Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-10 · Heft 28 (10.7.1843) · p. Seite 412

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 28 (10.7.1843)
Date
1843-07-10
Page
Seite 412 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225310--05345-3235993
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

412 Zwei Wege lägen offen, der eine sei derjenige, welchen die größten Nationen Europa's, Frankreich, England, auch Holland, Belgien und ein Deutscher Bundesstaat, das Großherzogthum Hessen, ruhmvoll eingeschlagen; es sei der Weg des Fortschritts und der Humanität, — der andere Weg führe zurück zum finsteren Geiste der Intoleranz. Die Versammlung möge wählen. Er trage darauf an, daß über den vorliegenden Paragraph in der vom Ausschuß amendirten Fassung abgestimmt werde*). — Diese Fassung wurde mit 51 gegen 22 Stimmen angenommen**). Trier, 20. Juni. (Privatmitth.) Die in voriger Nummer mitgetheilte Petition aus Trier war. von dem jetzigen Oberbürgermeister und Landrath, von dem frühem Oberbürgermeister und Landrath, dem Landrath des Landkreises Trier, so wie von 18 Stadträthen, vielen Advokaten und den ersten Kaufleuten unterschrieben. . Trier, 15.. Juni. (Privatmitth.) Der Israelit ist dankbar, höchst dankbar und erkennt mit ganzem Herzen sogleich an, wenn man sich ihm teilnehmend und wohlwollend zeigt. In seinem öffentlichen Organen werden daher auch stets humane Aeußerungen und Handlungen der Christen gegen *) Auch hier spricht der Referent bündig und schlagend, er läßt kein Hinterpförtchen, man muß sich entscheiden. Wohl wünschten wir den Namen des Ehrenmannes zu kennen! **) Uebersieht man diese Debatten, so haben zehn Redner gegen, und außer dem Referenten zwölf für ihre jüdischen Mitbürger gesprochen. Vom Ritterstande sprachen acht gegen und drei für die Juden, von den Städten sprachen zwei gegen und sieben für die Juden, von den Landgemeinden sprachen nur zwei und zwar fü r die. Juden. Man erkennt hieraus, in welchem Stande wir unsre Gegner zu suchen — im Ritterstande. Dennoch hat nur ein Redner im eigentlichen Sinne den Juden das Gemeindeamtsrecht abgesprochen, und zwar von der Idee des christlichen Staates aus — die auch eine so einfache und klare Widerlegung bekommen — während die anderen Redner sich immer nur hinter der Vertagung bis zur Emanzipatkonsfrage verschanzten. Wir können also mit diesen Verhandlungen sehr zufrieden fein, und sie als einen ersten Sieg auf preußischen Landständen feiern. die jüdischen Bekenner berichtet, und finden dei allen Israeliten die dankbarste Anerkennung. Einige wollen dieses als eine allzugroße Schmeichelei betrachten, vorgebend, daß dem Juden ja mit Recht diese Theilnahme von Seiten der Christen gebühret, da jene schon zu lange von diesen in den theuersten Menschenrechten gekränkt waren, diese daher auch auf keinen Dank Anspruch machen , können und dürfen, wenn sie das dem Juden zugefügte langjährige Unrecht einigermaßen wieder gut zu machen streben.— Möge dem sein, wie ihm wolle; ich bleibe bei meinem ersten Satze stehen: - der Israelit ist dankbar, höchst dankbar und erkennt mit ganzem und vollem Herzen sogleich an, wenn man sich ihm theilnehmend und wohlwollend zeigt. Es ist bei ihm keine demüthige Kriecherei und Schmeichelei, wenn er diese seine Dankgefühle äußert, es ist vielmehr der innere Drang, diesen edlen Gefühlen Luft zu verschaffen, der ihm diese Aeußerungen abnöthigt. — Hiervon hat sich Schreiber dieses am verflossenen Sabbat in der hiesigen Synagoge bei dem Morgengottesdienst vollkommen überzeugt. — Der Oberrabbiner Kahn machte die Petition der hiesigen christlichen Bürger zum Gegenstände seines Vortrages. In Anwendung des Wochenabschnittes (4 B. M. 4, 21 ff.), in welchem erzählt wird, wie die Leviten die Stiftshütte, Israels Tempel, und die Tora, Israels Heiligthum, in der Wüste bei ihren Wanderungen durch dieselbe tragen sollen; und in besonderer Anspielung auf den ersten Vers des Wochenabschnitts: „Erhebe das Haupt der Kinder Gersons" (welcher Name ursprünglich „Fremdling" bedeutet,) schilderte er kurz und bündig, wie Israel zwar in Kanaan eine Ruhestätte und in Jerusalem einen Sitz des Friedens fand, wo es sich ein Heiligthum erbaute und in welches es seine Tora niederstellte, daß aber, seiner Sünden wegen, dieses Heiligthum zweimal zerstört ward, es somit wieder, wie ehedem, sein Heiligthum und feine Tora durch die Wüste des Lebens, aber viel langer denn vierzig Jahre tragen mußte, wo es kein Kanaan, kein Jerusalem und keine Ruhestätte finden konnte, wo es sich selbst als Fremdling betrachtete, weil es von denen, die sich als die einzigen Träger des Heiligthums hielten, als solche betrachtet und verachtet ward; wie es dennoch sein Heiligthum und feine Lehre, durch diese Wüste trug, sie bewahrte und bewachte wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.