Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1843)
- Date
- 1843-07-17
- Page
- Seite 423 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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423 Zettmrgsuachrichten. Preußen. Berlin, 9. Juli. (Privatmitth.) Eine Mittheilung eines Frankfurter Blattes, angeblich aus dem Inhalte eines Schreibens, welches der Prinz von Preußen an mehrere Berliner. Freimaurer jüdischer Konfession erlassen habe, hat, bedauerlicher Weise, auch bald in andern öffentlichen Blättern Platz gefunden. Die Sache ist aber so entstellt und ungereimt dargeboten, daß Unterzeichneter, ein wahrheitsliebender, treuer Preuße, und mit dem beregten Gegenstände durch persönliche Lheilnahme vertraut, sich zu folgender Berichtigung und Gegenerklärung verpflichtet hält. 1) Es ist wahr, daß Freimaurer, jüdischer Konfession, seit einiger Zeit bei den Berliner Großlogen Schritte gethan, um wie in England, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und anderen Staaten, auch in den Preußischen Logen ihren christlichen Mitbrüdern gleichgestellt zu werden. 2) Es ist wahr, daß mehrere Berliner Freimaurer, jüdischer Konfession, es auch in Ehrfurcht gewagt, eine desfallsige unterthänige Petition an Se. König!. Hoheit den Prinzen von Preußen, den Protektor der vaterländischen Logen, gelangen zu lassen. 3) Es ist aber nicht wahr, daß eine Antwort, wie die in besagten öffentlichen Blättern mitgetheilte, erfolgt sei; vielmehr haben Se. Königl. Hoheit, penn auch, aus angegebenen Gründen,, die Petition nicht erfüllt, doch ein Schreiben in sehr gnädigen und humanen Ausdrücken zu erlassen geruht, und höchstdero allgemein bekannte Herablassung und Humanität auch hierbei wieder bethätigt. Am wenigsten kommt darin auch nur ein Wort von getauften Juden vor, also auch nichts von deren Zulassung oder Abweisung, hinsichts des in Rede sichenden Ordens. Wie sollte sich dergleichen auch mit dem geraden und logischen Sinn dieser höchsten Person zusammenreimen, da erwähnte Eingabe weder irgend einen Bezug auf Konvertiten enthalt, noch von irgend einem solchen unterzeichnet ist. — Soviel mag hinreichen für Alle, die nicht durch den Orden selbst näher unterrichtet sind. Möchten doch diejenigen Blätter, welche erwähnte entstellte Miltheilung verbreitet, und sie noch nicht widerrufen haben, auch Vorstehendes aufnehmen. W.m. Berlin, im Juli. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat eine Dankadresse an die rheinischen Landstände für ihr Einschreiten in Sachen der Kommunalordnung zu Gunsten ihrer israelitischen Mitbürger erlassen. Düsseldorf, 7. Juli. (Privatmitth.) In der nächsten Woche wird die Emanzipationsfrage bei den Ständen Vorkommen. Es existirt hier 'ein Privatbrief Schell in g's an einen bekannten jüdischen Dichter und Gelehrten, durch den zur Genüge bewiesen wird, das auch vom Standpunkte des christlichen Staats aus, die Juden auf Gleichstellung die gerechtesten Ansprüche haben. Saarbrück, 28. Juni. (Privatmitth.) Es ist höchst wichtig, die Dokumente zu sammeln, welche den Geist und die Gesinnung der Rheinländer Betreffs der Emanzipation der Israeliten darlegen. Es kann bald Gelegenheit kommen, sie zu benutzen. Ich übersende daher anbei die Beurtheilung, welche die in Ihrem Blatte mitgetheilte Petition der ehrenwerthen Bürger von Saarbrücken und St. Johann, sechster Punkt: die Emanzipation der Juden (s. No. 22")), im „Saarbrücker Anzeiger" No. 74 gefunden. Ich glaube, Jedermann wird sich über diesen klaren, schlagenden Artikel freuen, der in diesen seinen Eigenschaften, so viel auch über den Gegenstand geschrieben wird, ein seltener ist. „Wir gehen daher sofort über zu dem sechsten und letzten Punkte: die Emanzipation der Juden. Wenn alle bisherigen Bitten lediglich dem Gebiete der Politik und somit des Verstandes angehören, so hat diese Bitte zugleich Etwas in sich, das die edelsten Gefühle des menschlichen Herzens berührt. " *) Wir finden Veranlassung zu erklären, daß die den Abdruck der Petition in No. 22 einleitenden Worte von uns selbst sind, so daß die Unterschrift des höchst ehrenwerthen Vorstehers und Präsidenten des ksrael. Konsist. Herrn M. Simon eben nur die Richtigkeit der Abschrift der Petition und den Einsender bezeichnet. Redakt.