Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1843)
- Date
- 1843-07-10
- Page
- Seite 417 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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beginnt mit einer „Lebensgeschichte Mendelssohn's," die ausführlich ist, mehre neue Notizen bringt, aber trokken, ohne Eleganz des Styls, ohne Kraft des Ausdrucks, ohne liefere Charakteristik. Als uns neu scheinend, heben wir folgende Bemerkung hervor: , Mehrere Figuren im Nathan (von Leffing) sind nach dem Leben gezeichnet, wie es diejenigen erkennen , die Mendelssohn und sein Haus, in welchem Leffing viel verkehrt hat, gekannt haben. Zuerst ist Nathan Lessing's Freund Mendelssohn. In der Thal ist die Art, wie Mendelssohn sich ausdrückte, auf's getreueste nachgeahmt. So floß Mendelssohns Rede hin — milde, ruhig, mit tiefem Sinne, doch nie anstoßend oder auffahrend. — Wie Nathan seine Recha, so belehrte M. seine Kinder. — So wie Nathan mit dem Tempelherrn spricht, war es Mendelssohn's eigene Kunst mit denen zu sprechen, die, wie er wußte, gegen ihn eingenommen waren; und eben so gewann er sich die Freundschaft mancher edlen Seele, die sich einem Juden mit einigem Widerwillen näherte. So wie Nathan sich gegen Saladin betragt, verstand es M., ohne sich zu übernehmen, seiner geistigen Würde auch gegen Große nichts zu vergeben.— Der Derwisch ist ein getreues Bild eines jüdischen Rechenmeisters, der oft in M/s Haus kam. Eben so abstrus, eben so leidenschaftlicher Freund des Schachspiels, welches er nicht als Spiel, sondern als eine wichtige Angelegenheit des Lebens betrachtete, eben so versenkt in seine Ideen und für die äußere Welt, mit Ausnahme feines Freundes M., völlig abgeschlossen — war Abraham Rechenmeister, der M.'s Kinder unterrichtete, und auch außer den Lehrstunden oft in das Haus kam." — Dieser Lebensgeschichte folgt: „Zur Einleitung in Moses Mendelssohn's philosophische Schriften. Von Ch. A. B ran dis." Es ist dies eine vorzügliche Skizze, die die philosophischen Bestrebungen Mendelssohn's eben so gut charakterisirt, wie auch der Geschichte der neuern Philosophie an richtiger Stelle einverleibt. Mendelssohn gehörte der Wölfischen Schule an: „jedoch mit Vorbehalt seiner wissenschaftlichen Freiheit hatte er sich ihr angeschlossen und mit dem lebhaften Bedürfniß das Starre ihrer Formen zu beleben und den ursprünglichen Leibnitzischen Kern in seiner Reinheit herzustellen. Daher die eigenthümlichm Vorzüge, durch die er sich vor fast allen übrigen Genossen der Schule auf das entschiedenste auszeichnet. Die Theile des Lehrgebäudes, zu deren Bearbeitung er, gelangt ist, hat er nicht bloß du.rch Anmuth der Darstellung zu verjüngen und von den Fesseln einer nur äußerlich verknüpfenden Analytik zu befreien getrachtet, sondern zugleich lebendiger Ueberzeugung.und fruchtbarer Anwendung sie zugänglich zu machen gewußt. In letzterer Beziehung war er beseelt vom Bedürfniß seiner Zeit, der Philosophie Ueberzeugungen abzugewinnen, die, stichhaltig gegen jeden Zweifel, uns durch's Leben zu geleiten, über die Gottheit und Vorsehung, über unsere Bestimmung undunsre Erwartungen nach dem Tode, uns aufzuklaren vermöchten." Hierauf giebt der Aufsatz treffende Andeutungen über die Wechselwirkung, in die M. mit den vorzüglichsten Männern seiner Zeit getreten, und stellt die Resultate jeder einzelnen philosophischen Schrift M.'s zusammen. Diese Abhandlung halten wir von vorzüglichem Werthe: sie tritt denen siegreich entgegen, welche vom Standpunkte der Schulweisheit aus, Mendelssohn, Leffing und ihren Satelliten und Freunden allen Werth in der Philosophie vornehm absprechen. — Der erste Band enthält nun die philosophischen Schriften, Th. 1 und 2. — Der zweite Band enthält: über die Evidenz, Phädon, Unkörperlichkekt der Seele, Morgenstunden, Sache Gottes oder die gerettete Vorsehung. — Der dritte Band: An die Freunde Lessing's, Schreiben an Lavater, Korrespondenz mit Lavater, Bonnet, Pr. von Braunschweig, Betrachtungen über Bonnet's Paliog'enesie, Men. b. Ist. Rettung der Juden, Jerusalem, Kleine Schriften I. Bereits gedruckte. — Die Ausstattung ist sehr würdig, obgleich sie darin die Wiener Ausgabe nicht übertrifft, namentlich ist das Papier dünn. In Bezug auf Korrektheit ist viel gethan, indem die Originalabdrücke und Handschriften verglichen sind, doch finden sich hie und da Druckfehler. Jedenfalls schließt diese Ausgabe die Bemühungen um die Edition der M.'s Schriften ab, und reiht sich höchst angemessen den besten Ausgaben der deutschen Klassiker an. Magdeburg, im Juni, skevue äe 1'0r!eat.^ In Paris hat sich eine Gesellschaft gebildet, deren Endzweck es ist, den französischen Einfluß im Orient aufrecht zu erhalten, und den KotholkzismuS daselbst zu schützen. Es gehören der Gesellschaft (1a societe orientale) tüchtige Männer an, an deren Spitze der Deputirte Denis steht. Sie haben eine neue Monatsschrift Revue de l’Orient gegründet, deren erstes (Mai-) Heft uns vorliegt. Allerdings sind es nur die politischen Ver-