Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1843)
- Date
- 1843-07-17
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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432 Bosheit an jenen unglücklichen Geschöpfen, die sie schon durch ihre religiösen Vorschriften unversöhnlich zu hassen aufgefordert sind. „Allah, heißt es, hat also die Schicksale bestimmt: die Gläubigen können in dieser Welt leiden, aber in jener werden sie entschädigt; die Christen genießen während ihres Lebens, leiden aber nach ihrem Lode; die Juden leiden hier und dort/' Die Araber Lhun alles um den Worten Allahs Kraft und Bedeutung zu gebend In Erwartung der Leiden im'künftigen Leben, erfahren die Juden alle möglichen Drangsale in diesem. Keine Erniedrigung wird ihnen erspart. Eine besondere Kleidung ist ihnen vorgeschrieben: begegnet ein Jude einem Gläubigen auf der Straße, so muß er stehen bleiben, sich bücken und letzterem das Gewand küssen. Warum, wird man fragen, verließen die Juden ein Land nicht, wo ihr Schicksal so hart war? Was fesselte sie an einen Boden, wo sie von Kindern Beschimpfung und Mißhandlung leiden mußten? War es jenes natürliche Gefühl, welches uns auf der Scholle, auf der wir geboren , lieber leiden als in der Fremde genießen läßt? Es ist nicht zu glauben, wenigstens war dieses Gefühl nur ein sehr untergeordneter Grund jener verzweiflungsvollen Resignation. Man muß die,Ursache vorzüglich in jener Leidenschaft suchen, welche die Juden gebückten Hauptes durch alle Jahrhunderte hindurch begleitet hat, in jewem Durst nach Gold, in jener Habsucht die bei vielen von ihnen niemals befriedigt wird. Sie handelten, sie schacherten, sie trieben Mäklergeschäfte — das ist das ganze Geheimniß ihrer Geduld. Das Uebrige schlugen sie nicht an. Sie krümmten sich gutwillig vor ihren ^Henkern, sie nahmen ohne Murren jede Beleidigung hin, sie unterwarfen sich ohne Widerstand dem türkischen Gesetz, und als durch die Ankunft der Franzosen die Stunde der Befreiung für sie schlug, da war ihre Dankbarkeit gewiß nicht so groß als man erwarten sollte/ Die Befreiung war in ihren Augen nur eine Unterbrechung ihrer einträglichen Geschäfte. Heute genießen sie jedes Bürgerrecht, aber nichts hat ihren Wuchersinn geändert. Sie haben sogar die äußeren Zeichen ihrer ehemaligen Erniedrigung beibehalten. Afrika bestehen ohne einen Juden, dem sie ihre Habe, ihr ganzes materielles Schicksal -anvettrauen, wie wir erst vor Kurzem aus authentischen Quellen beibrachten? Red. Noch immer sieht man sie größtentheils in der früher vorgeschriebenen Bekleidung, mit der türkischen Jacke, den bauschigen Hosen und den Kopf mit einem schwarzen Luch umwickelt, welches letztere das eigentliche Zeichen ihrer Sklaverei war. In Algier selbst befinden sich die meisten Juden, und fast alle haben ein ansehnliches Vermögen." - In dem Endsatze ist — leider — schon eine Unwahrheit, denn in Algier sind die meisten einheimischen Juden im höchsten Grade arm. Aber wie scharfsinnig entwickelt der Schreiber dieses Artikels die Gründe, warum die niedergetretenen Juden die mohamedanischen Staaten nicht verlassen haben. Wohin sollen die Zerstreuten gehen? Etwa nach Augsburg? Sollten sie überhaupt nach den Ländern der Christenheit gehen? Etwa nach Spanien? von wo doch die meisten mohamedanischen Staaten Juden bereitwillig erhalten haben. Ueberhaupt können die christlichen Staaten gewiß nicht in diesem Bezüge mit Verachtung auf die mohamedanischen sehen. Denn solche Verfolgungen auf Gut und Blut, wie die christlichen, haben die mohamedanischen nie gegen ihre Mitmenschen, die Juden, geübt. Sv haben sie sie nie verkauft, wie sie in Frankreich, England, Deutschland miederholt verkauft worden. Und die Gründe, warum sie geblieben, warum die Juden den Druck ertragen haben? Eines muß doch der Skribler neben die Geldgier stellen — wenn sie den Lurban genommen, wären sie allem Diesem überhoben gewesen — also die Glaubenstreue! Erst muß der Skribent einen christlichen Stamm nenen, der, bei solchem Drucke, seiner Religion durch Jahrtausende treu geblieben, und noch treu ist, dann soll er ungehindert—schmähen können. Algier, im Juni. Die Arch. isr. de Fr. enthalten einen ausführlichen Bericht über den öffentlichen Unterricht unter den Algier'schen Israeliten vom Advok. Cohen, aus dem wir das Hauptsächliche hervorheben. Zuerst spricht er über die enorme intelligente Begabung, die die israelitische Jugend in Algier auszeichnet. Diese Kinder erlernen in 8 bis 9 Monaten die ganze franz. Grammatik, noch können sie kaum französisch sprechen, und schreiben es schon korrekt. Ebenso die die bloß jüdischen Schulen besuchen, Lalmud und rabbin. Schriften verstehen sie in einem! Alter von 10—12 Jahren. Die Physiognomie der ' Knaben giebt sch: n ihren Geist zu erkennen, die breite