Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-17 · Heft 29 (17.7.1843) · p. Seite 431

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 29 (17.7.1843)
Date
1843-07-17
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225311--05365-3236014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

431 ken Schwerte drohend stehet.- Das weiß z. B. Frankreich, gegen das sie immerfort ihr Gift sprudeln läßt, weil sie von Frankreich — kein Verbot zu fürchten hat. Ein solches hat sie auch nicht — von den Juden zu fürchten, und diese trifft daher das gleiche Schicksal. Doch Frankreich weiß sich zu trösten — wir wissen es nicht minder. Lassen wir sie zuerst ihr Mährchen erzählen. Es lautet: „Religiosität ist die vorherrschende Eigenschaft der Araber. Es ist daher erklärlich daß sie, trotz ihrer Verachtung gegen die Juden, diese in der Ausübung ihres Kultus nicht stören und die bescheidene Synagogeneben ihren Moscheen dulden. Die Synagoge zu Bona ist ein unscheinbares, seiner religiösen Bestimmung wenig entsprechendes Gebäude, aber sie verdankt der Tradition daß sie unter allen israelitischen Gotteshäusern in der Regentschaft Algier sich der meisten Verehrung erfreut. Wir halten uns hier gänzlich an die Erzählung des dortigen Rabbiners Salomon-Ben-Komri. Vor vielen Jahren trat ein Maure von Bona, den Vorschriften des Islams gemäß, die Wanderung nach dem Grabe des Propheten an. Glücklich erreichte er das Ziel seiner Reise, verrichtete seine Gebete, und nachdem er allen religiösen Pflichten Genüge geleistet, beschäftigte er sich mit den Angelegenheiten seines Handels. Endlich beschloß er die Heimkehr und schiffte sich nach Alexandrien ein. Unter seinen Reisegefährten befand sich ein Jude, ebenfalls aus Bona, der von Jerusaelm kam, wo er von dem Oberrabbiner eine Bibel erhalten hatte die er als ein heiliges Besitzthum in einem Kästchen aufbewahrte. Im Angesicht von Alexandrien erhob sich ein fürchterlicher Sturm. Das Schiff ging unter, und von allen Passagieren rettete sich nur einer, nämlich unser Maure, dem es gelang schwimmend das Ufer zu erreichen. Bei seiner Ankunft in der Stadt erzählte er den Untergang des Schiffes und den T..od des Juden, seines Landsmannes. Wenige Tage darauf wurde die Aufmerksamkeit einer türkischen Schildwache am Hafen durch einen Gegenstand erregt, den die Wellen gegen das Ufer hin warfen. Der Soldat eilte an den Strand, und unterschied deutlich ein Kistchen das sich gegen das Land zu bewegen schien. Sogleich meldete er dieß dem Kaid, der einige Mann beorderte das Kistchen aufzufangen. Wie sie .das aber wollten, schwamm dasselbe wieder zurück. Mehrmals wurde der Versuch wiederholt, immer umsonst. Die Türken zerbrachen sich, den Dps über diese Erscheinung; endlich erinnerten sie, sich der Erzählung yes Mauren, des ertrunkenen Juden und der Bibel, die er in einem Kistchen verschlaffen bei sich geführt hatte. Der Kaid ließ einige Juden kommen, und gab ihnen den Auftrag sich des Kistchens zu bemächtigen. Kaum hatten die Juden den Nachen betreten, als jenes mit der größten SchvMgkeit heranschwamm und sich gleichsam den Händen des Rabbiners darbot, der es öffnete und die heilige Bibel aus Jerusalem herausnahm. Dieses Wunder machte einen solchen Eindruck auf den Mauren, der mit dem unglücklichen Eigenthümer der Bibel gereist war, daß er auf seine eignen Kosten ein Gebäude zur Aufbewahrung des heiligen Schatzes aufführen ließ. — Das ist der.Ursprung der Synagoge zu Bona, die einer so großen Verehrung genießt, daß selbst Muselmänner im Geheimen dort ihre Andacht verrichten. Wie sich dieß mit den Vorschriften des Propheten verträgt, möchte schwer zu bestimmen sein — gewiß aber ist es, daß viele Gläubige, ungeachtet .ihrer Verachtung gegen die Juden, festes Vertrauen in die Heiligkeit der Synagoge zu Bona setzen." Um dieses Mährchen einzuleiten, bedient sie sich, wie gesagt, eines ätzenden Giftes. Sie sagt: „Nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Verfolgung haben die Juden .im modernen Europa .eine Zuflucht gefunden, in Frankreich *) sogar vollkommenes Bürgerrecht. Wenn sie sich aber hier jener Toleranz erfreuen die das allgemeine Gesetz unserer Zivilisation geworden ist, so ist dagegen die Tyrannei säum mit Worten zu beschreiben die auf ihnen vor der französischen Eroberung in den nördlichen Provinzen Afrika's lastete. Dort wie überall in der Erwartung ihres Messias — festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, wurden sie von den Herren des Landes als unreine Wesen betrachtet, und sahen sich preisgegeben jeder Art von Unterdrückung die der Haß nur immer ersinnen kann. Der Jude ist in den Augen des Arabers kein Mensch, sondern .im eigentlichen Sinne d.es Worts eine Sache, etwas was man nach Umständen gebraucht, um es gleich darauf mit Verachtung bei Seite'zu werfen**). Selbst die Kinder üben ihre *) Bloß in Frankreich? nicht auch in Belgien, Holland, Dänemark, Kurhessen, Nordamerika? R-ed, **) Und doch kann kein muhamedanisches Haus in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.