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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-03 · Heft 27 (3.7.1843) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 27 (3.7.1843)
Date
1843-07-03
Page
Seite 392 (sequence 4)
Language
German
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892 Hechirrgen, 19. Mai. (Privatmitth.) Das dritte Heft der von mehreren Geistlichen in Breslau redigirten Zeitschrift: „Der katholische Jugendbildner," welches ich durch den pädagogischen Lehrverein der katholischen und israelitischen Schullehrer des diesseitigen Fürstenthums, dessen Ehrenmitglieder statutengemäß die Pfarrer und der Rabbiner sind, bezogen habe, erstattet unter der Rubrik der geschichtlichen Mittheilungen folgenden Bericht aus Würz bürg: „Offenbar muß die Anstellung eines philosophi- „fchen Kandidaten israelitischer Religion am katholischen Gymnasium in Würzburg als ein auffallender „Mißgriff in der Schulstellen-Verwaltung angesehen „werden, der hoffentlich wieder gut gemacht werden „dürfte, um den Aergernissen und den schädlichen „Folgen zu steuern." Diese Mittheilung bewirkte eine gemischte Empfindung, wie sich Mendelsohn ausdrückt, denn sie ist erfreulich und betrübend. Aus jedem deutschen Staate werden doch wenigstens einzelne Züge humaner Gesinnungen mitgetheilt, und nur aus dem Königreich Baiern wird nicht leicht eine günstige Personal-Nachricht vernommen werden. Darum mußte diese Mittheilung eine frohe Überraschung gewähren. Aber betrübend ist es, daß dieses Ereigniß in einer von vielen Geistlichen und Pädagogen herausgegebenen Zeitschrift, die sich als „Jugendbildner" bezeichnet, als ein Mißgriff dargestellt wird. Soll etwa die Jugend durch solche gehässigen Bemerkungen gebildet, und sollen ihre Lehrer durch solche feindselige Aeußerungen auf den erhabenen Standpunkt ihres heilig wichtigen Berufes gebracht werden? Aergerniß wird freilich diese Anstellung erregt haben, insbesondere bei dem Korrespondenten, der sich um diese vielleicht sehr unbedeutende Stelle beworben haben mag, und überhaupt bei den Ultramontanen, die den Andersglaubenden nicht nur die ewige Seligkeit absprechen möchten, sondern auch das durch persönliche Verdienste errungene Erdengut mißgönnen. Im Gegentheile wird ja durch solche Maßregeln dem Volke der Wahn und das Vorurtheil tatsächlich benommen, und dadurch ein Hauptzweck der Erziehung und des Unterrichtes erreicht. Welche schädlichen Folgen könnte die erwähnte Anstellung haben? Als Lehrer der Geschichte wird der Kandidat nicht angestellt worden sein, noch weniger als Lehrer der Religion, sondern nur als Lehrerder Philologie, der Mathematik oder der Naturwissenschaften. In allen diesen Fächern haben sich Israeliten durch anerkannte Werke vorzügliche Verdienste erworben, und was sie durch die Schrift geleistet, das können sie durch das lebendige Wort mit noch besserem Erfolge bewirken. Gewiß muß sich auch dieser Kandidat als Schulmann auszeichnen, sonst wäre er sicher nicht bevorzugt worden. Oder sollte er nur die hebräische Sprache zu lehren haben? Solche Mittheilungen machen uns wieder die gedrückte Lage recht fühlbar. Die Israeliten in Baiern müssen großen Theils ihre Kinder in die christlichen Volksschulen senden; fragt man sie, ob es Aergerniß erregen oder schädliche Folgen haben kann? Die Kandidaten der jüdischen Theologie besuchen die Vorlesungen christlicher Lehrer über Weltgeschichte, Einleitung in das Alte Testament und biblische Exegese; sie hören über die israelitische Staats- und Volksgeschichte ohne Rücksicht sprechen; sie hören die messianischen Schriftstellen christologisch auslegen, und die Aechtheit der heiligen Bücher und ihres Textes vom Standpunkt der schärfsten Kritik beurtheilen. Und doch soll der jüdische Theologe kein Neologe, und doch soll das Volk Israel sich nicht den Christen zu nähern suchen? So wird in dem Januarhefte der von dem Pfarrer Preiswerk in Basel redigirten Zeitschrift: „Das Morgenland," unter der Aufschrift: „Zeichen der Zeit" bemerkt, daß in unfern Tagen viele Juden die strenge Gesetzlichkeit ihrer Neligionsformen abzustreifen wünschen, daß sie sich aber ebendeßhalb in ihren Hoffnungen auf völlige Gleichstellung täuschen werden. Bald will man den deutschen Israeliten keine bürgerlichen Rechte verleihen, weil sie die strenge Gesetzlichkeit ihrer Religionsformen nicht abstreifen wollen, und bald will man ihnen die Gleichstellung unter dem Vorwand verweigern, daß sich viele zum Deismus hinneigen, indem man aus ihrer religiösen Tendenz auf ihre politischen Grundsätze schließen möchte. Gewiß ist es, daß der Israelit seine Klugheit bewahren und sich über allgemeine Staatsfragen nicht aussprechen sollte, denn der alte Grundsatz, daß ein Israelit für den andern solidarisch zu bürgen habe, findet noch immer seine Anwendung. Aber unrichtig ist es, daß es reine Rationalisten unter den Israeliten giebt, denn beinahe Alle bewahren die gemächlichen Eindrücke der reli-

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