjude Sabbat uud Peßach halten wollte. — Unhaltbar ist der Einwand, daß in dem von . Die Reform des Judenthums -raucht nicht-erst zu beginnen, sie hat schon begonnen. Sie hat auf die Moses ausgesprochenen Gesetze von der Beschneidung nicht die Rede sei. Josua 5, 5 heißt es geradezu: „Denn beschnitten war all das Volk, welches (aus Aegypten) herausging, doch all das Volk, welches in der Wüste geboren wurde auf dem Wege, als sie ausgezogen aus Aegypten, hatte man nicht beschnitten." Moses brauchte also nicht als ein Gesetz erst auszusprechcn, was so fest, so offenbar im Volke als Gesetz galt, daß es selbst in Aegypten es nicht unterlassen. Hieraus geht aber auch hervor,. daß die Beschneidung nicht an das Land Canaan gebunden, da sie so unverbrüchlich in Aegypten gehalten worden. Welche Wichtigkeit Moses der Beschneidung beilegte, erstehet man aus dem Schriftstücke 2 Mos. 4, 24—26, wo die Nichtbeschneidung seines Kindes als Ursache der Todesgefahr M.'s, die Beschneidung als Ursache der Genesung erklärt wird. (S. eine genaue Erörterung in unserer israel. Bibel B. I. S. 318 ff.) Uebrigens erwähnt M. die Beschneidung doch als Gesetz 3 M. 12, 3., und wenn dies als ein „Einschiebsel" angegeben wird, so ist kein vernünftiger Grund für diese Behauptung beigebracht, es sei denn, weil die. Kritiker — es so wollen. Nun übersehen aber, oder verschweigen die Herren die Stelle 2 Mos. 12, 43—48, wo Moses Folgendes ausspricht.- „Und der Ewige sprach zu Moscheh und Ahron: Dies ist die Satzung des Peßach's, kein Fremder soll davon essen. 44. Und jeder Knecht, der für Geld erkauft, so du ihn beschnitten, soll er essen davon. 45. Ein Beisaß und Miethling soll nicht davon essen. 46. In einem Hause soll cs gegessen werden, du sollst nicht aus dem Hause bringen von dem Fleische nach außen, und das Gebein sollt ihr nicht zerbrechen an ihm. 47. Die ganze Gemeinde Israels soll es verrichten. 48. Wenn sich aber ein Fremdling bei Dir aufhält, und will das Peßach dem Ewigen verrichten, so werde ihm alles Männliche beschnitten, und dann trete er heran, es zu verrichten, und er soll wie d§r Eingeborne des Landes sein, aber kein Unbeschnittener soll davon essen." Wie nun? spricht Moses die Beschneidung nicht als ein Gesetz aus, da er sie sogar vom Fremden verlangt, wenn er vom Peßachlamme essen will? £>, diese willkürliche Spaltung! Sprecht, was Ihr wollet, aber verdrehet nicht willkürlich das klare Wort der Schrift! — Immer aber beweiset die allgemeine.Beschneidung, sobald Israel aus der Wüste getreten, die Wichtigkeit derselben, und wird am a. O. Jos. kräftig genug darüber gesprochen. Will man endlich noch einen überflüssigen Beweis, so sehe man, wie schon Moses die Beschneidung als Metapher auf die Beschneidung des Herzens anwendet, 5 3#. 10, 16. 30, 6., somit jene als Gesetz und Sitte vollständig bewußt voraussetzt. (Ueber dogmatischen und historischen Inhalt der Beschneidung verweisen wir auf unsere israel. Bibel. Bd. I. S. 73 u. ff.)