Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1843)
- Date
- 1843-07-10
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
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413 sein Augapfel, und wie diese allein ihm Trost und Beruhigung gewährten; wie darob Gott.sich auch seiner erbarmt, so daß diese Wüste, wenn auch noch nicht ein Eden, doch allmälig milder und fruchtbarer ihm ward, wo es ausruhen und sein Heiligthum niederstellen und seine Lehre ungestört ausüben konnte. — Ich lasse hier auch die eigenen Worte des begeisterten Redners, wie sie mir im Gedächtniß blieben, folgen: „Hierauf erging zuerst an Israel der Ruf und die Mahnung: /,erhebe dein Haupt, du Nachkomme der Fremdlinge (Gerson's)! erkläre frei und offen, daß du kein Fremdling in dem Lande, das deine Eltern noch als solche ausgenommen betrachtet und behandelt hat, mehr sein willst; daß du dieses dein Vater- und Geburtsland als dein Kanaan anerkennest, daß du diesem dienen und ihm helfen willst seine Lasten tragen! Und es vernahm diesen Ruf, und es gehorchte dieser Mahnung. Eine große Versammlung von 72 seiner Auserwählten erklärte dieses laut und frei vor den Augen aller Welt. — Hierauf erging aber auch der Ruf und die Mahnung an die, welche sich bisher für die einzigen Träger des wahren Heiligthums hielten: „erhebet doch auch ihr das Haupt dieser Söhne, deren Eltern ihr als. Fremdlinge betrachtet und behandelt habet; nehmet ihre Zahl doch auch auf unter die der übrigen Bürger, da sie ja auch euch gleich dienen und tragen helfen wollen! Lasset doch jeden bei seiner Fahne bleiben —, sein Panier festhalten, nach den Zeichen und Merkmalen, wie diese ihm von seinen Vorfahren überliefert worden sind!" — Aber diese vernahmen nur zum Theil und nur in einigen Ländern diesen Ruf und gehorchten auch nur zum Theil und auch nur in einigen Ländern dieser Mahnung. — Ein anderer Theil derselben in vielen Ländern hingegen, wollte das Haupt der Söhne der Fremdlinge nicht erheben, betrachtete vielmehr diese selbst noch als solche; wollte ihre Zahl nicht aufnehmen unter die der übrigen Bürger, es sei denn, daß sie verlassen ihre Fahne, aufgeben ihr Panier, das ihnen ihre Vorfahren überliefert. — Und darob blutete unser Herz und großer Kummer beugte und drückte unfern Geist, nicht allein unser, mehr unserer Kinder willen, daß auch diese, so wie unsere Vorfahren und wir, vielleicht noch als Fremdlinge angesehen und zurückgesetzt werden, diese aber nicht so fest und stark sein könnten, wie unsere Vorfahren und wir, um bei ihrer Fahne zu bleiben, ihrem Panier treu anzuhangen und hierfür die nöthigen großen Opfer zu bringen. — Aus dieser Besorgniß und diesem tiefempfundenen Kummer erlösete und befreiete uns auf einmal die frohe Kunde, die uns diese Woche geworden, und die ich euch allen, meine lieben Israeliten, jetzt mitzutheilen mich innigst verpflichtet fühle, die Kunde nämlich, daß die edlen und biedern christlichen Bürger unserer lieben Stadt sich würdig angeschlossen haben an die der bedeutendsten unserer Rheinprovinz, um unsere jetzt versammelten Stände zu bitten, daß diese sich auch für uns bei unserm König verwenden möchten, damit wir an allen Staatsrechten gleich den übrigen Bürgern betheiligt würden. — Lasset uns dafür in dieser heiligen Versammlung am heutigen Sabbat vor allem Gott danken für diese seine große Gnade und Huld, die er uns hierin erzeigt; lasset uns aber auch von ihm inbrünstig erflehen seinen vollkommnen Segen für die edlen Bürger unserer Stadt, die da unser Haupt erhoben und sich unserer traurigen Lage so menschenfreundlich angenommen; lasset uns für sie und unsere Brüder — Brüder der übrigen Städte, mit den Worten unseres heutigen Wochenabschnittes also flehen: „O Gott, segne sie und bewahre sie; O Gott, laß dein Antlitz ihnen leuchten und sei ihnen gnädig; o Gott, wende dein Antlitz ihnen zu und verleihe ihnen Frieden." Amen. Einen tiefen Eindruck machte dieser Vortrag auf alle Anwesende. Eine höhere Freude und Begeisterung spiegelte sich auf allen Gesichtszügen und aus der tiefsten Tiefe aller Herzen ertönte das einstimmige — Amen, das noch lange in meinem Innern nachhallen und michin der Ueberzeugung bestärken wird, daß der Israelit höchst dankbar ist, und mit ganzem Herzen anerkennt, wenn man sich ihm theilnehmend und wohlwollend zeigt.- Berlin, 23. Juni. Der Magistrat hat kürzlich im Wege des Jnstanzenzuges eine zwar interessante, doch lediglich in den Gesetzen beruhende und deshalb sich von selbst verstehende Entscheidung getroffen. Ein hiesiger jüdischer Arzt, der längere Zeit schon als Arzt bei der hiesigen städtischen Armendirektion Aushülfedienste geleistet und bei seinen Ansprüchen auf definitive Anstellung immer vertrö- 28*