Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-03 · Heft 27 (3.7.1843) · p. Seite 393

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 27 (3.7.1843)
Date
1843-07-03
Page
Seite 393 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225309--05325-3235972
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

393 giösen Iugendbildung mit treuer Liebe im Herzen, wenn sie sich auch äußerlich aufgeklärt, wie man zu sagen pflegt, benehmen. Eine Geistesverirrung anderer Art zeigt uns der schon bekannte Proselyte in Elberfeld, Herr Lied, vr. Frankel. Derselbe hat zur Entgegnung auf die über „seine Bekenntnisse" ausgesprochenen Urtheile eine Abhandlung: „über die Unmöglichkeit der Emanzipation der Juden im christlichen Staate, historisch nachgewiesen," geschrieben. Er behauptet und scheint es selbst zu glauben, daß, „als er einst „in stiller, einsamer, schauerlicher Mitternacht gegrü- „belt, seine Seele einen Eindruck, einen leisen, unaussprechlichen, nie gehörten, unbeschreiblichen Ton, „nicht wie Menschenstimme vernommen, und daß „ein Durchbrecher, ein Gewaltiger, vor seine Seele „heraufgefahren und ihn bei seinem Namen gerufen „habe." Vielleicht war er eingeschlafen, nachdem er „die Seherin von Prevorst" gelesen, und der Traum erzeugte den Durchbrecher; vielleicht hatten die Sphären in derselben Stunde ein Hofkonzert veranstaltet, und ein Gewaltiger brachte ihm eine Einladungskarte; vielleicht geschah'es ihm, wie L. Storch in seinem „Jacobsstern" die hinterlistige Gattin des Pseudomessias Sabbathai Zebi die Bauchsprache reden läßt, wodurch sie ihm ihre Pläne zur Richtschnur seines Benehmens eingiebt, indem er eine Stimme von oben herab zu vernehmen glaubt. Weil sich Gottes Gnade dem Propheten Samuel bewiesen, darum soll sich auch ihm die Gnade offenbart haben! Das Gebetstück Kol Nidre wird wieder als Gegenstand der Anklage vorgebracht, obgleich er nur die Vorrede von Heidenheim, auf welchen er sich selbst beruft, hätte lesen dürfen, um zu erfahren, daß von keinen vorsätzlichen Angelobungen in Bezug auf andere Personen die Rede sein könne"). Von wissenschaftlicher Hermeneutik ist keine Spur sichtbar. Auf Mos. I, 49, 10 wird das ganze Luftgebäude gestützt, während noch die jüdischen wie die christlichen Philologen diese Stölle nur durch Hypo- *) Man sollte endlich eine Abänderung dkeßfalls vornehmen, wenigstens den Ausdruck des Schwures in allen Synagogen beseitigen, um den beständigen Verdächtigungen, welchen man so gerne ,Glauben schenkt, ein für allemal zu begegnen, nach dem talmudischen Grundsatz: n»nrt in-, -iis-'nn in pn-in. Korresp. thesen zu erklären vermögen. Moses Maimonides wird von ihm kurz abgefertigt, weil er sich lieblos gegen Nichtisraeliten ausspreche, als ob die Christen im zwölften Jahrhundert liebenswürdige gewesen waren. Er scheut sich nicht, den edlen Mendelsohn schlau und perfid zu nennen, der von seinen Glaubensgenossen geringschätzend gedacht habe, der ein Jrrgeist, ein Lügner, Schristverfälscher und unmännlicher Heuchler gewesen sei! Der Herr Verfasser der „Versuche über Jissroels Pflichten" wird als Repräsentant der neurabbinischen, Literatur betrachtet und sofort mit Zitaten aus der evangelischen Kirchenzeitung todtgeschlagen. „Der Sünderfreund," ein Frankfurter Missionstraktat mit einem bedeutungsvollen Namen, wird zur erbaulichen Lektüre empfohlen. Er sucht die unmoralische Maxime zu rechtfertigen: „Das Bekenntniß mag aus Ueberzeugung „oder aus Frivolität stattgefunden haben, „gleichviel, der getaufte Jude tritt öffentlich aus „seiner frühem Opposition wider das Christenthum „heraus, nähert sich der Einheit des Gesammt-Jn- „teresses und ist deßhalb emanzipirt." Wahrscheinlich ist diese Lebensansicht die Folge der schauerlich mitternächtlichen Eingebung seines heiligen Geistes. Er theilt die Nicht-Emanzipirten in Bekenner des mosaischen, jüdischen und israelitischen Glaubens ein; vergißt aber, daß die evangelische Kirche, nach Hoffmann (die Erde und ihre Bewohner. Stuttg. 1833 S. 152), nicht weniger als vierzehn Klassen zählt, ohne die besondern Sekten, in welche jede einzelne Klasse zerfallt. Weil der Banquier Fould in der französischen Deputirtenkammer au nom du culte juif erklärt, daß der Sabbat aufgehoben sei"), so sei die Gesetzeszerstörung „auf legislativem Wege vor der „ganzen Welt ausgesprochen worden," als ob Fould bevollmächtigt gewesen wäre, im Namen des jüdischen Kultus eine Erklärung abzugeben! Hier ist die einfache Inhalts-Anzeige, an deren Richtigkeit ich selbst nicht glauben würde, wenn ich nicht dieser Broschüre wegen ihrer sonderbaren Widersprüche und Trugschlüsse mit der größten Aufmerksamkeit gelesen hätte; hier sind die historischen *) Fould erlaubte sich eine solche Aeußerung, um den Wünschen des Kultus-Ministers zu entsprechen, weit er sich um die Pairswürde bewarb. Korresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.